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Corona-Studie beweist: Warum Kinder viel weniger ansteckend sind als Erwachsene

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Von: Anika Zuschke

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Bislang wurden Ergebnisse der Aerosolforschung von Erwachsenen auf Kinder übertragen. Nun stellt eine neue Corona-Studie fest: Kinder sind viel weniger ansteckend!

Hamburg – Die Ansteckung des Coronavirus erfolgt von Mensch zu Mensch vor allem durch die sogenannte Tröpfcheninfektion und über Aerosole. Das sind winzige Schwebeteilchen in einem Gas. Das Risiko einer Infektion hängt dabei von unterschiedlichen Faktoren ab. Nun ergab eine Studie des Experten Professor Dirk Mürbe von der Berliner Charité, dass die Gefahr einer Übertragung des Virus von Kindern deutlich geringer ist als bei Erwachsenen. Woran liegt das?

Krankheit:Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Ursprung:Volksrepublik China | Erster bekannter Verbreitungsort: Wuhan, Hubei
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Wenn eine infizierte Person hustet, niest, lacht, spricht oder auch singt, scheidet diese Tröpfchen und Aerosole mit ansteckenden Viren aus. Diese Tröpfchen verbreiten sich in einem Umkreis von etwa 1,5 Metern und setzen sich auf umliegenden Oberflächen ab. Die Aerosole schweben hingegen über einen längeren Zeitraum in der Luft. Befinden sich andere Menschen in der Nähe oder auch nur im selben Raum, können sowohl die Tröpfchen als auch die Aerosole in deren Nase, Mund und sogar Augen gelangen und auf diese Weise eine Infektion auslösen.

Neue Corona-Studie vergleicht Kinder- mit Erwachsenenchor

Das Team um Professor Dirk Mürbe hat im Zuge der Studie unter Laborbedingungen laut Hamburger Abendblatt einen Kinderchor mit einem Erwachsenenchor verglichen. Um die Emissionsrate der ausgestoßenen Aerosole zu untersuchen, hat das Experten-Team einen Laserpartikelzähler verwendet und beide Gruppen das Gleiche sprechen sowie singen lassen.

Kinder laufen in einer Kindertagesstätte über eine Hängebrücke, ein Junge macht einen Corona-Test.
Einer neuen Corona-Studie zufolge sind Kinder wesentlich weniger ansteckend als Erwachsene. (24hamburg.de-Montage) © Oliver Berg/Philipp von Ditfurth/dpa

Dieser Versuch zeigte gewaltige Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen auf: Der Studie zufolge stoßen Kinder nämlich deutlich weniger Aerosole aus als Erwachsene. Die Ergebnisse belegen dem Hamburger Abendblatt zufolge: Grundschulkinder sondern beim Atmen 2,8-mal, beim Sprechen 5,9-mal und beim Singen 13,4-mal weniger Aerosolpartikel aus als die Erwachsenengruppen. Beim Rufen wurden keine auffallenden Unterschiede festgestellt.

Folgen wegen neuen Corona-Studien-Ergebnissen Lockerungen in Kitas und Schulen?

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt äußerte der Leiter der Klinik für Audiologie und Phoniatrie Dr. Mürbe, dass die Zahlen, die sein Team in wissenschaftlichen Experimenten erhalten habe, geeignet seien, die Vorsichtsmaßnahmen in Kitas und Schulen besser auszutarieren. Nach über anderthalb Jahren Pandemie sei es ihm zufolge „bitter nötig“, die Situation für Kinder genau zu betrachten.

Bisher wurden die Ergebnisse der Aerosolforschung nämlich einfach von Erwachsenen auf Kinder übertragen. Ist die vierte Corona-Welle also doch weniger gefährlich für Kinder als bisher angenommen? Die Ergebnisse der Studie sind Teil eines Experten-Kongresses und werden am Freitag, 17. September 2021 am Hamburger UKE vorgestellt.

Tagungs-Präsidentin und UKE-Klinikdirektorin Christina Pflug äußerte gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Die Schalldruckpegel sind das Entscheidende – und die sind bei Kindern geringer.“ Da die Aerosole wie Staub im Raum hängen, hilft in Kitas und Schulen besonders das altbekannte Lüften – auch mithilfe von Filteranlagen. An Hamburger Schulen gelten inzwischen bereits entspanntere Corona-Regeln.

Hohe Covid-Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen – Vorsicht walten lassen

Trotzdem sollte Vorsicht nach wie vor bei Kindern eine große Rolle spielen. Denn bereits in der dritten Corona-Welle zeichnete sich das Phänomen ab, dass bei den generell steigenden Infektionszahlen ein besonderer Anstieg bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 14 Jahren festgestellt wurde. Kitas und Schulen waren vermehrt von Corona-Ausbrüchen betroffen, was auf die hoch ansteckende britische Virus-Mutante B.1.1.7 zurückzuführen war. In Hamburg erlangte der Inzidenzwert vergangene Woche auch bei Zwölf- bis 17-Jährigen teilweise einen Wert von 434.

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Nichtsdestotrotz sind Kinder und Jugendliche seltener von schweren Krankheitsverläufen betroffen als Erwachsene. Nach der Empfehlung der Stiko werden inzwischen auch Kinder ab 12 Jahren gegen das Coronavirus geimpft, ein Experte sieht sogar eine Impf-Empfehlung für Babys bereits Ende des Jahres 2021*. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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