Hitzige Diskussion

Corona in Hamburg: Homeoffice-Streit – warum weiter ins Büro gehen?

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Der Corona-Lockdown hat Hamburg und Deutschland fest im Griff. Während Kinder zu Hause bleiben müssen, sollen Erwachsene ins Büro. Was ist mit Homeoffice-Pflicht?

  • Hamburg befindet sich seit dem 16. Dezember im Corona-Lockdown*.
  • Während die meisten Läden, Restaurants, Schulen und Kitas geschlossen sind, dürfen Büros weiter aufhaben.
  • Jetzt entfacht ein Homeoffice-Streit.

Hamburg – Seit Mitte Dezember gelten in ganz Deutschland harte Corona-Regeln. Der Einzelhandel, Kitas und Schulen sind weitestgehend dicht. Restaurants und Bars durften schon seit November nicht mehr öffnen. Am 05. Januar wurden die Maßnahmen nach einem Gipfeltreffen von Angela Merkel* und den 16 Länderchefs sogar noch einmal verschärft. Nur noch eine Person außerhalb des eigenen Hausstandes darf getroffen werden. Mit einer Ausnahme: Wer im Büro arbeitet, darf dort weiterhin so viele Kollegen treffen, wie er will. Dies sorgt jetzt für Ärger.

Bürgermeister von Hamburg:Peter Tschentscher
Geboren:0. Januar 1966, Bremen
Amt:Bürgermeister von Hamburg seit 2018
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ausbildung:Universität Hamburg (1995)
Ehepartner:Eva-Maria Tschentscher (verh. 1998)

Hamburger Senat appelliert an Arbeitgeber: „Homeoffice ermöglichen!“

Während in anderen Bereichen schon vor Monaten feste Regeln gesetzt wurden, bleibt die Homeoffice-Regel ein Appell – ein „Büro-Verbot“ gibt es weiter nicht. Der Hamburger Senat* hat allerdings erneut alle Arbeitgeber Hamburgs dazu aufgerufen, Mitarbeitern das Homeoffice zu ermöglichen. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) sagte in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Senats: „Jedes Unternehmen sollte sich jetzt fragen, was sein Beitrag sein kann, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen“.

Peter Tschentscher verzichtet weiter auf eine Homeoffice-Pflicht für Hamburg. (24hamburg.de-Montage)

In erster Linie geht es natürlich darum, die Kontakte mit anderen Kollegen im Büro zu vermeiden. Denn was bringt es, sich privat von anderen zu isolieren, wenn im Büro dann wieder viele aufeinandertreffen – wenig. Dazu kommen die Arbeitswege, die oft auch mit dem Kontakt zu anderen verbunden sind – beispielsweise in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn alle, die können, zu Hause bleiben, stehen diese ausschließlich den Menschen zu, die wirklich zur Arbeit müssen. Wenn also alle, denen es möglich ist, ins Homeoffice gehen, vermindern sich die Kontakte noch einmal um ein Vielfaches.

Hamburg im Corona-Lockdown: Streitfrage – Warum gibt es dennoch keine Homeoffice-Pflicht?

Fraglich ist, warum es trotz all der guten Argumente weiterhin keine Homeoffice-Pflicht gibt. Warum dürfen Erwachsene weiterhin in Scharen ins Büro rennen, während die Kleinsten nicht einmal mehr in die Schule* oder in die Kita dürfen? Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher* hatte in der Pressekonferenz des Senats zu den neuen Corona-Regeln selbst gesagt, dass Homeoffice das ist, „was wir jetzt brauchen“. Und dennoch bleibt es nur bei einer Bitte, statt der Pflicht. Selbstverständlich appellierte auch er noch einmal an alle Hamburger sich, wann immer möglich, an den Grundsatz „Wir bleiben Zuhause“ zu halten.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard* versuchte die „Nicht-Pflicht“ für das Homeoffice zu erklären. Im Interview mit der Hamburger Morgenpost sagte sie: „Nicht jedes Zuhause ist geeignet, um Arbeitsbedingungen sicherzustellen, die ein dauerhaftes Arbeiten ermöglichen“. Warum die Schulen dann aber geschlossen haben und die Kinder gezwungen sind Zuhause zu lernen, wird nicht erwähnt. Es gibt übrigens viele hilfreiche Homeschooling-Tipps*, die einem die Betreuung der Kinder erleichtern kann.

Hitziger Homeoffice-Streit: Politiker fordern einheitliche Regeln

Viele finden das unverhältnismäßig. Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina stellte dazu in der Pressemitteilung des Hamburger Senats fest: „Kontaktreduzierungen im Privaten können nicht zum Erfolg führen, wenn nicht auch im Beruflichen physische Kontakte zurückgefahren werden“. Unter dem Hashtag „machtbueroszu“, fordern viele nun endlich eine Homeoffice-Pflicht. Darunter auch Hamburgs ehemaliger Justizsenator Till Steffen. 10 Monate hätten Arbeitgeber Zeit gehabt, sich Konzepte für Homeoffice zu überlegen, dass dies einige scheinbar verpennt haben, könne jetzt kein Grund sein, nicht endlich verbindliche Regeln zu erlassen, so Steffen auf Twitter.

Die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim schreibt unter dem Hashtag: „Ich bin fassungslos, wie viele immer noch jeden Tag im Büro sind“. Alle Ansteckungen in ihrem Umfeld seien im Büro erfolgt, so Dornheim. Und auch Ricarda Lang, Stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen wundert sich über die fehlende Homeoffice-Pflicht. „Gibt es einen triftigen Grund dafür, dass der Arbeitsplatz bei allen Corona-Regeln komplett außen vor gelassen wird?“, heißt es in ihrem Twitter-Post.

Homeoffice-Debatte: Nur wenige Menschen waren im November im Homeoffice

Laut einer Homeoffice-Studie der Hans Böckler Stiftung, arbeiteten im November, also im sogenannten Lockdown light, nur etwa 14 Prozent der Befragten überwiegend oder ausschließlich Zuhause. Und das, obwohl die Bundesregierung schon damals an alle appelliert hatte, wenn möglich, ins Homeoffice zu wechseln. Im April hatte der prozentuale Anteil der Arbeitnehmer im Homeoffice bei 27 Prozent gelegen. Zu keinem Zeitpunkt soll er höher gewesen sein.

Es bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die Mehrheit der Menschen dem Appell der Hamburger Regierung nachkommt und zumindest den überwiegenden Teil der Arbeit nach Hause verlegt. Denn ansonsten kommt es vielleicht so, wie Marina Weisband, Politikerin und Bildungspädagogin auf Twitter prophezeit. „Da wir zwar hart alle Freizeit geschlossen haben aber weiterhin in Büros rennen (müssen), werden wir die Ansteckung nicht genug drücken, (...). Nehmt euch also im März nichts vor“, schreibt sie.* 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Chris Emil Janßen/Imago Images & CTK-Photo/Imago Images

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