Expertenmeinung

Corona-Impfung Hamburg: So krank macht der Astrazeneca-Impfstoff

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
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  • Natalie-Margaux Rahimi
    Natalie-Margaux Rahimi
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Immer mehr Berichte von Nebenwirkungen und Erkrankungen nach Corona-Impfung mit Astrazeneca-Impfstoff werden publik. Experten sind ratlos.

  • Es sind drei Corona-Impfstoffe in Deutschland zugelassen: Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca.
  • Zuletzt berichteten viele nach einer Impfung mit Astrazeneca über starke Nebenwirkungen.
  • Ein Experte aus dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) versteht die Diskussion nicht.
  • Dieser Ticker ist beendet.

Update vom 23. Februar 2021, 9.23 Uhr: Hamburg – Dieser Ticker ist beendet. Alle aktuellen Informationen zum Thema Corona-Impfung und deren Risiko und Nebenwirkung finden Sie in unserem neuen Impf-Ticker.

Update vom 20. Februar 2021, 12:20 Uhr: Hamburg – Nach den zuletzt vermehrten Meldungen über auftretende Nebenwirkungen bei der Impfung gegen das Coronavirus mit dem Impfstoff Astrazeneca bricht Prof. Dr. Stefan Kluge eine Lanze für den Impfstoff und das Impfen allgemein. „Mich irritiert die Diskussion um eine nicht optimale Wirksamkeit. Wir können und sollten sehr froh sein, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt schon drei zugelassene Impfstoffe in Deutschland haben“, sagt der Intensivmediziner vom Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE).

Prof. Dr. Stefan Kluge vom UKE kann die Kritik am Astrazeneca-Impfstoff nicht nachvollziehen. (24hamburg.de-Montage)

Er halte, so Kluge weiter, Diskussionen darüber, welcher der drei zugelassenen Impfstoffe Astrazeneca, Pfizer/Biontech oder Moderna besser ist, für „Luxusdiskussionen. Alle Impfstoffe haben eine gute Verträglichkeit, wenig Nebenwirkungen und sind hocheffektiv in der Vermeidung von schweren Verläufen.“ Man wisse mittlerweile zwar, „dass trotzdem Infektionen bei allen drei Impfstoffen stattfinden können. Aber es geht um die Abwehr von schweren Verläufen, von Intensivpflichtigkeit und von Tod“, verdeutlicht Kluge und erklärt, dass alle drei Wirkstoffe „sehr, sehr gut wirksam“ seien.

„In Großbritannien mit einer hohen Inzidenz der britischen Virusmutation wird nur der AstraZeneca-Impfstoff verimpft, kein anderer – und da gibt es die Diskussion wie in Deutschland nicht“, konstatiert Kluge und erläutert, dass Impf-Nebenwirkungen „etwas völlig Erwartbares“ sind: „Das ist nichts Besorgniserregendes“. Die Nebenwirkungen zeigen laut des Intensivmediziners lediglich an, dass die Impfung im Körper einen Effekt hervorrufe, der gewünscht sei.

Corona-Impfung in Hamburg: Astrazeneca – so krank macht der Impfstoff

Erstmeldung vom 17. Februar 2021:

Hamburg – In der Stadt wird fleißig weiter geimpft, wenn auch schleppend. Mittlerweile sind in Hamburg alle drei Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca vorhanden. Seit vergangener Woche werden in Hamburg auch Rettungskräfte der Feuerwehr gegen das Coronavirus geimpft. Zuletzt hatte es Berichte über starke Nebenwirkungen der Geimpften gegeben. Viele klagten über Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Jetzt berichten auch andere Menschen über ihre schlechten Erfahrungen mit Astrazeneca. Muss ein Impfstopp her?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Vorwahl:040

Astrazeneca-Impfstoff: Immer mehr Berichte über starke Nebenwirkungen

Mitarbeiter der Hamburger Feuerwehr hatten sich nach einer Astrazeneca-Impfung am Folgetag bei der Arbeit abgemeldet. Zu stark seien die Nebenwirkungen der Impfung gewesen. Nun tauchen auch Berichte aus anderen Bereichen auf. So meldetet Beispielsweise eine Mitarbeiterin des Asklepios Westklinikums in Hamburg-Rissen, dass es auch dort nach einer Impfung mit Astrazeneca vermehrt zu Krankmeldungen gekommen sei. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, bestreitet die Krankenhausmeldung einen erhöhten Krankenstand aufgrund der Impfung derzeit jedoch.

