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Corona-Zahlen in Hamburg steigen: So groß ist die Angst der Ärzte

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Die Krankenhäuser werden wieder voller. Die meisten Corona-Patienten sind ungeimpft. So dramatisch schätzen Ärzte die Situation ein.

Hamburg – Die Coronavirus-Pandemie hat die Welt noch immer fest im Griff. Zum Herbst und Winter steigen die Zahlen erneut und die Ärzte schlagen Alarm. Die Krankenhäuser werden wieder voller, weil sich vermehrt Menschen mit dem Covid-19-Virus anstecken. Die meisten davon sind ungeimpft – vielleicht der allgemeinen Impfmüdigkeit erlegen. Auch in Hamburg verschlechtert sich die Lage

So dramatisch schätzen Ärzte die Situation in der Hansestadt Hamburg ein.

Neuinfektionen:383 (Stand 29.10.2021, Sozialbehörde)
7-Tage-Inzidenz:111,6
Patienten in Hamburger Krankenhäusern:122
Patienten in Hamburger Krankenhäusern (intensiv):37

Aktuelle Corona-Lage in Deutschland: Zahlen steigen, Krankenhäuser füllen sich wieder

Derzeit steigen die Corona-Zahlen beinahe täglich. Deutschlandweit wurden am Freitag, 29. Oktober 2021, 115.712 Corona-Fälle in den letzten sieben Tagen verzeichnet. Das sind 24.668 mehr als am Donnerstag, 28. Oktober 2021 und sorgt für eine Sieben-Tage-Inzidenz von 139,2 für ganz Deutschland.

Spritze mit Impfung und daneben eine Intensivstation
Wer sich impfen lässt, kann die Intensivstation vermeiden. Hamburgs Krankenhäuser füllen sich mit ungeimpften Corona-Patienten. (24hamburg.de-montage) © picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow & picture alliance/dpa/DOCDAYSrbb/Carl Gierstorfer

Mehr Infizierte bedeutet auch, dass immer mehr Patienten wieder in Krankenhäusern und sogar auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Gerald Graß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Wir befinden uns in einer kritischen Situation der Pandemie. Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3000 Patienten auf Intensivstation.“

Coronavirus Hamburg: Andere Patienten werden verschoben – so ist die Lage in den Krankenhäusern

Im Hamburg steigen die Zahlen ebenfalls wieder – die Corona-Bilanz der Hansestadt ist erschreckend. Am Freitag, 29. Oktober 2021, wurden von der Sozialbehörde 383 Neuinfektionen gegenüber dem Vortag bestätigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 111,6. Insgesamt gab es in der Hansestadt bereits 98.139 Fälle von Corona. Aktuell sind 122 Patienten im Krankenhaus, 37 davon auf der Intensivstation.

Wir beobachten mit Sorge, dass die Zahlen der Corona-Patienten auf den Normalstationen und der Intensivstation wieder ansteigen

Prof. Christian Weber, Chefarzt der Intensivmedizin in der Asklepios-Klinik Wandsbek

Aktuell sind die Kliniken aber noch nicht so überfüllt, dass sie die Patienten nicht mehr aufnehmen könnten. Prof. Christian Weber, Chefarzt der Intensivmedizin in der Asklepios-Klinik Wandsbek, sagte im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt: „Wir beobachten mit Sorge, dass die Zahlen der Corona-Patienten auf den Normalstationen und der Intensivstation wieder ansteigen. Aber die Versorgungsqualität ist nach wie vor uneingeschränkt gewährleistet und wir sind weiter aufnahmebereit.“

Allerdings beobachten Hamburger Ärzte die Situation mit Unbehagen und müssen bereits jetzt in Erwägung ziehen, eventuell andere Patienten dafür hinten anzustellen. Laut Krankenhaus-Verbandschef Gaß können zwar aktuell noch alle Corona-Patienten versorgt werden, allerdings müssen dafür andere Patienten mit weniger dringlichen Leiden vertröstet und Operationen verschoben werden. Auch das Pflegepersonal werde durch diese neue Corona-Welle extrem belastet – körperlich, aber auch psychisch, wie 80 Prozent aller Deutschen ebenfalls.

Wichtigkeit der Corona-Impfung: Der Pieks rettet Leben – die meisten Patienten in Hamburg sind ungeimpft

Eine Entwicklung, die besonders auffällt: Die meisten Corona-Patienten in den Kliniken sind ungeimpft. Weber betont daher, dass der Zustand der vollen Krankenhäuser vermeidbar gewesen wäre. „Wir sehen auch 30- bis 60-Jährige, die in einem ansonsten guten körperlichen Zustand sind“, erklärte er dem Abendblatt. Bei diesen Patienten wäre eine Infektion mit Impfung wahrscheinlich leichter verlaufen. Auch Dr. Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, wies erneut auf die Wichtigkeit der Impfung hin und riet allen Menschen, die bereits dafür in Frage kommen, sich schnellstmöglich die sogenannte Booster-Impfung – die dritte Impfung – zu holen.

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Frank Ulrich Montgomery, der Präsident des Weltärztebundes, wählte im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“, daher drastische aber wahre Worte: Wer sich nicht impfen lasse, obwohl er die Möglichkeit habe, riskiere das eigene Leben und auch das seiner Mitmenschen. „[Impfen] ist also ein sozialer Akt. Wer dies, trotz wiederholter Impfangebote und vieler Möglichkeiten, geimpft zu werden, nicht tut, der muss auch die Konsequenzen seines Handelns tragen“, sagte der Ärztevertreter, der es auch fair findet, dass Geimpfte dadurch Vorteile bekommen.

Er erklärte weiter: „Deswegen ist es richtig, wenn drei Monate nach ausreichenden Impfangeboten nun finanzielle Vorteile wie der Ausgleich des Verdienstausfalls in der Quarantäne oder die Kosten für Testungen bei Ungeimpften wegfallen. Warum sollen gesellschaftlich verantwortlich Handelnde, die sich haben impfen lassen, für die Unvernunft anderer mit ihren Steuergeldern noch bezahlen?“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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