Bis zu tausend Betrugsfälle

Corona-Soforthilfe: Totaler Irrsinn in JVA Fuhlsbüttel – Knacki bekommt 11.500 Euro für Fake-Imbiss

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Zählen Knackis und Kriminelle seit neuestem auch zu Freiberuflern? Drogendealer, Zuhälter und Co. sind ja irgendwo auch selbständig – nur eben nicht auf dem Papier. Ein Anrecht auf Corona-Soforthilfen haben sie allerdings nicht – sollte man meinen.  

  • Hamburger* Knacki beantragt und erhält Corona-Soforthilfe.
  • Er gibt an, einen Imbiss zu betreiben, obwohl er in Haft sitzt.
  • Die Hamburger Polizei* rechnet mit bis zu 1000 weiteren Betrugs-Fällen ähnlicher Art.

Hamburg – Jetzt machen sogar schon Knackis Kasse mit dem Coronavirus*. Ein Häftling in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Fuhlsbüttel, in der kriminellen Szene besser bekannt als „Santa Fu“, hat Corona-Soforthilfe beantragt und erhalten. Dabei soll er angegeben haben, einen Imbiss zu betreiben, der nicht existiert. Eine stolze Summe von 11.500 Euro trudelte auf dem Konto des Häftlings ein – ein netter Obolus auf Steuerzahler-Kosten!

JVA:Fuhlsbüttel
Adresse: Suhrenkamp 92, 22335 Hamburg
Telefon: 040 4280010
Haftplätze: 800
Bezugsjahr: 1879

Doch Polizei und Staatsanwaltschaft kamen dem Betrüger auf die Schliche. „Das Geld hat die Staatsanwaltschaft inzwischen sichergestellt“, stellt Liddy Oechtering, erste Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft gegenüber 24hamburg.de klar. Und weiter: „Es ist natürlich unklar, ob er den Antrag auf Corona-Soforthilfe selbst aus der Haft heraus gestellt hat oder, ob es jemand von außerhalb aus seinem Umfeld war.“

In der JVA Fuhlsbüttel hat ein Knacki einfach mal auf gut Glück Corona-Soforthilfe beantragt und prompt 11.500 Euro erhalten. (24hamburg.de-Montage)

Corona-Soforthilfe: Hamburger Polizei und Staatsanwaltschaft rechnet mit tausend weiteren Betrugsfällen

Wie die „Bild“ wissen will, gehört der Coronavirus-Betrüger sogar zum berüchtigten Miri-Clan, der überwiegend in Bremen* ansässig ist und eng mit organisierter Kriminalität verwoben ist und Mafia-Strukturen aufweist. Liddy Oechtering von der Staatsanwaltschaft zu 24hamburg.de: „Das Ermittlungsverfahren gegen den Inhaftierten läuft noch.“ Bei der Abteilung der Staatsanwaltschaft 51, die unter anderem Subventions-Betrugsfälle dokumentiert und bearbeitet, seien derzeit 49 Fälle eingegangen (Stand: Mittwoch, 26. August 2020). „Die Polizei rechnet mit 800 bis Tausend weiteren Betrugsfällen in Sachen Corona-Soforthilfe, die bald bei der Abteilung 51 eingehen.“

Mit diesen Corona-Soforthilfe-Tricks machen Betrüger Geld beim Staat locker

Dabei handele es sich allerdings nicht nur im Inhaftierte. Ein Fall wie dieser sei eher selten. Laut der Staatsanwaltschafts-Sprecherin verschweigen viele Unternehmer, die Corona-Soforthilfe beantragen, dass ihre Firma schon vor der Corona-Krise schlecht lief, oder sie täuschen über die Anzahl der Mitarbeiter. Andere geben an, hauptberuflich in ihrem jeweiligen Unternehmen zu arbeiten, obwohl sie dies eigentlich nur nebenbei betreiben. Die etlichen Betrugs-Fälle um die Corona-Soforthilfe haben in Hamburg jeweils Schäden zwischen 1.000 und 25.000 Euro angerichtet.

Wie stellle ich einen Antrag auf Corona-Soforthilfe?

Den Antrag auf Corona-Soforthilfe können Betroffene in Hamburg (und Betrüger wie der Inhaftierte der JVA-Fuhlsbüttel) ganz einfach online auf der Seite der Förderbank IFB Hamburg stellen. „Das Soforthilfe-Programm verzichtet nach Angaben der Bundesregierung bewusst auf ein bürokratisches Antragsverfahren, um eine rasche und unbürokratische Auszahlung zu gewährleisten“, heißt es auf der Webseite der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Das kam offenbar auch vielen Betrügern zugute. Aber: „Die Angaben zum Antrag müssen richtig sein – Falschangaben können den Tatbestand des Subventionsbetrugs erfüllen und zu entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen führen.“ Für alle, die jetzt planen, schnell noch Corona-Soforthilfe zu beantragen, jetzt der Dämpfer. Anträge konnten nur bis 31. Mai 2020 gestellt werden. Mittlerweile ist die Frist längst abgelaufen.

Coronavirus trifft Hamburger Prostituierte und Gastronomen wie Melanie Müller und Olivia Jones hart

24hamburg.de berichtet auch über die schwere Situation der Hamburger Prostituierten* auf der Reeperbahn* und Co. Sie demonstrierten zuletzt dafür, ab dem 1. September wieder anschaffen zu dürfen, entwickelten ein umfangreiches und teils skurriles Hygienekonzept. Nach sechs Monaten ohne Arbeit könnten Liebesarbeiterin eine Corona-Soforthilfe sicher besser gebrauchen als so mancher Knacki.

Doch Bürgermeister Peter Tschentscher* konnten sie mit ihrem Hygienekonzept nicht überzeugen. Der Senat* erklärte am Dienstag, 25. August 2020, dass die bestehende Corona-Verordnung, die unter anderem auch Prostitution untersagt, noch bis zum 30. November 2020 verlängert wird. Zudem müssen Maskensünder im HVV* derzeit dicke Bußgelder bezahlen, wenn der Mund-Nasen-Schutz mal nicht richtig sitzt oder gar fehlt.

Doch auch mit der Corona-Verordnung und dem Veranstaltungs- und Partyverbot nehmen es manche nicht so ernst. So auch der einstige Torwart des FC-St.Pauli Benedikt Pliquett (35). Der Betreiber der „Boutique Bizarre“ und der „Alkothek“ feierte in seinem Fetisch-Shop auf der Reeperbahn 152 neulich eine deftige Lack-und-Leder-Party im KellerNebelmaschine und DJ inklusive. Es wurde dicht an dicht getanzt. Ein Polizist: „Die Luft war stark verbraucht.“

24hamburg.de berichtet über das Alkoholverbot auf Kiez und Schanze* und eine weitere Swinger-Party in Bergedorf.* Auch Skandal-Nudel Melanie Müller, die neulich bei Olivia Jones auf dem Kiez* performte, trifft die Corona-Krise hart. Monatlich macht sie 35.000 Euro Miesen. Jetzt hat sie sich auch noch mit dem Coronavirus infiziert. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Franziska Kraufmann/dpa, Boris Roessler/dpa, Robert Michael/dpa

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