Experte rät Merkel

Corona: Endlich Lockerungen? Experte glaubt an Lockdown bis Sommer

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Erst bis Ende Januar, dann Valentinstag und nun Ostern. Ende des Knallhart-Lockdowns rückt immer weiter in die Ferne. Experte meint: Es sollte bis Sommer gehen.

  • In Hamburg gelten bis zum 7. März strenge Corona-Regeln.
  • Trotz sinkender Infektionszahlen prüft die Bundesregierung weitere Lockdown-Maßnahmen.
  • Einer vorschnellen Lockerungs-Debatte erteilen Senat und Experten eine Absage.

Hamburg – Klare Ansage: Der Hamburger Senat lehnt eine Diskussionen über Lockerungen des strengen Lockdowns kategorisch ab. Trotz eines sinkenden Infektionsgeschehens in der Hansestadt bleibe die Corona-Lage sehr „angespannt“, sagte die stellvertretende Senatssprecherin Julia Offen. Es würden sich weiterhin zu viele Menschen im privaten Umfeld, in Pflegeheimen und Krankenhäusern anstecken. „Deshalb führen wir in Hamburg keine Lockerungsdebatten“, so Offen. Der Weg des Hamburger Senats sei immer ein vorsichtiger gewesen und daran halte man auch weiterhin fest. Die Ankündigung löste dabei ein geteiltes Echo aus. Während Experten den Kurs des Senats stützen, wird der Ruf bei Gewerbetreibenden nach einer Regel-Erleichterung immer lauter.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

In Hamburg gelten seit Freitag vergangener Woche strenge Corona-Regeln. Als eines der ersten Bundesländer hatte der Senat verschärfte Maßnahmen zur Maskenpflicht und zur Schließung von Kitas und Schulen in Kraft gesetzt und damit Beschlüsse umgesetzt, auf die sich zuvor die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geeinigt hatten. In Hamburg hatte der Knallhart-Lockdown zuletzt eine erste Wirkung gezeigt. So war das Infektionsgeschehen in der Stadt in den vergangenen Tagen rückläufig.

Trotz sinkender Corona-Zahlen: Bundesregierung prüft Flug-Stopp

Dennoch prüft die Bundesregierung derzeit eine weitere drastischere Lockdown-Maßnahmen. So könnte in den kommenden Wochen zusätzlich zu Kita-, Schul- und Ladenschließungen auch der Reiseverkehr weiter eingeschränkt werden. Man müsse den Flugverkehr auf „nahezu Null drücken“, kündigte Innenminister Horst Seehofer (CSU) in der Bild-Zeitung an. Der Plan liegt seit Wochen bei ihm in der Schublade. Doch bislang wollte Merkel davon nichts wissen. Bis jetzt. Eine Bemerkung in der Union-Fraktionssitzung im Deutschen Bundestag ließ die Abgeordneten am Dienstag aufhorchen. Man müsse aufpassen, dass durch Reisetätigkeiten nicht „zu viele Mutationen zu uns kommen“, soll Merkel zu dem Plan, den Corona-Lockdown möglicherweise noch einmal zu verschärfen*, gesagt haben.

Denkt über eine Verschärfung des Lockdowns nach: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). (24hamburg.de-Montage)

Die neuen Virusmutationen bereitet den Regierungschefs große Sorge. Darin sind sich Merkel und Seehofer mit den Ministerpräsidenten einig. Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wird nicht müde, vor den Gefahren zu warnen. Laut Expertenmeinung sind die Mutationen höchstwahrscheinlich ansteckender und aggressiver, deshalb müsse man weiterhin sehr, sehr vorsichtig sein, warnte Tschentscher unlängst. Es bestehe die Gefahr, dass die sinkenden Infektionszahlen bei einer zu schnellen Lockerung der Beschränkungen unkontrollierbar in die Höhe schnellen könnten und die ersten erzielten Erfolge wieder zunichtemachen.

Auch viele Corona-Experten versuchen die aufkommende Lockerungsdebatte mit Blick auf die Virusmutationen im Keim zu ersticken. So stimmte der Hamburger Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut, Jonas Schmidt-Chanasit, die Bevölkerung bereits auf eine Verlängerung des Lockdowns. Trotz fortschreitender Impfung sei es „unrealistisch“, dass die Corona-Pandemie spätestens im Sommer durchgestanden sei“, sagte er in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Die Impfung sei zwar ein wichtiger Baustein, aber Abstand, Hygiene, Masken, Lüften, Testen und der Schutz der Risikogruppen blieben bei der Bekämpfung des Coronavirus, das die Menschen in Deutschland seit einem Jahr quält*, Krise auf längere Sicht wichtig.

Experten sind sich einig: Die Pandemie dauert über den Sommer hinaus

Ähnlich hatte sich zuvor auch schon der Leiter der Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, geäußert. Auch er hatte vor zu hohen Erwartungen auf eine Normalisierung des täglichen Lebens bis zum Sommer gewarnt. Eine Beschränkung des Reiseverkehrs sieht er nun aber als einen „sinnvollen“ Schritt, um das Ziel vielleicht doch noch zu erreichen. Je stärker die Ausbreitung des Virus innerhalb Deutschlands gebremst werde, „desto wichtiger wird das, was von Außen eingeschleppt wird“, sagte er in den ARD-„Tagesthemen“.

Doch der Ruf nach Lockerungen wird in Hamburg immer lauter. Gastronomen, Einzelhändler oder andere Gewerbetreibende warnen eindringlich vor einer enormen Pleitewelle. Laut dem Handelsverband Nord steht fast jedes dritte Geschäft in der Innenstadt vor dem Aus. Bei allen drücken weiterlaufende Personalkosten und Mieten. Deshalb soll das Thema am heutigen Mittwoch noch einmal in der Hamburger Bürgerschaft diskutiert werden. Vor allem die Linksfraktion dringt mit einem eigenen Antrag auf Entlastung der Gewerbetreibenden. So soll der Senat die Hilfen für die Gewerbetreibenden noch einmal deutlich verbessern und die Vermieter stärker in die Pflicht nehmen, heißt es. Ob darüber hinaus auch über Ausstiegspläne aus dem Lockdown beraten wird, bleibt aber abzuwarten. Bislang erhielt Tschentscher im Parlament von SPD und CDU viel Unterstützung für seinen strikten Corona-Kurs. *24hamburg.de, merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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