Expertenmeinung

Marylyn Addo (UKE) klärt über Astrazeneca auf

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Astrazeneca-Impfstoff hat viele Nebenwirkungen. UKE-Expertin Marylyn Addo vertritt ganz klare Meinung zur Corona-Impfung mit dem schwedisch-britischen Vakzin. 

  • In Hamburg bleibt der umstrittene Astrazeneca-Impfstoff oftmals ungenutzt.
  • Senat ändert deswegen die Impf-Reihenfolge (siehe Update vom 23.02.2021).
  • UKE-Expertin Marylyn Addo versteht Aufregung um Astrazeneca-Impfstoff nicht.
  • Dieser Ticker wird laufend aktualisiert.

Update vom Mittwoch, 24. Februar 2021, 12:00 Uhr: Hamburg – Die Aufregung um den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca geht weiter. Immer mehr Menschen fürchten sich vor einer Impfung, weil über starke Nebenwirkung des Vakzins berichtet wird. Nun hat sich auch UKE-Expertin Marylyn Addo im Podcast „Entscheider treffen Haider“ des Hamburger Abendblatts geäußert. Und ihre Aussagen dürften den einen oder anderen Leser bzw. Hörer doch schockieren.

Denn die Expertin zeigte sich überrascht darüber, dass sich viele Menschen Gedanken über die Nebenwirkungen der Impfstoffe machen. „Wir klären sehr genau darüber auf und alle Nebenwirkungen, die aufgetreten sind, sind vorher in Studien erwähnt worden, da ist ja nichts Unerwartetes passiert“, sagte sie. Darüber hinaus überwache das Paul-Ehrlich-Institut die Nebenwirkungen der Impfstoffe sehr genau, so Addo. Aber ist es nicht nur logisch, dass sich die Menschen Gedanken über Vakzine machen, die einen möglicherweise krank machen?

UKE-Expertin Marylyn Addo versteht die Aufregung um die Nebenwirkung bei Impfstoffen nicht. (24hamburg.de-Montage)

Teilweise wurde von starken Symptomen nach der Injektion der Impfung berichtet. So war von Fieber, Schüttelfrost, starken Kopfschmerzen und in einem Fall sogar von neurologischen Ausfällen die Rede. Marylyn Addo wünsche sich von der Bevölkerung aber weniger negativ geführte Debatten. Immerhin können die Menschen froh sein, dass ein Jahr nach der Pandemie überhaupt Impfstoff zur Verfügung stehe. Dass alle drei Impfstoffe eine Wirkungsrate von über fünfzig Prozent aufweisen, müsste man laut der UKE-Expertin übrigens „zelebrieren“, sagte sie. Sie erinnerte außerdem: „Grundsätzlich ist Impfen generell neben sauberem Wasser die Intervention, die überall auf der Welt am meisten Leben gerettet hat und weiter rettet.“

Impf-Reihenfolge: Astrazeneca – Leonhard zieht Lehrer und Erzieher vor

Update von Dienstag, 23. Februar 2021, 10.09 Uhr: Hamburg – Von Impf-Priorität drei zu zwei: Lehrer und Erzieher können sich früher als bisher geplant gegen das Coronavirus impfen lassen. Darauf verständigten sich die Gesundheitsminister der Länder mit dem Bund. Hamburg werde den Beschluss mittragen, kündigte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) an. Zugleich bremste sie aber die Erwartung von einer schnellen Umsetzung.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Den Angaben zufolge werden in der Hansestadt rund 60.000 Beschäftigte in den Kitas und Schulen von der dritten in die zweite Impfgruppe verlegt. Dort warten aber bereits 200.000 Hamburger auf ihre erste Dosis, sodass die Erzieher und Lehrer hier eingruppiert werden und dennoch mit Wartezeiten rechnen müssen. Los geht es für diese Gruppe im März. Vorrang haben hier jedoch erst einmal Menschen, die über 75 Jahre alt sind, Menschen mit Vorerkrankungen und Berufsgruppen wie Ärzte, Polizisten und Feuerwehrleute. Für die Berufstätigen unter 65 Jahren soll dann vor allem der heftig diskutierte Impfstoff von Astrazeneca eingesetzt werden. Das Vakzin von Biontech ist den älteren Menschen in Gruppe zwei vorbehalten.

Mit der Änderung der Impf-Reihenfolge reagiert der Senat auf die Tatsache, dass zuletzt tausendfach Impfstoff von Astrazeneca übrig geblieben ist und dass der Ruf nach Lockerungen für Kitas und Schulen im Lockdown immer lauter wird. Trotz der weiterhin hohen Infektionszahlen haben bereits zwölf Bundesländer die Einrichtungen wieder in den Regelbetrieb zurückgeführt. Hamburg geht hier zwar derzeit noch einen Sonderweg. Aber dennoch will man das Personal in den Einrichtungen vorsorglich schon einmal gegen eine Ansteckung schützen, falls auch in der Hansestadt die Öffnung wieder beschlossen wird.