In Hamburg treten nach einer Corona-Impfung mit Astrazeneca vermehrt Nebenwirkungen auf. (24hamburg.de-Montage)

Auch eine Arztpraxis in Hamburger Stadtteil Niendorf hat laut Mopo mit den Folgen einer Astrazeneca-Impfung unter den Beschäftigten zu kämpfen. Fünf von zehn Mitarbeiter haben sich nach Verabreichung des Vakzins krankgemeldet. Im Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig wurde nun eine Vergabe des Impfstoffs komplett gestoppt. Wie Welt.de berichtet, traten bei 37 von 88 Geimpften Impfreaktionen auf, wegen welchen die Mitarbeiter der Arbeit fern bleiben mussten. Im schwedischen Sörmland wurde die Vergabe von Astrazeneca ebenfalls gestoppt. Und auch von Komplikationen im Zusammenhang mit dem Astrazeneca Impfstoff* in Minden-Lübbecke und Emden wird berichtet.

Astrazeneca-Impfstoff: Gefährliche Nebenwirkungen oder harmlose Begleiterscheinungen?

Zu den am häufigsten genannten Nebenwirkungen zählen laut Deutscher-Presse Agentur: Schmerzen an der Einstichstelle und grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl, erhöhte Temperatur und Fieber. Laut Experten seien diese Reaktionen nicht ungewöhnlich, sondern lediglich die Immunantwort des Körpers auf die Impfung. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hatte im Interview mit NTV gesagt, dass er sich bedenkenlos mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen würde: „Ja, ich würde mich Impfen lassen, wenn ich eine Impfung angeboten bekommen würde. Ausdrücklich auch mit Astrazeneca. Das ist ein sehr sicherer und wirksamer Impfstoff“, sagte er.

Astrazeneca ist kein zweitrangiger Impfstoff.“

Virologe Christian Drosten im NDR-2-Coronavirus-Podcast

Laut RKI könne es bei allen drei Impfstoffen wie bei allen gängigen Impfungen zu Nebenwirkungen und Immunreaktionen des Körpers kommen. Demnach seien Nebenwirkungen letztendlich sogar ein gutes Zeichen, da man daran erkennen könne, dass der Impfstoff wirke. Auch bei Biontech/Pfizer sind einige Nebenwirkungen bereits bekannt. Bei diesem Impfstoff seien diese Reaktionen überwiegend nach der zweiten Impfung aufgetreten, bei Astrazeneca bereits nach der ersten. Virologe Christian Drosten sprach im NDR-2-Coronavirus-Podcast trotzdem von einem „guten Impfstoff“.

Probleme mit Astrazeneca: Paul-Ehrlich-Institut untersucht Nebenwirkungen

Für die Sicherheit von Impfstoffen ist das Paul-Ehrlich-Institut zuständig. Wie die Deutsche-Presse-Agentur berichtet, seien Einschätzungen zu der Schwere der Nebenwirkungen vom Astrazeneca-Impfstoff derzeit noch nicht möglich. Aktuell werde untersucht, ob die Nebenwirkungen schlimmer seien, als das, was in den vorherigen klinischen Prüfungen des Impfstoffs beobachtet wurde. Derzeit seien die Immunreaktionen aber genau so, wie es nach den Untersuchungen im klinischen Studienprogramm zu erwarten war.

Unterdessen wirbt Virologe Christian Drosten weiter für die Corona-Impfung mit Astrazeneca. „Es wäre eine komplett falsche Überlegung, erst mit einer Impfung abzuwarten, bis ein upgedateter Biontech-Impfstoff vorliegt, bevor ich Astrazeneca nehme“, sagte er im Coronavirus-Podcast von NDR 2. Es sei jetzt vor allem im Hinblick auf die Corona-Mutationen wichtig, dass die Menschen so schnell wie möglich durchgeimpft würden, sagte er. Alle drei Vakzine hätten bewiesen, dass sie einen „erstaunlichen Schutzeffekt“ hätten. Wie wa.de berichtet, werden die Impfungen mit Astrazeneca in Schweden nach einem vorübergehenden Impfstopp* wieder aufgenommen. * 24hamburg.de, msl.de, owl.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/imago images & Hanno Bode/imago images & Reiner Zensen/imago images

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