Depressionen in der Pandemie

Lagerkoller oder doch Corona-Depression? Selbsttest zeigt, ob Sie betroffen sind

Die Isolation und die Ungewissheit über das Coronavirus setzen der menschlichen Psyche zu. Das begünstigt Depressionen. Besonders gefährdet sind Infizierte.

Hamburg - Die Corona-Pandemie hat im letzten Jahr von zahlreichen Menschen einen Tribut gefordert und die heikle Lage ist noch längst nicht ausgestanden. Auch wenn die Gesundheitskrise durch die Impfungen und die sinkenden Inzidenzzahlen beinahe überwunden zu sein scheint, birgt Covid-19 noch weitere Probleme.  

Vor allem die Psyche vieler Betroffener hat unter der Situation stark gelitten – bei Erwachsenen aber auch bei Jugendlichen. Sowohl für Menschen, die das Virus bereits hatten, als auch für Menschen, die durch Corona in andere Notlagen gekommen sind, sind Depressionen plötzlich ein Thema.

Begrifflateinisch: niederdrücken
Depressionsfälle in Deutschland11,3% Frauen, 5,1% Männer
Depressionsfälle bei Kindern in Deutschland3-15% zwischen 12 und 17 Jahren
AnlaufstellenzB. Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Hausarzt, TelefonSeelsorge

Corona-Depression bei Genesenen – was sind die Langzeit-Folgen?

Für Menschen mit Depressionen waren die einzelnen Phasen des Lockdowns besonders hart, da das Ausbleiben von Ablenkung die Betroffenen noch mehr als sonst mit ihren Gedanken und ihrer Krankheit allein ließ. Doch auch Menschen, die vorher keine Anzeichen von psychischen Erkrankungen zeigten, können durch Corona in eine depressive Phase oder sogar in eine echte Depression verfallen.

Eine Corona-Depression kann jeden treffen. Die menschliche Psyche leidet an der Situation. (24hamburg.de-montage)

Eine britische Studie hat nun herausgefunden, dass besonders bereits Genesene eine hohe Gefahr haben, eine Corona-Depression zu entwickeln. Laut der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet liegt das in erster Linie an der Ungewissheit darüber, wie die Krankheit verlaufen wird, welche Symptome sich vielleicht noch zeigen werden und welche Langzeitfolgen eine Corona-Infektion haben könnte. Auch die plötzliche Isolation ist ein Faktor.

Laut der Studie sollen etwa ein Drittel der 230.000 Genesenen, deren Daten für die Untersuchung ausgewertet wurden, nach ihrer Covid-19-Erkrankung an einer Depression leiden.

Nur ein Lagerkoller oder schon eine Depression? Ein Selbsttest klärt auf

Auch Nicht-Infizierte können eine Depression bekommen. Das ständige Alleinsein, die fehlenden sozialen Kontakte und der Mangel an Ablenkung durch Aktivitäten wie Kino- oder Restaurantbesuche können die Psyche angreifen. Existenzängste, finanzielle Sorgen oder Angst um die Lieben sind ebenfalls Faktoren. Auch Kinder können emotional sehr unter der Situation leiden. Jetzt muss aufgepasst werden, dass sich ein Lagerkoller oder eine niedergeschlagene Phase nicht zu einer richtigen Depression entwickelt.

Zu diesem Zweck hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe einen „Selbsttest Depression“ veröffentlicht, mit dem man seine eigene Gefahr für eine psychische Erkrankung testen kann. Wer sich permanent lustlos und niedergeschlagen fühlt, keinen Antrieb und Lebensfreude mehr verspürt, an Schlafstörungen oder körperlicher Schwäche leidet oder gar mit dem Gedanken spielt, sich selbst etwas anzutun, sollte aufpassen. Wenn dieser Zustand über mehrere Wochen anhält, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Corona-Depression oder plötzliche Angstzustände - so reagieren Sie richtig

Eine Depression oder eine andere psychische Krankheit kann jeden treffen. Wenn ein solcher Fall eintritt, ist es wichtig, sich die richtige Hilfe zu holen. Viele Vereine, Hilfetelefone oder Stiftungen wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe e.V. unterstützen Menschen mit psychischen Problemen.

Wer in einer akuten Phase der Aufregung oder in einem Angstanfall steckt, der kann auf einige bewährte Beruhigungsübungen zurückgreifen. Betroffene können sich zum Beispiel vorstellen, die Sorgen, die sie plagen, seien Wolken oder Autos, die an ihnen vorbeiziehen, ihnen aber nicht direkt nahekommen. Oder man macht eine einfache Atemübung und konzentriert sich nur auf sein eigenes Ein- und Ausatmen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Bei länger andauernden Beschwerden ist der Besuch beim Arzt aber dennoch dringend ratsam. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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