Schnelligkeit vor Sicherheit

Hamburg: 15 Millionen Euro für Corona-Schnelltests – Betrug?

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Mehr als 330 Corona-Schnelltest-Möglichkeiten gibt es in Hamburg. Seit März 2021 sind Tests im Millionen-Bereich abgerechnet worden. Betrugsfälle dabei?

Hamburg – Seit der Einführung kostenloser Corona-Schnelltests in Hamburg sind mehr als 15 Millionen Euro bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) abgerechnet worden. Eine Summe, die sich aus den Sachkosten der sogenannten Bürgertests (rund 5,01 Millionen Euro) sowie der Durchführung der Tests (rund 10,6 Millionen Euro) zusammensetzt.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Vorwahl:040

Hamburg: Corona-Schnelltests in Höhe von 15 Millionen Euro abgerechnet

„Über die KV Hamburg haben für die Abrechnungsmonate März und April insgesamt 168 Testzentren 695.590 Tests abgerechnet“, heißt es von einer Sprecherin der Hamburger Sozialbehörde. Es wird damit gerechnet, dass die Kosten für die Folgemonate noch steigen. Denn die Anzahl der Testzentren habe sich seit März 2021 in etwa verdoppelt.

Corona-Schnelltests sind in Hamburg an vielen Stellen möglich. Hierfür sind Beträge in Millionenhöhe bei der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet worden. (24hamburg.de-Montage)

Allein in der Hansestadt Hamburg gibt es mittlerweile rund 330 für Bürgertests vom Gesundheitsdienst beauftragte Corona-Testzentren. Während in anderen Bundesländern von Betrug in Schnelltest-Centern die Rede ist, gebe es in Hamburg laut der Sozialbehörde keine Anzeichen, die auf Betrug hindeuten.

Betrug bei Abrechnung von Corona-Schnelltests? Polizei Hamburg hat „bislang keine Erkenntnisse“

„Fälle, in denen mit Testmöglichkeit strukturiert Missbrauch betrieben wurde, gibt es nach unseren Erkenntnissen nicht“, wird Behördensprecher Martin Helfrich von der „Welt“ zitiert. Auch der Sprecher der Polizei Hamburg wisse nichts von Betrugsfällen in der Hansestadt. „Wir haben dazu bislang keine Erkenntnisse“, sagt Florian Abbenseth. Übrigens: Durch enorme Hitze können Corona-Testergebnisse verfälscht werden*.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung meldet sich zu Wort. Es sei lediglich ihre Aufgabe, abzurechnen. Ein gesetzlicher Auftrag, die Richtigkeit der gemachten Angaben zu überprüfen, bestünde nicht. In Hamburg sind viele Betreiber von Corona-Testzentren Neulinge in der Gesundheitsbranche. Personen aus anderen Berufsgruppe betreiben Testzentren, Lokalitäten wie Shishabars werden umgebaut und umfunktioniert.

Abrechnungen zu Corona-Tests werden nur sehr oberflächlich geprüft

Online-Buchungen für Termine seien oftmals kurzfristig möglich. Zertifikate, die einen negativen Befund bestätigen, werden teilweise innerhalb von 15 Minuten per Mail an die getestete Person verschickt. Die „Welt“ berichtet nun von einem „Hintergrundgespräch“ mit einem Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde.

Es sei nicht abwegig, dass das Testsystem für Betrügereien ausgenutzt werde. Möglichkeiten, solche Fälle ausfindig zu machen, gebe es aber kaum. Die eingereichten Abrechnungen zu Corona-Tests könnten aufgrund der enormen Menge an Daten nur oberflächlich geprüft werden. Zu einer Detailprüfung würde es nicht kommen.

Hauptsache schnell: Corona-Testsystem fix „aus dem Boden gestampft worden“

Der Mitarbeiter aus der Gesundheitsbehörde merkt an, dass das Testsystem innerhalb kürzester Zeit „aus dem Boden gestampft worden“ sei. „Es musste schnell gehen, und Geld spielte eine untergeordnete Rolle“, heißt es. Sowohl Stadt als auch Staat hätten nicht die Kapazitäten gehabt, um entsprechende Angebote zu schaffen. Dies wurde dem Markt selbst überlassen.

Zudem wird angeprangert, dass es der Bund verpasst hätte, das System vor Betrug im großen Stil zu schützen. Beispielsweise hätten Anspruchskarten für Corona-Tests herausgegeben werden können. In diesem Szenario hätten die Testbetreiber die eingesammelten Berechtigungsscheine über die Kassenärtzliche Vereinigung abrechnen lassen können. Das sei aber nicht passiert, denn „Schnelligkeit ging vor“. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hanno Bode/imago images

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