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Corona-Wahnsinn in Hamburg: Keiner weiß, wer wegen Covid im Krankenhaus ist und wer nicht

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Von: Anika Zuschke

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Corona hat Hamburg fest im Griff – das ist eindeutig. Weniger klar hingegen: Sind wirklich alle angeblichen Corona-Patienten nur mit oder wirklich wegen Corona im Krankenhaus?

Hamburg – Die Stadt Hamburg hat die derzeitige Corona-Situation nicht mehr unter Kontrolle und scheint langsam den Überblick zu verlieren. Die Inzidenzen steigen seit Tagen konstant in die Höhe und aufgrund der Rekordzahlen an Omikron-Neuinfektionen sind Gesundheitsämter und Labore mit der Datenflut überfordert. Das gilt auch für die Zahlen coronabedingter Krankenhausaufenthalte. Wer liegt nun eigentlich mit und wer wegen Corona im Krankenhaus? Die Werte dazu sind nicht nur inaktuell – sie werden auch nicht richtig ausdifferenziert.

Variante des Betacoronavirus SARS-CoV-2:SARS-CoV-2-Variante
Omikron Linie:B.1.1.529
Erste Probe:9. November 2021
Erste Identifizierungen:Südafrika und Botswana

Untersuchung ergibt: Bei über 10 Prozent der Patienten ist unklar, ob „mit oder wegen Corona“ im Krankenhaus

Um den exakten Zahlen dazu etwas näherzukommen, wurden die Wochen zwischen dem 1. Oktober 2021 und dem 21. Dezember desselben Jahres auf genau diese Frage hin exemplarisch untersucht. Dabei kam heraus, dass Hamburgs Krankenhäuser in dem Zeitraum 1.125 mit Corona infizierte Personen gemeldet haben. Etwa drei Viertel davon kamen aufgrund eines schweren Covid-Verlaufes ins Krankenhaus, berichtet die Hamburger Morgenpost.

13,4 Prozent wurden ursprünglich wegen einer anderen Erkrankung eingewiesen und waren zusätzlich mit dem Virus infiziert. Bei mehr als jedem Zehnten konnte die Frage „mit oder wegen Corona“ nicht beantwortet werden.

Mit oder wegen Corona im Krankenhaus? „Gründe für Einlieferung werden nicht erhoben“

Es wird also augenscheinlich nicht exakt übermittelt, wie viele Menschen mit und wie viele wegen Covid im Krankenhaus landen. „In allen Zahlen – für Normal- und Intensivstationen – sind alle Patienten mit einem positiven Befund aufgezählt“, erklärt Behördensprecher Helfrich gegenüber der Hamburger Morgenpost, „auch jene, die nicht wegen Covid-19 im Krankenhaus sind. Die Gründe für die Einlieferung werden nicht erhoben.“

Der Sprecher der Asklepios-Kliniken kann dies bestätigen: „Wir erfassen nicht, ob ein Patient wegen oder mit Corona auf den Normalstationen liegt“, erklärt er der Morgenpost und fährt fort: „Wir wissen nur, welche Patienten einen positiven Test haben.“ Diese werden laut Mopo, auch wenn sie unterschiedliche Erkrankungen haben, nach Möglichkeit auf abgetrennten Covid-Stationen behandelt.

Situation in Hamburgs Krankenhäusern relativ entspannt – aber Zahlen steigen

Die Datenflut macht also vor den Toren der Hamburger Krankenhäuser keinen Halt. Obwohl die Situation auf den Intensivstationen derzeit verhältnismäßig entspannt und von den Höchstwerten im April 2021 noch weit entfernt ist, steigen auch hier die Zahlen. Laut DIVI-Intensivbettenregister lagen am Montag, 10. Januar, in der Hansestadt 88 Corona-Patienten auf Intensivstationen, berichtet die Hamburger Morgenpost. Am Montag vor einer Woche meldete das Register noch 63 Covid-Intensivpatienten in Hamburg.

Was dabei verwirrend erscheint: Die Politik bekommt lediglich alle paar Tage aktuelle Zahlen zu Corona-infizierten Krankenhauspatienten vermittelt. Momentan wird auf der Seite der Gesundheitsbehörde noch der Stand von Freitag, 7. Januar bekannt gegeben. Damals wurden 366 Corona-Patienten in Hamburger Krankenhäusern behandelt, 73 davon auf Intensivstationen. Diese Zahlen sind längst nicht mehr aktuell.

