Bund-Länder-Beratung

Gescheiterter Merkel-Plan: Hamburger Schulen trotz Corona weiter offen

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Angela Merkel spricht sich für geschlossene Schulen aus. Hamburg fuhr erst eine ganz harte Linie, doch will jetzt unbedingt Schulschließungen vermeiden.

Hamburg – Die Corona-Zahlen in Hamburg sind hoch. Trotzdem kann der Senat seinen Öffnungskurs an den Schulen offenbar weiter fortsetzen. So soll es auch bei hohen Inzidenzzahlen weiterhin Ausnahmeregelungen für Schulen und Kitas geben dürfen. Eine ursprüngliche Forderung des Bundeskanzleramtes, die Öffnung und Schließung an das Infektionsgeschehen und an Testkapazitäten zu knüpfen, sei bereits im Vorfeld des Corona-Gipfels* aus der Beschlussvorlage gekippt worden, berichtete die Bild-Zeitung.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Am Montagnachmittag kamen die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen, um das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie zu beraten. Eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April 2021 galt dabei bereits als ausgemacht. Denn zuletzt waren die Corona-Neuinfektionen deutschlandweit wieder stark angestiegen, auch in Hamburg. Der Senat hatte deshalb bereits am vergangenen Wochenende die Notbremse gezogen und die Corona-Regeln verschärft.

Coronavirus in Hamburg: Schulen sollen nach Bund-Länder-Beschluss offen bleiben

Außen vor blieben jedoch die Schulen und Kitas. Nach einem Jahr Dauer-Lockdown und Fernunterricht war die Hansestadt erst eine Woche zuvor vom erweiterten Notbetrieb in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückgekehrt. Seitdem werden rund 60 Prozent der Schüler in einem Wechselschichtmodell wieder vor Ort unterrichtet.

Einmal pro Woche: In Hamburg testen sich Schüler jetzt selber auf das Coronavirus.

Im Kanzleramt gab es jedoch Überlegungen, die Lockerungen in den Schulen und Kitas unter Umständen auch wieder zurückzudrehen. In einem Beschlusspapier, das Merkel den Regierungschefs zur Beratung vorlegte, stand, dass Schulen in Regionen mit Inzidenzen zwischen 100 und 200 nur öffnen dürfen, wenn ein zweimaliger Corona-Test pro Woche für die Anwesenden sichergestellt ist. In einer kleinen Sondierungsrunde aus Vertretern von Bund und Ländern wurde die Passage dann aber wieder aus dem Papier gestrichen.

In Hamburg wird der entscheidende 100er-Wert seit fast einer Woche übertroffen. Am Montag lag die Inzidenz bei 115,2. Vor diesem Hintergrund wäre die Hansestadt teilweise unter die neue Regelung gefallen. Jedoch sollen in Hamburg ausreichende Testkapazitäten zur Verfügung stehen.

Hohe Corona-Inzidenz in Hamburg: Selbsttests an Schulen soll Ansteckungsgefahr minimieren

Bereits am Vormittag hatte der Senat offiziell ein Corona-Massentest-Programm an den Hamburger Schulen gestartet. Insgesamt lieferte die Schulbehörde 480.000 Selbsttests-Kits an die Bildungseinrichtungen aus. Das reiche, um jede Schülerin und jeden Schüler einmal und das Schulpersonal sogar dreimal pro Woche zu testen, teilte Schulsenator Ties Rabe (SPD) mit. Mit den Selbsttests, deren Handhabung auch für Laien unkompliziert sein soll, könne man die Sicherheit erhöhen und das Ansteckungsrisiko für Schüler und Lehrkräfte minimieren, so der Behördenchef.

Die Massentests flankieren ein strenges Hygiene-Konzept mit Abstands- und Lüftungsregeln, das Experten aufgestellt hatten, um eine Rückkehr in den Schul- und Kita-Alltag zu ermöglichen. Zuvor hatten viele Kinder- und Jugendmediziner eindringlich vor den negativen Auswirkungen für Schüler gewarnt. Ein Jahr ohne soziale Kontakte hinterließen bei immer mehr Jugendlichen tiefe psychische Spuren, hieß es. Auch vor diesem Hintergrund hatten sich Bund und Länder beim vergangenen Corona-Gipfel auf Schul- und Kita-Öffnungen geeinigt.

Aus Sicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), hat sich an dieser Situation auch nichts geändert. Deshalb hatte sie sich auch vor dem erneuten Bund-Länder-Treffen noch einmal eindringlich gegen erneute Schulschließungen ausgesprochen.

Es gelte, die Schulen trotz der angestiegenen Corona-Zahlen „so lange wie möglich“ offenzuhalten, betonte die brandenburgische Kultusministerin und Ehefrau von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). „Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemiesituation“, stellte sie klar. Es gelte darauf zu achten, dass die Folgen der Krise nicht dauerhaft das Leben der Kinder begleiten würden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa/picture alliance

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