1. 24hamburg
  2. Hamburg

Personalmangel bei Ärzten: Nach Corona droht Kündigungswelle

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Die Corona-Pandemie verschlimmert die Lage in Deutschlands Kliniken. Unter dem Personalmangel leiden auch Ärzte. Viele könnten am Ende den Beruf ganz aufgeben.

Hamburg – Die Coronavirus-Krise bringt nicht nur beim Pflegepersonal ans Tageslicht, was schon vorher der Fall war, jedoch zumeist totgeschwiegen wurde: Um die deutschen Kliniken ist es schlecht bestellt. Das Personal leidet unter extremer Belastung. Das betrifft nicht nur die Pfleger und Pflegerinnen, sondern auch die vermeintlich besser gestellten Ärzte. Deren Löhne und Gehälter sind zwar tatsächlich höher, doch an Unterbesetzung und daraus resultierender Mehrarbeit in Zeiten von Corona in Hamburg leiden auch sie.

Eine Umfrage unter angestellten Ärzten, durchgeführt von der Gewerkschaft Marburger Bund, ergibt auch für Hamburg in Zeiten der Corona-Pandemie ein düsteres Bild. Ärztinnen und Ärzte in der Hansestadt schieben Frust.

Anzahl Ärzte in Hamburg die der Ärztekammer angehören:17.534 (Stand Ende 2020)
Veränderung der Anzahl der Ärzte die der Ärztekammer angehören:plus 353 (gegenüber 2019)
Anzahl niedergelassene Ärzte in Hamburg:5001 (Stand 2020)
Veränderung der Anzahl niedergelassener Ärzte in Hamburg:minus 72 (gegenüber 2019)

Personalmangel in Krankenhäusern: Der Äxit droht – Kündigungswelle von Ärzten nach der Pandemie?

Die Situation in den Kliniken hat sich zwar durch die Corona-Krise verschlechtert, angespannt ist sie jedoch schon zuvor gewesen. Die jetzige Krise durch die Überbelastung von Krankenhäusern und Personal verschärft den Personalmangel nun zusätzlich. „Die Situation ist auch in Hamburg weit schlimmer als vor einem Jahr“, zitiert die Studie des Marburger Bundes einen Befragten.

Und ein anderer befürchtet „Nach der Pandemie wird es meines Erachtens einen flächendeckenden Exit bei Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegefachkräften geben.“ Düstere Aussichten also für Ärztinnen, Ärzte und auch Pflege-Personal in Hamburg – allen voran aber auch für die Patientinnen und Patienten, die in Hamburg während der Corona-Pandemie ins Krankenhaus müssen.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Corona-Pandemie verstärkt Misstände in Kliniken in Hamburg – Erholung ist gerade für Ärzte kaum möglich

Auch die Geschäftsführerin der Hamburg-Stelle des Marburger Bundes, Katharina von der Heyde, kann bestätigen, dass der Druck auf Ärzte und Ärztinnen zugenommen hat. „Oft müssen Dienste aufgrund der ohnehin schon dünnen Personaldecke wegen nun häufigen Krankheitsausfällen spontan neu besetzt werden“, sagt sie. Gegenüber der Hamburger Morgenpost führt sie weiter aus, dass die Mediziner ihre freien Tage oft nicht zur Erholung nutzen könnten, da sie einspringen müssten. So werde medizinisches Personal verheizt, schließt sie.

Die Pandemie verstärkt die Missstände im Gesundheitswesen, die schon lange bestehen.

Dr. Pedram Emami, 1. Vorsitzender des Marburger Bund Landesverbandes Hamburg

Corona Studie: Umfrage unter Ärzten ergibt Operationen müssen kaum verschoben werden

Der Marburger Bund wollte in seiner nicht repräsentativen Umfrage auch wissen, inwieweit sich die Pandemie auf den Arbeitsalltag und die Prozesse auswirke. Dabei ging es unter anderem um die Verschiebung von planbaren OPs und die bewusste Entscheidung für oder gegen die Behandlung von Notfallpatienten. 32 Prozent gaben an, das OPs nicht (Stand: Ende November) verschoben werden müssten, 28 Prozent sagten, dass Verschiebungen in geringem Ausmaß der Fall sei und 13 Prozent sprachen von Operationsverschiebungen in größerem Maß.

Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass keine Auswahl bei der Versorgung der Patienten getroffen werden müsse (57 Prozent), 17 Prozent jedoch, dass eine Priorisierung von Patienten bereits stattfinde. Allerdings legten viele von ihnen mittels der Kommentarfunktion der Online-Umfrage dar, weshalb dass der Fall sei. Hauptsächlich würde es aufgrund von Personalmangels zu Bettensperrungen und damit eingeschränkter Versorgung von Patienten kommen.

Medizinisches Personal versorgt eine Corona-Patientin auf der Intensivstation des regionalen Krankenhauses.
Ärzte und Pfleger auf den Intensivstationen in Deutschland hatten in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun – auch in Hamburg. Die Stimmung ist entsprechend ... © Radek Petráek/dpa

Ärzte in Hamburg leiden unter Überlastung: Rund ein Drittel hält keine vier Wochen mehr durch

Unter den aktuellen Bedingungen, würde rund ein Drittel der befragten Ärzte und des Pflegepersonals angegeben haben, nicht länger als einen Monat durchzuhalten, berichtet die Mopo. An der Befragung, die bis Ende November lief, haben 216 Mitglieder des Marburger Bunds teilgenommen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare