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Corona sorgt für traurige Schicksale: Diese Hamburger Geschäfte sind schon dicht!

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Von: Kevin Goonewardena

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Immer wieder schließen Läden fast unbemerkt in Hamburg. An vielen Geschäftsaufgaben ist Corona schuld. Und hinter allen stecken menschliche Schicksale. Ein Überblick.

Hamburg – Noch scheinen sich die Auswirkungen der Coronapandemie auf das Ladensterben, Restaurant-Schließungen oder das Verschwinden von Clubs und anderen Kultureinrichtungen in Hamburg in Grenzen zu halten. Mit Kunden- beziehungsweise Besucherrückgängen und damit deutlich weniger Umsatz als vor der Pandemie, haben aber alle zu kämpfen. Doch Namen von denen, die es nicht geschafft haben, kann kaum Jemand nennen. Denn irgendwie scheint es immer weiterzugehen – doch das ist ein Trugschluss.

Dass ich mein Geschäft aufgeben muss, liegt vor allem an den Auswirkungen von Corona

Sabine Zierl gegenüber dem Hamburger Abendblatt

Wie hoch, eventuelle Mietrückstände und sonstige Schulden der Gewerbetreibenden sind, wie vielen Beschäftigten schon gekündigt wurde, ob staatliche Hilfen angekommen sind und wenn ja, in welchem Umfang und ob sie am Ende ausreichen, all das wissen nur die Beteiligten. Viele Existenzen dürften auf der Kippe stehen und nach und nach die Türen für immer schließen. So wie Sabine Zierl, die den Schmuckladen ¡Te Quiero! auf der Uhlenhorst betreibt.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Anzahl der Unternehmen:31.726 (2020)
davon Einzelhandelsunternehmen 8inkl. KFZ-Reperatur)15.956 (2020)

Ladensterben: „Dass ich mein Geschäft aufgeben muss, liegt vor allem an den Auswirkungen von Corona“

Vor drei Jahren habe die 54-Jährige mit ihrem Schmuckladen die Räumlichkeiten im Hofweg bezogen, erzählt sie dem Hamburger Abendblatt. Bereits 2003 gründete die ausgebildete Grafikerin ihr gleichnamiges Schmucklabel und verkaufte ihre Kreationen sechzehn Jahre lang unter anderem auf dem Isemarkt.

Geschäftsaufgabe
Aushänge wie dieser haben nicht immer mit der Corona-Pandemie zu tun, doch die Pandemie beschleunigt den Wandel im Einzelhandel. Nicht nur inhabergeführte Läden wie ¡Te Quiero auf der Uhlenhorst, auch Ketten leiden in Hamburg an den Folgen der Corona-Krise, die, die Welt, seit zwei Jahren in Atem hält. © Rolf Vennenbernd/dpa

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, erzählt sie der Zeitung, etablierte sich ihr Laden ¡Te Quiero! dann Anfang 2020 und dann kam Corona. Den ersten Lockdown habe sie noch dank der Soforthilfen überstanden, aber danach wurde es schwierig. „Die Pandemie-Situation gibt nicht mehr genug Anlässe her, für sich neuen Schmuck oder Geschenke für andere zu kaufen und drückt immens auf die Kauflaune. Da gab es schon mal Tage, an denen nur ein Kunde etwas gekauft hat“, sagt Sabine Zierl dem Abendblatt.

Nur mit Mühe die Miete aufbringen – Corona-Soforthilfe muss zurück gezahlt werden

Die Miete konnte Zierl irgendwie aufbringen. Für die Steuer verkaufte sie den Schmuck der gerade verstorbenen Mutter. Doch Ende Oktober dann der Schock: Da sie während der Schließung ihres Geschäfts auch über Instagram und Facebook ihren Schmuck verkaufte und so Einnahmen erzielte, werde sie voraussichtlich die Hälfte der Corona-Soforthilfe zurückzahlen müssen.

Es geht um mehrere Tausend Euro. Die Summe, so Zierl dem Abendblatt gegenüber, werde sie zwar irgendwie zusammen kriegen, dennoch musste sie „die Reißleine ziehen und habe mich zur Geschäftsaufgabe entschlossen“, so die Schmuckhändlerin. Der zweijährige Kampf gegen Corona habe sie zermürbt. Und war vergebens.

Hamburg: Auch Traditionsunternehmen mussten wegen Corona aufgeben

Vor allem inhabergeführte Geschäfte haben unter den Folgen der Pandemie zu leiden. Mit dem ersten Lockdown wurden die Händler im Dezember letzten Jahres in eine Zwangspause geschickt, die erst nach fünf Monaten beendet war. Auch die 2G-Regelung und das Ausbleiben der Kunden aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, machen den Einzelhändlern zu schaffen. Seit Beginn des Jahres haben schon einige Händler ihre Geschäfte in Hamburg aufgeben müssen, auch Traditionsunternehmen hat es erwischt.

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Im Frühjahr schloss etwa das Wäschehaus Möhring am Großen Burstah, dessen Wurzeln 250 Jahre zurückreichen, wie Die Welt berichtet. Auch Ewige Lampe, ein Beleuchtungsfachgeschäft, schloss und mit Hanse CD das letzte Musikfachgeschäft in der Innenstadt. Corona ist zwar nicht immer der Grund für die Geschäftsaufgabe, doch die Pandemie beschleunigt den Wandel in den Innenstädten. Doch auch außerhalb der City verschwanden Einzelhändler in den letzten Monaten.

Corona: Diese Stadtteilläden sind verschwunden – auch große Unternehmen betroffen

Auf der Uhlenhorst hat es nicht nur Sabine Zierls Laden erwischt, auch das Fachgeschäft Koch+Designhaus musste aufgeben. Der Besuch bei Messer Jürgens in der Schanze und dem Kostümverleih Habenicht in Tonndorf wäre vergebens, denn auch diese Geschäfte gibt es nicht mehr. Das berichtete das Abendblatt.

Doch nicht nur die Kleinen, auch große Unternehmen sind von den Auswirkungen des durch Corona verstärkten Umbruchs betroffen. Das Einrichtungshaus Kabs schloss in diesem Jahr bereits Filialen, ebenso der Süßwaren-Hersteller Arko, Schuh Kay und die Parfümeriekette Douglas. Andere verkleinern sich, zum Beispiel die US-Modekette Abercrombie & Fitch. Das Kultlabel kündigte einen Umzug des Flagshipstores von der Poststraße ins Levantehaus an.

Andere Händler versuchen auf anderem Wege, die Folgen der Pandemie zu abzufedern. So beantragte der Warenhauskonzern Galeria (Karstadt und Kaufhof) weitere Staatshilfen, die Kette Woolworth klagt hingegen gegen die 2G-Regelung*. Der Schlüsseldienst Mister Minit, der auch in Hamburg Filialen betrieb, schloss hingegen im Frühjahr 2021 deutschlandweit alle Filialen. *24hamburg.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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