Corona-Impfung in Hamburg: Darum ändert der Senat die Reihenfolge

Erstmeldung von Montag, 11.54 Uhr: Hamburg – Hamburg ändert die Reihenfolge bei den Corona-Impfungen: Anders als ursprünglich geplant sollen nun doch auch schon niedergelassene Ärzte, Praxispersonal, Beschäftigte beim Krankentransport sowie Polizei- und Ordnungskräfte bei der Schutzimpfung zum Zuge kommen können. Das teilte die Gesundheitsbehörde am Montag mit. Sie seien aufgrund ihrer Tätigkeiten einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt und könnten ab sofort Termine im zentralen Impfzentrum vereinbaren. Ihnen soll dann allerdings eine Impfung mit dem umstrittenen Vakzin von Astrazeneca angeboten werden. Für Diskussion sorgte derweil noch die Frage, ob auch Erzieher und Lehrer bevorzugt werden sollen.

Will keine Impfstoffe verschwenden: Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Der Hamburger Senat reagiert damit auch auf die wachsende Skepsis gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff. Wegen vieler Berichte über mögliche starke Nebenwirkungen war die Ablehnung des Vakzins in der Bevölkerung zuletzt gestiegen, vor allem bei der Hamburger Feuerwehr hatte es deswegen zuletzt viel Wirbel gegeben.

Corona-Impfung: Astrazeneca-Vakzin findet keine Abnehmer

Das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers ist wegen einer nicht ausreichenden Studiengrundlage derzeit nur für Personen zugelassen, die jünger als 65 Jahre alt sind. In der aktuellen Impf-Reihenfolge könnten damit Menschen mit „höchster Priorität“ geimpft werden – also Beschäftigte in Pflegeheimen oder auf Intensivstationen. Da sich in dieser höchsten Prioritätsgruppe zuletzt nicht genug Impffreiwillige finden ließen, blieb das Vakzin tausendfach in den Impfzentren liegen. Laut Robert-Koch-Institut wurden deutschlandweit gerade einmal zehn Prozent der 1,5 gelieferten Astrazeneca-Dosen verimpft. 

Um die Impfstoffe aber nicht ungenutzt zu lassen, hat die Hamburger Gesundheitsbehörde nun den potenziellen Empfängerkreis erweitert. Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) verteidigte die Maßnahme. Bei den Corona-Impfungen liege man im „Zeitplan“, sagte die Sozialdemokratin. Jedoch sei der Impfstoff wegen der bekannten Probleme bei der Beschaffung nach wie vor sehr knapp, sodass die vorhandenen Kapazitäten sorgsam eingesetzt und umfassend ausgeschöpft werden müssten, stellte sie klar.

Insgesamt sind den Angaben zufolge in Hamburg rund 120.000 Schutzimpfungen verabreicht worden, davon etwa 50.000 im zentralen Impfzentrum in den Messehallen. Allein am Sonntag wurden dort 3300 Impfdosen verabreicht, was für Hamburg einen neuen Impfrekord bedeutete. Gut 43.000 Hamburgerinnen und Hamburger haben nun bereits ihre zweite Dosis erhalten, mit der laut Herstellern die volle Schutzwirkung erreicht wird. 32.440 Erst- und 15.736 Zweitimpfungen seien über 80-Jährigen verabreicht worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit.

Corona-Impfung: Werden auch Lehrer bevorzugt?

Trotz der Akzeptanzprobleme beim Astrazeneca-Impfstoff will die Hansestadt Hamburg die Impfquote schnell weiter erhöhen. Im März erwartet die Hansestadt von dem britisch-schwedischen Hersteller insgesamt 45.000 neue Dosen. Wer sie am Ende nimmt oder bekommt, ist allerdings weiterhin unklar. Während in Hamburg nun ein erweiterter Personenkreis aufgerufen wurde, gibt es auch in anderen Ländern Bemühungen, die Impf-Reihenfolge weiter aufzubrechen. So gibt es bereits Vorschläge, neben Ärzten und Polizisten auch Erzieher und Lehrer bei den Impfungen zu bevorzugen.

Vorgeprescht mit diesem Vorschlag ist Niedersachsen. So hatte die dortige Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) bereits am Wochenende betont, dass die Schul- und Kita-Beschäftigten nicht vernachlässigt werden dürften. Immerhin sind nun fast alle Bundesländer – mit Ausnahme von Hamburg und Sachsen-Anhalt – zu einem Regelbetrieb in den Bildungseinrichtungen zurückgekehrt. Dadurch seien die Erzieher und Lehrer einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt, sagte Reimann.

In Hamburg zeigte sich die Gesundheitsbehörde in diesem Punkt aber noch zurückhaltend. Zwar sei das Impfzentrum nicht voll ausgelastet, sagte ein Sprecher der Hamburger Morgenpost. Aber ein Großteil der Termine würde wahrgenommen werden, sodass nicht klar sei, ob dadurch die grundsätzliche Impfstrategie noch mehr aufgebrochen werden sollte, hieß es.

Aus Sicht von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht nichts dagegen, die Reihenfolge noch einmal zu ändern. Angesichts des ungenutzten Potenzials beim Astrazeneca-Impfstoff sollten „jetzt unbürokratisch die Impfzentren für alle unter 65 Jahren aus den ersten drei Prioritätsgruppen“ geöffnet werden, forderte Lauterbach, der wegen seiner klaren Worte in der Öffentlichkeit geliebt und zugleich gehasst wird. Die Debatte um die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen des zugelassenen Vakzins halte er jedenfalls für „absurd“ und „unerträglich“. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa & Independent Photo Agency Int./imago images

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