Schlechte Aufklärung

Corona-Impfungen in Hamburg: Impf-Problem mit Migranten?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Sprachbarriere, mangelnde Aufklärung: Die Corona-Impfungen gehen an den Migranten in Hamburg vorbei. Politiker und Mediziner schlagen Alarm. Was kann getan werden?

Hamburg – Die Sorge vor einem geringen Vertrauen von Migranten und Asylbewerbern in die Impfkampagne wächst. So warnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eindringlich vor den Auswirkungen einer geringen Impfquote in dieser Bevölkerungsschicht. Die Impfung von Migranten sei „eine große Herausforderung“, sagte er in der CDU-Präsidiumssitzung. Eine Unterversorgung von Menschen mit Migrationshintergrund mit einer Corona-Schutzimpfung drohe ansonsten die Erfolge bei der Immunisierung der Bevölkerung zu gefährden, zitierte die „Bild“-Zeitung den CDU-Politiker.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Quote der Erstimpfung:27,2 Prozent (Stand Freitag, 30. April 2021)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Zuvor hatten sich Berichte vermehrt, wonach in den Impfzentren augenscheinlich kaum Migranten gegen das Coronavirus geimpft werden. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Aber überall in Deutschland warnen Mediziner bereits vor einer möglicherweise zu geringen Impfquote. Auch in der Hansestadt Hamburg.

Corona-Impfung in Hamburg: Scheitert das Impfen von Migranten und Asylbewerber am Sprachproblem?

Seit vier Monaten ist das zentrale Impfzentrum der Hansestadt in den Messehallen in Betrieb. Bis zu 8000 Personen werden mittlerweile dort in Spitzenzeit geimpft – pro Tag. Doch Migranten nehmen eher selten einen Impftermin wahr. „Diesen Eindruck habe ich“, bestätigte der medizinische Leiter, Dr. Dirk Heinrich, nun dem Abendblatt. Seine Vermutung: Entweder hätten sich viele der Über-70-Jährigen, die bereits einen Anspruch auf eine Impfung haben, in den Wintermonaten in ihren Heimatländern befunden. Oder: Die Informationen über die Zulassung kämen unverständliche bei den Nichtmuttersprachlern an.

Werden Migranten bei der Corona-Impfung vernachlässigt? Mediziner in Hamburg schlagen Alarm. (24hamburg.de-Montage)

In der Gesundheitsbehörde bleibt man aber noch zurückhaltend. Für eine konkrete Einschätzung über die Impfbereitschaft in einzelnen Bevölkerungsgruppen sei es noch viel zu früh, sagte ein Sprecher laut dem Medienbericht. Dem Großteil der Hamburgerinnen und Hamburger stehe eine Impfung noch gar nicht zur Verfügung. So wurden nach den Hochbetagten erst die Menschen ab 70 Jahre aus der Impfgruppe zwei zur Impfung aufgerufen, teilweise auch erste Teile der Impfgruppe drei.

Dennoch gewinnt die Debatte an Fahrt. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr Studien auftauchen, wonach insbesondere Menschen aus ärmeren Stadtteilen einem höheren Corona-Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind als Bewohner aus reicheren Vierteln. Als Gründe wird vermutet, dass Geringverdiener, aber auch Migranten häufiger in beengten Wohnverhältnissen leben und ihre Jobs nicht so einfach ins Homeoffice verlagern können.

Corona-Impfung in Hamburg: Wird Priorisierung in sozialen Brennpunkten aufgehoben?

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren und die Impfquote unter Migranten und Asylbewerbern hochzufahren, werben mehrere Politiker bereits um eine bessere Informationspolitik. Aufklärungsarbeit sei in sozialen Brennpunkten enorm wichtig, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Integrationsexperten wie die NRW-Politikerin Serap Güler (CDU) verweisen dabei vor allem auf die Sprachprobleme*. Die Briefe, die Informationen zur Terminvereinbarung und Priorisierungsgruppen enthielten, würden schon viele Deutsche nicht verstehen. Dies gelte es unbedingt zu ändern und in verschiedenen Sprachen zu verfassen, sagte sie dem TV-Sender n-tv.

Eine andere Möglichkeit, um Barrieren abzubauen und die Impfquote zu steigern, könnte zudem der Einsatz von mobilen Impfteams in sozialen Brennpunkten sein. Neben Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) machte sich dafür bereits auch schon Bundessozialminister Hubertus Heil stark. Konkrete Entscheidungen hierzu, gibt es aber noch nicht. * 24hamburg.de und ruhr24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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