Tagesaktuelle Meldung zu Krankenhaus-Zahlen nicht möglich – „Dauerbelastung durch Pandemie“

Der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich, gibt auf Anfrage der Morgenpost zu, dass eine tagesaktuelle Meldung dieser Zahlen an die Politik durchaus wünschenswert wäre. Aber: „Im Rahmen der Dauerbelastung durch die Pandemie ist das schlicht nicht dauerhaft zu leisten. Die Daten werden dreimal pro Woche erhoben und berichtet.“ Außerdem komme es bei den Schutzmaßnahmen nicht auf einzelne Tageswerte, sondern auf die Tendenz an, die sich verzeichnen lässt – und die momentan steigt.

Eine Intensivfachpflegerin betreut auf der Intensivstation einen Covid-19-Patienten und ein positiver Corona-Schnelltest.
Corona-Lage in Hamburger Kliniken unklar: Wer ist mit und wer wegen Covid im Krankenhaus? (24hamburg.de-Montage/Symbolbild) © Christoph Soeder/dpa/Lobeca/Imago

Corona in Hamburg: Hansestadt wird zum Omikron-Hotspot – Inzidenz auf neuem Höchstwert

Hamburg ist inzwischen zur Omikron-Hochburg geworden: Von Montag auf Dienstag, 11. Januar 2022, ist die 7-Tage-Inzidenz in der Hansestadt auf einen neuen Höchstwert von 690,2 gestiegen. Zum Vergleich: Am Dienstag vor einer Woche lag die Inzidenz noch bei 463,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, berichtet NDR. Angaben der Hamburger Sozialbehörde zufolge wurden am Dienstag 2048 neue Corona-Fälle registriert – die Behörde betont jedoch, dass von einer noch höheren Fallzahl ausgegangen werden sollte.

Das ist Teil des Problems: „Der Grund hierfür ist der schnelle Anstieg und das hohe Fallaufkommen, welches zu einer teilweise späteren Meldung von Befunden durch die Labore sowie zu einer teilweise verzögerten Bearbeitung an den übermittelnden Stellen führt“, statuiert die Sozialbehörde laut NDR. Das wird voraussichtlich in nächster Zeit nur schlimmer werden, da aufgrund der neu eingeführten 2G-Plus-Regel in Hamburg noch mehr Tests anfallen werden. Denn wer aktuell das Fitnessstudio, Restaurants oder Geschäfte betreten möchte und nicht geboostert ist, muss einen negativen Corona-Test vorweisen.

Behörden in Hamburg kommen mit Kontaktnachverfolgung nicht hinterher – fatale Auswirkungen wegen Omikron

Neben einer Überlastung der Labore kommen auch die Gesundheitsbehörden mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterher. Covid-Infizierte müssen Kontaktpersonen nun selber über ihre Corona-Erkrankung und damit einhergehend eventuelle Quarantänemaßnahmen informieren – ob das auch tatsächlich in allen Fällen passiert, ist fraglich. Auf dem Weg können mögliche Infektionen unentdeckt bleiben, was bei der momentan grassierenden Omikron-Variante fatal wäre.

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Corona-Lage in Hamburg: Hospitalisierungsrate bei 4,7 und bald FFP2-Maskenpflicht im HVV

Derzeit liegt die Hospitalisierungsrate nach RKI-Angaben in Hamburg bei 4,7, berichtet der NDR. Diese gilt als Grundlage für Corona-Maßnahmen in der Politik. Bei einer Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 können die einzelnen Bundesländer je schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängen. Die schärferen Maßnahmen mit Überschreiten des Grenzwerts 3 gelten in Hamburg bereits. Erst am heutigen Dienstag, 11. Januar, kündigte Bürgermeister Tschentscher an, dass auch die FFP2-Maskenpflicht im HVV kommen wird.

Doch momentan ist die Zahl der freien Intensivbetten laut tagesaktuellem Register relativ stabil. „Bislang mussten wir unsere Reservekapazitäten nicht nutzen, und wir verfügen in unseren Häusern auch weiterhin über freie Intensivkapazitäten, um zusätzliche, schwer an Covid erkrankte Patient:innen aufzunehmen“, bestätigt der Sprecher der sieben Hamburger Asklepios-Kliniken gegenüber der Morgenpost. Hamburg sollte also bald die Kontrolle über die Situation zurückgewinnen, aber Anlass zur Panik besteht noch nicht. Hoffen wir, dass dies so bleibt, denn in Dänemark dominiert bereits der neue Omikron-Typ BA.2 – der für PCR-Tests unsichtbar ist. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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