Mit zweierlei Maß

Corona-Polizei: Jogger jagen – Fußball-Party erlauben

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Wann wenden Innensenator Andy Grote und die Hamburger Polizei die Corona-Regeln an und wann nicht? Nach Derby zwischen St. Pauli und HSV und einer Verfolgungsjagd durch den Jenischpark wirkt alles willkürlich.

Hamburg – Derzeit gilt in Hamburg ein strenger Corona-Lockdown mit heftigen Kontaktbeschränkungen. Regelsünder werden rigoros zu Bußgeldern verdonnert. Wer keine Maske trägt, muss blechen, selbst wenn die Straßen menschenleer sind. Wer sich mit mehr als einer Person aus einem anderen Haushalt trifft, wird abkassiert.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche: 755,2 km²
Einwohner:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Vorwahl:040

Versammlungen sind ohnehin verboten, Restaurants und Geschäfte geschlossen und das private Leben bis auf ein Minimum heruntergefahren. Trotzdem feierten mehrere Fußballfans während des Stadtderbys zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV eine Pyro-Party vor dem Millerntor Stadion – die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, schaute nur zu. Wie kann das sein, Herr Hamburger Innensenator Andy Grote?

Corona-Aufreger: Rentner werden abkassiert – Fußballfans dürfen mit Pyro feiern

Es ist einer der Aufreger der Woche. Während immer wieder Menschen wegen minimalen Verstößen gegen die Corona-Regeln abkassiert werden, dürfen Fußballfans sich versammeln und Feuerwerk zünden. 24hamburg.de erfuhr von mehreren dreisten Bußgeldaktionen der Polizei. So verdonnerten die Beamten zwei Rentner, die auf einer Parkbank neben einem Eisladen ihr Eis verzehrten, zu einem Bußgeld. Es sei laut der sogenannten Eindämmungsverordnung nicht erlaubt, Speisen in unmittelbarer Nähe zum Verkaufsort zu essen, so die Begründung.

Auch in der Hamburger Innenstadt wurden Menschen abkassiert, die ihre Maske in einer Maskenpflichtzone nicht trugen, obwohl die Straßen menschenleer waren. Versammlungen von Jugendlichen in der Stadt werden immer wieder von der Polizei aufgelöst und Platzverbote ausgesprochen. Als sich am Montag, 1. März, aber Fußballfans vor dem Millerntor Stadion versammelten, um ihre Mannschaft anzufeuern, Pyrotechnik zu zünden und Party zu machen, schaute die Polizei nur zu. Wie kann das sein?

Corona-Aufreger: Schaute Innensenator Andy Grote bei der Pyro-Party auf St. Pauli absichtlich weg? (24hamburg.de-Montage)

Etwa 100 Menschen versammelten sich zum Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli vor dem Stadion. Die Polizei stand daneben, die Feiernden waren unmaskiert. Wie die BILD hinter ihrer Bezahlschranke verrät, rechtfertigt die Polizei ihr lasches Vorgehen mit „Augenmaß“. „Nicht knallhart durchziehen, aber auch nicht weggucken, mit wem wir es da zu tun haben“, lautet die Entschuldigung der Hamburger Polizei. Es sind Worte, die sprachlos machen. Gerade vor dem Hintergrund, dass erst vor ein paar Tagen ein junger Mann von der Polizei mit dem Auto durch den Park gejagt wurde, weil er seine Freundin umarmte.

Hamburger Polizei duldet Corona-Party: Steckt Andy Grothe dahinter?

Es ist kein Geheimnis, dass Innensenator Andy Grote (SPD) St. Pauli-Fan und sogar Mitglied des Vereins ist. Wegen seiner politischen Einstellung und zahlreichen Entscheidungen gilt er in der Fan-Szene des Kiezclubs aber als umstritten. Mehrfach wurde er dazu aufgefordert, sich aus der aktiven Fan-Szene zurückzuziehen. Schaute Andy Grote etwa absichtlich weg, um seinen Gleichgesinnten einen Gefallen zu tun? Wie kann es sonst sein, dass ein Großaufgebot der Polizei nicht eingreift, wenn sich eine Ansammlung von hundert Menschen vor dem Stadion bildet und dann auch noch illegales Feuerwerk zu Spielbeginn abgefeuert wird?

Polizeisprecherin Sandra Levgrün sagte dazu in der BILD: „Die Kollegen haben viele mündliche Verwarnungen erteilt und immer wieder auf die Corona-Regeln hingewiesen. Eine Person ist wegen aggressiven und unkooperativen Verhaltens in Gewahrsam genommen worden. Eine Person ist wegen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vorläufig festgenommen worden. Aber es ist klar, dass die Polizei nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein kann. Das Gebiet ist unübersichtlich.“ Komisch, dass sich die hundert Personen dann zu Spielende gleich noch einmal zum Feuerwerk zünden vor dem Stadion treffen konnten, ohne das jemand einschritt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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