Corona-Lockdown

Schulen in Hamburg: Hackerangriff auf Zoom-Unterricht

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Krasser Lockdown-Kurs: Die Hamburger Schulen bleiben bis nach den Osterferien dicht. Doch Hackerangriffe auf den digitalen Unterricht sorgen für Horror-Momente.

  • Bund und Länder haben den Corona-Lockdown bis zum 7. März verlängert.
  • Im Gegensatz zu anderen Ländern verzichtet Hamburg auf Lockerungen.
  • Polizei warnt jetzt vor massiven Störungen des digitalen Unterrichts.

Update von Montag, 15. Februar 2021, 16.55 Uhr: Hamburg – Angesichts des weiterhin bestehenden Lockdowns hat die Hamburger Polizei vor Eingriffen in den digitalen Fernunterricht gewarnt. In einem Elternbrief informierte etwa die Behörde im Landkreis Harburg vor sogenanntem „Zoom-Bombing“, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete. Schulen müssten ein sicherer Raum bleiben und das wolle man damit gewährleisten, sagte Lydia Freienberger, Jugendbeauftragte der Polizei. Sie rief alle Eltern dazu auf, wachsam zu bleiben.

Das Phänomen „Zoom-Bombing“ ist nach einem Anbieter von Videokonferenzen benannt. Immer wieder kommt es vor, dass der digitale Unterricht in der Corona-Krise gehackt und mit fremden Zwischenrufen gestört wird. Mitunter werden auch Pornobilder auf die Schüler-Laptops gespielt oder Beleidigungen verschickt. Die Hamburger Schulbehörde registriert laut NDR immer mehr solcher Fälle und bringt sie zur Anzeige. Dennoch sollten die Eltern verstärkt darauf achten, was auf den Schülerbildschirmen vor sich geht.

Alltag deutscher Schüler: Im Corona-Lockdown lernen sie zuhause am Laptop-Bildschirm. (24hamburg.de-Montage).

Wegen der Corona-Krise ist in Hamburg der Präsenzunterricht noch bis mindestens zum 7. März ausgesetzt. Stattdessen wird ein digitaler Unterricht erteilt, der eigentlich über Passwörter geschützt ist. Hin und wieder geben aber auch Schüler diese im Netz weiter, da sie die Störungen für harmlose Streiche halten.

Corona-Lockdown: Hamburg lässt Schulen bis Mitte März dicht – Eltern stinksauer

Update von Mittwoch, 10. Februar 2021, 20.48 Uhr: Hamburg – Schlechte Nachrichten für viele Eltern und Schüler: Die Schulen in der Hansestadt Hamburg bleiben bis mindestens zum 1. März geschlossen. Das bestätigte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Mittwochabend im Anschluss an die Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bis zum Ferienbeginn werde man in Hamburg die „bisherigen Regelungen belassen“, teilte der Ratshauschef mit.

Fünf Stunden lang hatte Tschentscher zuvor mit den Regierungschefs das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Dabei kamen Bund und Länder überein, den bestehenden Lockdown bis zum 7. März zu verlängern. Für die Schulen kann es aber Ausnahmen geben. So wurde vereinbart, dass die Länder selber über eine Öffnung der Bildungseinrichtung entscheiden können. Berlin kündigte umgehend an, die Regeln für den Schulbetrieb zum 22. Februar zu lockern. „Für Hamburg bedeutet die Ausnahmeregelung aber nichts“, stellte Tschentscher klar. Bereits im Vorfeld hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) dieses Vorgehen angedeutet – sehr zum Verdruss vieler Eltern.

Schulen in Hamburg: Trotz sinkenden Inzidenzwert hält Senator an Lockdown fest

Erstmeldung von Mittwoch, 10. Februar 2021, 12.54 Uhr: Hamburg – Wenige Stunden vor dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern hat der Hamburger Senat eine Lockerung der Auflagen für die Schulen abgelehnt. So sollen die Bildungseinrichtungen der Hansestadt bis zu den März-Ferien in dem „jetzigen Modus“ bleiben, kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) an. Die Entscheidung obliege zwar der anstehenden Ministerpräsidentenkonferenz. Aber in Hamburg habe man eine Sondersituation, da man ohnehin kurz vor den Ferien stehe und man nicht „in jeder Stunde“ von heute auf morgen das Schulsystem umorganisieren könne, sagte Rabe. Während Elternvertreter die Ankündigung genervt zur Kenntnis nahmen, signalisierte die Opposition Unterstützung zu diesem Kurs.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

In Hamburg ist seit Mitte Dezember die Präsenzpflicht an den Schulen ausgesetzt. Am heutigen Mittwoch kommen jedoch die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen, um über eine Verlängerung des bis zum 14. Februar bestehenden Lockdowns zu verhandeln. Trotz sinkender Infektionszahlen will ein Großteil der Länderchefs an den Corona-Beschränkungen festhalten. Die Politiker eint die Sorge, dass die Ausbreitung neuer Virusmutationen die Zahlen wieder rasant in die Höhe schnellen lassen könnte.

