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Corona-Studie zeigt: Virus traf in Hamburg vor allem arme Stadtteile

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Von: Steffen Maas

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Die Corona-Pandemie hat in Hamburg eine große Zahl von Menschen getroffen. Eine Studie zeigt jetzt, dass das Virus überproportional in den ärmeren Gegenden gewütet hat.

Hamburg – Bewohner von sozial benachteiligten Stadtteilen in Hamburg infizierten sich während der Corona-Pandemie deutlich häufiger mit dem Coronavirus als Bewohner von privilegierten Stadtteilen. Das fand nun eine Studie zum Thema heraus, die die Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration in Auftrag gegeben hatte. Dieser sozialökonomische Status der Bewohner stehe in direktem Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen: Während der zweiten und dritten Welle seien in den ärmeren Gegenden der Hansestadt „etwa doppelt so hohe Inzidenzen“ registriert worden, wie in den wohlhabenderen.

Name:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Variante:Omikron
Aufkommender Subtyp:BQ.1.1.

Corona in Hamburg: Ansteckungsgefahr für Geringverdiener wegen Job, Transport und Wohnung

Der sogenannte „sozialökonomische Status“ der einzelnen Stadtteile der Hansestadt wurde dabei durch die Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit, dem Bildungsniveau und der Einkommenssituation bestimmt. Alle diese Faktoren, so die Erhebung der Wissenschaftler, würden jeweils auf verschiedene Art und Weise dafür sorgen, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus wahrscheinlicher wird.

Beispiel Einkommenssituation: Viele unterdurchschnittlich bezahlte Jobs wurden zu Beginn der Pandemie als „systemrelevant“ eingestuft, die entsprechenden Arbeiter mussten also präsent sein, zumeist ohne Chance, Abstände einzuhalten oder von Zuhause aus zu arbeiten. Ein geringes Einkommen führt zudem oft dazu, dass die entsprechenden Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind – die eng und schlecht belüftet sind. Und zuletzt: Oft bedeutet geringeres Einkommen auch beengte Wohnverhältnisse, mit mehreren Personen pro Haushalt, die sich weder isolieren noch Abstand halten können.

Ein Bettler sitzt in den Straßen von Hamburg: Für arme Menschen war die Ansteckungsgefahr bei Corona höher.
Corona in Hamburg: Ansteckungsgefahr für Geringverdiener wegen Job, Transport und Wohnung. © Chris Emil Janssen/imago

Corona-Studie stellt fest: Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund weniger aussagekräftig

Die sozialwissenschaftliche Studie, die von der Gesundheitsbehörde mit den Zielen in Auftrag gegeben wurde, Erklärungen für die unterschiedlichen Infektionsgeschehen in den einzelnen Stadtteilen zu finden und daraus Handlungsstrategien abzuleiten, räumt auch mit einem leidigen Narrativ auf. So wurden die höheren Infektionszahlen nicht selten direkt mit dem Anteil von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund in Verbindung gebracht.

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Zwar erkannten die Forscher in ihren Daten tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Inzidenz und dem Migrationsanteil eines Stadtteils, der Faktor des sozialen und wirtschaftlichen Status war jedoch die weitaus treibendere Kraft. Heißt: Die Infektionsdynamik war in migrantisch geprägten Stadtteilen nicht aufgrund der Nationalität größer, sondern weil dort generell mehr arme Menschen in anfälligen Verhältnissen wohnen.

Das unterstreicht ein weiterer Datenpunkt: Die Impfquote unter Menschen mit Migrationshintergrund ist zwar geringer als die bei Menschen ohne, die Impfbereitschaft jedoch höher. Vor allem Sprachbarrieren halten demnach diese Menschen davon ab, sich trotz großer Bereitschaft vollständig gegen das Virus schützen zu können.

Handlungsempfehlungen an den Senat: Bessere Kommunikation und Armutspräventation

Diese Erkenntnisse und mehr der 83-seitigen Studie münzten die Wissenschaftler in Handlungsstrategien für den Hamburger Senat um. In Bezug auf die Sprachbarrieren ist das etwa eine relativ kurzfristige Perspektive: Es gelte, noch in der aktuellen Pandemie – die trotz der Tatsache, dass die Sozialbehörde keine eigenen Coronazahlen mehr veröffentlicht, noch anhält – „eine integrierte Informations- und Kommunikationsstrategie weiterzuentwickeln und auszubauen, die inklusiv an den Lebenswelten verschiedener Bevölkerungsgruppen ausgerichtet ist“, heißt es im Bericht.

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Aufgrund des starken Unterschiedes zwischen dem Infektionsgeschehen in Hamburger Stadtteilen mit geringem und hohem sozioökonomischen Status empfehlen die Verfasser der Studie jedoch „mit einer langfristigen präventiven Perspektive, eine ganzheitliche Strategie zur Armutsprävention aufzusetzen.“ Außerdem sollte in Zukunft in Betracht gezogen werden, auf die ungleichen Verhältnisse ausgleichend zu reagieren, indem Maßnahmen in prekären Situationen mit unterschiedlicher Priorität ausgerollt werden.

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