Unternehmer schlagen Alarm

Corona-Regeln beeinflussen Weihnachts-Shopping: Einzelhandel in Gefahr

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Im Advent wird viel gekauft, jedenfalls normalerweise. Wegen der Corona-Regeln bangen diesesn Jahr viele Einzelhändler in Hamburg um ihre Existenz. Ein Acht-Punkte-Plan des Senats soll sie retten.

  • Im Dezember gelten strengere Corona-Regeln für den Einzelhandel.
  • Laut Handelsverband kämpft jeder dritte Laden in der City ums Überleben.
  • Wirtschaftsrat fordert Lockerung bei den Öffnungszeiten.

Hamburg – Geschenke, Geschenke, Geschenke: Traditionell ist der Dezember mit dem Weihnachtsgeschäft der umsatzstärkste Monat für den Einzelhandel. Doch obwohl sich auch in diesem Jahr die Läden in der Hamburger Innenstadt wieder stärker mit Leben füllen, blickt die Handelsbranche wegen der strengen Corona-Beschränkungen sorgenvoll in die Zukunft. „Wenn wir jetzt nichts tun, werden viele vor allem mittelständische Händler die Corona-Pandemie nicht überleben“, warnte der Landesvorsitzende des CDU-Wirtschaftsrates in Hamburg, Henneke Lütgerath. Ähnlich äußerte sich auch der Handelsverband Nord.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Vorwahl:040

Schuld an dem Niedergang sind die strengen Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Bereits im ersten Lockdown hatten viele Einzelhandelsgeschäfte in der Hansestadt Hamburg zu Jahresbeginn Umsatzrückgänge bei unveränderter Kostenstruktur zu beklagen. Durch die erneute Verschärfung der Maßnahmen im November und Dezember wiederhole sich dieses Szenario nun für die Ladenbesitzer, kritisierte Lütgerath.

Coronavirus-Lockdown: Im Dezember gelten strenge Regeln für den Einzelhandel

Wegen des unverändert hohen Infektionsgeschehens hatten sich Bund und Länder Anfang November auf einen erneuten Lockdown geeinigt und diesen kürzlich für den Dezember verlängert. Der Hamburger Senat hatte die wesentlichen Maßnahmen aus dem Paket übernommen und teilweise verschärft. Neben der Ausweitung von Kontaktverboten und der Maskenpflicht * wurden auch die Vorschriften für Ladenbesitzer strenger gefasst.

Auswirkungen der Corona-Krise: Viele Läden in der Hamburger Innenstadt kämpfen ums Überleben. (24hamburg.de-Montage)

Demnach können Läden zwar grundsätzlich in der Adventszeit geöffnet bleiben. Aber: Es dürfen nur noch weniger Menschen gleichzeitig in den Geschäften sein. So soll sich in den Häusern des Groß- und Einzelhandels mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche künftig nur ein Kunde pro 20 Quadratmetern aufhalten. Bislang liegt die Grenze bei einer Person auf zehn Quadratmetern. Diese Regel gilt weiterhin für Läden mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern.

Trotz der Regeln sind die Fußgängerzonen derzeit in Hamburg augenscheinlich gut frequentiert. „Doch Frequenz ist nicht gleich Umsatz“, warnte Brigitte Nolte, Hamburger Geschäftsführerin beim Handelsverband Nord, im Gespräch mit dem Abendblatt. Sie bezifferte die Anzahl der Geschäfte zwischen Gänsemarkt und Hauptbahnhof auf etwa 800 Unternehmen mit 1000 Filialen. Rund ein Drittel von ihnen sind laut Nolte in ihrer Existenz bedroht.

Corona-Auswirkung: Online-Handel macht Ladenbesitzern das Leben schwer

Insgesamt rechnet der Branchenverband für das Jahr 2020 noch mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent im Hamburger Einzelhandel während der Weihnachtszeit. Treiber der Entwicklung ist vor allem der Online-Handel, der bundesweit einen Umsatzanstieg um 18 Prozent auf 70 Milliarden Euro verzeichnet. Glänzende Geschäfte machen auch der Lebensmittel- und Möbelhandel. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere andere Handelsbranchen ums Überleben kämpften*, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nord, Dierk Böckenholt.

Zur „Gruppe der Verlierer“ zählt der Handelsverband die Verkäufer von Bekleidung, Schuhen, Spielwaren, Schmuck und Unterhaltungselektronik sowie vor allem Geschäfte in touristischen und Innenstadt-Lagen, die neben den aktuellen Lockdown-Auswirkungen zusätzlich schon vor Ausbruch der Pandemie unter einem gewaltigen Druck gestanden hatten. Insbesondere der enorme Anstieg der Mieten in der City macht den Händlern zunehmend das Leben schwer.

Ausweg aus der Krise: Wirtschaftsrat fordert längere Öffnungszeiten

Zur Rettung des Innenstadtbildes hat der CDU-Wirtschaftsrat deshalb einen Acht-Punkte-Katalog vorgelegt. Darin schlägt er vor, die sogenannten November-Hilfen, die unter anderem für Selbstständige gezahlt werden, auch auf den stationären Handel auszuweiten. So müssten Unternehmen, die in der aktuellen Shutdown-Maßnahmen einen Umsatzeinbruch von 70 Prozent hinnehmen müssten, von staatlichen Zuschüssen profitieren können. Außerdem sollten die Ladenöffnungszeiten in der Adventszeit und im Januar 2021 gelockert werden. Zudem fordert die Vereinigung zahlreiche Steuerbegünstigungen für die Händler.

Staatliche Hilfe scheint dringend angebracht zu sein. Neben den Einzelhändler leiden insgesamt viele Unternehmen in der Metropolregion rund um Hamburg unter der Corona-Krise. So spüren bereits insgesamt 70 Prozent der Unternehmen die Auswirkungen durch die Pandemie, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos hervorgeht. Bei der Befragung gaben 36 Prozent der Hamburger Unternehmen an, besonders stark von den Beschränkungen getroffen worden zu sein. In Schleswig-Holstein waren es demnach sogar 43 Prozent. *24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa/picture-alliance

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