Ärztekammer warnt

Corona-Schnelltest Hamburg: Viele negative Tests sind falsch

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Schlampige Testzentren? 80 Prozent der positiven Schnelltests in Hamburg sind falsch. Und die negativen? Offenbar auch. Experten fordern Ende der Testpflicht.

Hamburg – Sie verschlingen Millionen Euro an Steuergeldern und liefern oftmals unbrauchbare Ergebnisse: Wegen der hohen Anzahl an falsch positiven Corona-Schnelltests in der Hansestadt Hamburg hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) jetzt Alarm geschlagen und die bisherige Teststrategie scharf kritisiert. Es sei davon auszugehen, dass viele Tests auch ein falsches negatives Ergebnis lieferten, warnte KV-Chef Walter Plassmann in der Bild-Zeitung. Viele Menschen gingen im guten Glauben zum Friseur oder ins Konzert und seien in Wirklichkeit ansteckend, sagte Plassmann und forderte die Bundesregierung zum Umdenken bei der Testpflicht auf.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Hintergrund ist eine in dieser Woche bekannt gewordene Auswertung des Hamburger Senats. Demnach wurde bei insgesamt 750.000 Testungen in 218 Fällen ein positives Ergebnis festgestellt, von denen aber bei einem vorgeschriebenen PCR-Test im Anschluss nur 44 als Corona-Fälle bestätigt werden konnten. Damit lieferten die Schnelltests in 80 Prozent der Fälle ein falsches positives Ergebnis.

Corona-Schnelltests in Hamburg: Viele Ergebnisse sind falsch – Experten fordern Ende der Testpflicht

Die Kassenärztliche Vereinigung bezweifelt auf Basis dieser Analyse grundsätzlich die Wirksamkeit der Schnelltests an. „Die aktuelle Teststrategie liefert nur eine Scheinsicherheit“, sagte Plassmann. Die verfälschten Ergebnisse führt er vor allem auch auf die Arbeit in den Testzentren zurück. „Wir befürchten, dass viele Tests nicht vorschriftsgemäß durchgeführt werden“, kritisierte der KV-Vorsitzende. Statt den Abstrich im hinteren Nasen- und Rachenbereich durchzuführen, würde nur im vorderen Nasenbereich herumgewerkelt, wo jedoch die Viruslast für ein brauchbares Testergebnis nicht ausreichend hoch sei.

Corona-Schnelltests in Hamburg: Nach einer Auswertung liefern sie zu häufig falsche Ergebnisse. (24hamburg.de-Montage)

Deshalb fordert die Kassenärztliche Vereinigung eine Abkehr von der bisherigen Teststrategie. Statt für jeden Friseurbesuch sollte die Corona-Testpflicht vor allem für die Durchführung von Massenveranstaltungen oder bei Reisen vorgeschrieben werden. In diesen Fällen sei aber ein PCR-Test zwingend notwendig. Dieser sollte, so Plassmann, dann professionell durchgeführt werden und nicht von einem schnell aus dem Boden gestampften privaten Schnelltestzentrum.

Coronavirus in Hamburg: PCR-Test statt Antigentest vor dem Urlaub?

Bislang sind die Schnelltest-Zentren ein zentraler Baustein bei der Lockerung des monatelangen Lockdowns. Trotz der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante sollen sie eine Rückkehr zu einer Art Normalität ermöglichen. Jedoch gibt es auch immer wieder Zweifel, ob die hochaggressive, zuerst in Indien nachgewiesene Mutation überhaupt zuverlässig von den Schnelltests erkennbar ist*.

In Hamburg gibt es mittlerweile 404 Schnelltest-Zentren. Allein im Mai zahlte die KV rund 35 Millionen Euro an die Betreiber aus. Nicht in allen Fällen liefen die Abrechnungen der Betreiber ordnungsgemäß. Wegen mangelnder Kontrollen und laschen Gesetzesvorgaben waren in den vergangenen Wochen auch viele Betrugsfälle in Testzentren bekannt geworden. Für Plassmann ist das ein Grund mehr, auf die Arbeit der Testzentren zu verzichten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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