Corona in Hamburg: Opposition stützt strikten Lockdown-Kurs

Gestritten wird allerdings noch um die Frage, ob bei den Schulen und Kitas eine Ausnahme gemacht werden sollte. Kinder- und Jugendärzte, aber auch Politiker wie die Grünen-Chefin Annalena Baerbock warnen seit langem vor den negativen sozialen und psychischen Folgen für die Schüler, wenn sie über Monate der Schule fernbleiben. Einige Bundesländer wie Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern wollen deshalb ab nächster Woche Lockerungen für die Schulen auf den Weg bringen. Erst am Montag hatten Experten einen Plan vorgelegt, wie ein Schulbetrieb auch unter Corona-Bedingungen funktionieren könnte.

Vertritt einen strikten Lockdown-Kurs: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Die Länderchefs waren im Vorfeld der Beratungen mit Kanzlerin Merkel in dieser Frage aber noch sehr gespalten*. Zwar hat sich die Kultusministerkonferenz bereits auch dafür ausgesprochen, ab der kommenden Woche eine langsame Wiedereröffnung der Schulen ins Auge zu fassen, doch mit Blick auf den zeitlichen Ablauf will der Hamburger Senat einen Sonderweg einschlagen.

Unter bestimmten Bedingungen will die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft den Kurs von Senator Rabe unterstützen. So begrüßte die CDU grundsätzlich die Verlängerung des Lockdowns. „Wir dürfen jetzt nicht verspielen, was wir erreicht haben“, sagte Fraktionschef Dennis Thering dem Nachrichtenportal 24hamburg.de mit Blick auf die sinkenden Infektionszahlen in der Stadt. Zugleich forderte er den Senat aber auf, bei anhaltendem Lockdown einen klaren Perspektivplan für die Kitas und Schulen vorzulegen. Darin sollte festgelegt sein, unter welchem Inzidenzwert eine sichere Öffnung unter Corona-Bedingungen gewährleistet werden könnte.

Ähnliche Pläne werden derzeit bereits in einigen Bundesländern erarbeitet, unter anderem in Schleswig-Holstein. In Hamburg zeigte sich der Senat aber bislang eher zurückhaltend, was konkrete Öffnungspläne angeht. Ohne ein fundiertes wissenschaftliches Wissen über die neuen Corona-Mutationen werde es kaum Lockerungen des Lockdowns geben, stellte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Dienstagabend noch einmal klar.

Öffnungsdebatte in Hamburg vertagt: Eltern zeigen sich enttäuscht

Unterstützung bekommt er dabei von seiner Regierungsfraktion. Auch SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf lehnt eine Debatte über mögliche Lockerungen als verfrüht ab. Es bleibe „leider das Gebot der Stunde, den Lockdown fortzusetzen“, teilte er 24hamburg.de mit. Erst wenn der Einfluss der Corona-Mutation auf das Infektionsgeschehen verlässlich bewertet werden könnte, könne man über das weitere Vorgehen oder Öffnungspläne debattieren. „Hier stehen dann aus meiner Sicht zuerst die Kitas und Schulen im Fokus“, versprach Kienscherf.

Und auch die Grünen mahnten zu Zurückhaltung. Es sei verständlich, dass Eltern, Lehrer und Schüler eine Öffnungsperspektive wünschten, sagte die Fraktionsvorsitzende Jennifer Jasberg unserem Nachrichtenportal. Aber wichtig sei es, die möglichen Stufenpläne bundesweit abzustimmen. Ein solcher Plan dürfe aber nicht mit einer schnellen Öffnungsdebatte verwechselt werden, da das Infektionsgeschehen insbesondere vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Virusvarianten derzeit noch nicht gering genug sei, so die Grünen-Politikerin. 

Bei den Hamburger Eltern löste die wahrscheinliche Lockdown-Verlängerung bereits großen Verdruss aus. Seit Wochen reiben sie sich die Nerven in privaten Homeschooling-Unterrichtsrunden auf. In einem offenen Brief forderten am Dienstag mehrere Elternverbände die Rückkehr zum Präsenzunterricht. „Beenden Sie die Schließung der Bildungseinrichtungen zum 15. Februar“, verlangte unter anderem die Initiative „Familien in der Krise“. Doch nach einer schnellen Öffnung sieht es nicht aus. Ihre Kritik verhallt wohl eher ungehört. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

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