Intensivmediziner dafür

Corona Isolation: Entscheidet bald der Beruf über die Quarantäne-Dauer?

  • VonSteffen Maas
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Große Diskussion um die Isolationspflicht bei einer Corona-Infektion. Der Hamburger Intensivmediziner Stefan Kluge schlägt vor, je nach Berufsgruppe zu entscheiden.

Hamburg – Bei der Debatte um ein Ende der Isolationspflicht für Corona-Infizierte ohne Symptome, hat sich nun Stefan Kluge, der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), für einen Kompromiss ausgesprochen. Er schlägt im Gespräch mit dem Norddeutschen Rundfunk vor, dass eine Entscheidung darüber, wer bei einer Erkrankung ohne Symptome wie lange in Isolation muss, von den Berufen abhängig gemacht wird. In Hamburg sinken derweil die Fallzahlen der Corona-Infizierten weiter.

Name:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Variante:Omikron
Dominierender Subtyp:BA.5

Isolationspflicht bei Corona abschaffen? Intensivmediziner Stefan Kluge schlägt Kompromiss vor

„Natürlich hat ein Mitarbeiter auf der Krebsstation ein höheres Risiko einen Patienten zu infizieren als jemand, der als Landschaftsgärtner arbeitet und keinen großen Kontakt hat – gerade an der Außenluft – zu vulnerablen Patientengruppen“, wägt der Intensivmediziner Stefan Kluge ab: „Wer hat welches Risiko, wenn er symptomfrei ist, andere anzustecken. Und davon abhängig dann auch diese Isolationsdauer zu verkürzen.“

Mit Maske zur Arbeit – trotz Corona-Infektion? Intensivmediziner Stefan Kluge würde sich eine Diskussion darüber wünschen, dass zumindest manche Berufsgruppen bei einer symptomfreien Infektion nicht zu Hause bleiben müssen. (24hamburg.de-Montage)

Das sei prinzipiell „sehr schwierig“ bei mehr als 1000 Berufsgruppen in Deutschland, gibt Kluge beim NDR zu: „Das kann man sich vorstellen und ist sicherlich nicht einfach, aber vielleicht der erste Beginn einer Diskussion zu dem Thema.“ Im Gesundheitssektor wäre die Abschaffung der Isolationspflicht aber nicht sinnvoll: Man habe eine ganz große Sorgfaltspflicht, da man täglich mit Patienten arbeite, die besonders empfindlich und schutzbedürftig sind und sich eventuell aufgrund ihrer Krankheit auch nicht mit einer Impfung vor dem Coronavirus schützen könnten.

Corona Isolation: Debatte um Länge der Quarantäne

Zuvor hatte vor allem die FDP dafür geworben, die Isolationspflicht abzuschaffen. Mitglieder der Partei äußerten die Sorge, dass zu viele Menschen nicht zur Arbeit gehen, obwohl sie eigentlich fit seien. Auch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, schloss sich solchen Forderungen an, mit dem Argument, dass der Personalnotstand eine viel größere Krise erzeuge als die eigentliche Pandemie.

Gegenwind gab es dazu umgehend von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: Ohne die Isolationspflicht, würden Infizierte zur Arbeit gehen und sich dadurch die Infektionsketten verkürzen, sagte Lauterbach dem ARD-Hauptstadtstudio. Solche Änderungen an den aktuellen Verordnungen seien seiner Meinung nach nicht verantwortbar, da sich dadurch die Pandemie wieder verschärfe.

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Unterstützung erhielt Lauterbach von anderen Politikern wie etwa Niedersachens Ministerpräsidenten Stephan Weil, der in seinem Bundesland die Corona-Verordnung zuletzt verlängert hatte. Auch vom Bundesvorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, gab es Beistand für den Gesundheitsminister: Er halte diese „permanente Debatte“ aktuell für sinnlos, sagte Weigeldt der Welt. Die Isolationsdauer ist vor kurzem bereits auf fünf Tage verkürzt worden – bei diesen „vernünftigen Regeln“ solle es jetzt auch bleiben, so Weigeldt.

Corona in Hamburg: Infektionszahlen sinken weiter

In der Hansestadt Hamburg ist Corona derweil etwas auf dem Rückmarsch, zumindest was die nackten Zahlen angeht. Die Sozialbehörde vermeldete am Dienstag, 26. Juli 2022, dass die Sieben-Tage-Inzidenz auf 524,5 gesunken ist (Vorwoche: 680). Die Neuinfektionen in der vergangenen Woche lagen damit zum ersten Mal seit über einem Monat „nur“ im vierstelligen Bereich: 9989 Neuinfizierte registrierte die Sozialbehörde (Vorwoche: 12.951).

Nach einem kurzzeitigen Rückgang sind die Zahlen der Hamburger Krankenhäuser jedoch wieder gestiegen. Insgesamt werden in den Hospitälern aktuell 409 mit dem Coronavirus infizierte Patienten behandelt (Vorwoche: 379), 35 davon auf den Intensivstationen (Vorwoche: 26). Die Zahlen veröffentlicht die Sozialbehörde jeden Dienstag hier.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa/Jakob Helbig/imago

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