Wert der Stadt ist höher

Corona-Inzidenz Hamburg: RKI-Zahlen ungenau? Stadt nimmt eigenen Wert

  • Natalie-Margaux Rahimi
    VonNatalie-Margaux Rahimi
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Die Stadt Hamburg nutzt einen eigenen Inzidenzwert, um die Corona-Lage bewerten zu können. Zahlen vom Robert Koch-Institut (RKI) werden ignoriert. Weshalb?

Hamburg – Vor einigen Tagen meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) für Hamburg schon eine Inzidenz unter 100. Das würde bereits das Außerkrafttreten der Corona-Notbremse für die Stadt bedeuten. Allerdings berechnet die Gesundheitsbehörde der Hansestadt einen eigenen Wert, der bei der Beurteilung des Infektionsgeschehens zugrunde gelegt wird. Und der ist eben höher als der Wert des RKI. Aber warum orientiert sich Hamburg nicht an den Werten des RKI? Was ist der Unterschied?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Vorwahl:040
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)
Zweite Bürgermeisterin:Katharina Fegebank (Grüne)

Inzidenzwert in Hamburg: Nachmeldungen – darum ist der Wert der Stadt höher als der des RKI

Wenn die Inzidenz in der Stadt fünf Tage unter 100 liegt, dann tritt die von der Bundesregierung vereinbarte Corona-Notbremse automatisch außer Kraft. Am Montag, 3. Mai 2021, vermeldete die Stadt erstmals seit Wochen, die Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen unterschritten zu haben. Das RKI meldet für Hamburg bereits seit dem 28. April 2021 einen Wert unterhalb von 100. Knallharte Corona-Lockdown-Maßnahmen wie die Ausgangssperre könnten laut dieses Werts also schon seit Tagen Geschichte sein. Doch Hamburg nutzt diesen Wert nicht. Warum?

Warum unterscheidet sich der Inzidenzwert des RKI von dem der Stadt Hamburg? (24hamburg.de-Montage)

Das RKI gibt selbst zu, dass der tatsächliche Wert circa zehn bis fünfzehn Prozent über dem ausgegeben Inzidenzwert liegen dürfte, berichtet die Hamburger Morgenpost. Zwar meldet auch das RKI regelmäßig nachträglich erfasste Fälle nach, doch möchte die Stadt Hamburg das so nicht hinnehmen und berechnet den Wert mit den Daten der Gesundheitsbehörde einfach selbst.

„Es ist üblich, dass in den Fällen, die täglich gemeldet werden, auch Fälle enthalten sind, die schon in den davor liegenden Tagen aufgetreten sind“, heißt es auf der Webseite der Hansestadt. Diese sogenannten Nachmeldungen werden also von der Gesundheitsbehörde in den Tageswert mitaufgenommen. Daher liegt dieser oft höher als der Inzidenzwert des RKI. Jedoch liegt nun auch der Wert des RKI für Hamburg, nach zahlreichen Nachmeldungen, erst seit 3. Mai 2021 unter 100. Dementsprechend stünden auch nach RKI-Wert noch keine Lockerungen für Hamburg an.

Inzidenzwert Hamburg: Die Stadt nutzt andere Einwohnerdaten als das RKI

Ein weiterer Grund ist die Einwohnerzahl der Hansestadt. Während das RKI die Einwohnerzahlen des Zensus 2011 (1.841.179 Einwohner) für die Berechnung der Inzidenz zugrunde legt, orientiert sich die Stadt an den Meldedaten des Statistikamts Nord (1.899.160 Einwohner).

Außerdem liegt der unterschiedlich hohe Inzidenzwert auch an verschiedenen Melde-Zeitspannen. Hamburg bezieht in den Inzidenzwert jeweils die Fälle von 9:00 Uhr bis 9:00 Uhr mit ein. Deshalb gibt es die neuen Corona-Zahlen in der Hansestadt auch immer erst gegen Mittag. Das RKI hingegen rechnet mit den Daten von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr. Den Werten liegt also auch in diesem Punkt eine leicht veränderte Datenlage zugrunde. Immerhin: am 4. Mai 2021 will der Hamburger Senat sich zu Lockerungen des Lockdowns beraten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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