Koma-Saufen einmal im Monat

Alkohol im Corona-Lockdown: Nur zwei Ländern trinken mehr als Deutschland

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Corona-Frust im Lockdown! Während der Pandemie hat der ohnehin hohe Alkoholverbrauch in Deutschland noch einmal zugenommen. Experten sind vom alarmierenden Bericht besorgt!

Hamburg – Der Corona-Lockdown* in der Hansestadt Hamburg neigt sich, wie in weiten Teilen Deutschlands, langsam dem Ende. Und das ist auch gut so. Knapp 6 Monate mussten die Hamburger* ihr privates Leben auf ein Minimum zurückfahren. Einige mussten in Kurzarbeit treten, andere viel mehr arbeiten als normal. Das hat bei vielen Menschen für Frust gesorgt. Frust, den die Deutschen offenbar gerne mit Alkohol herunterspülen. Denn wie aus einem Report der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht, hat der ohnehin schon hohe Alkoholkonsum in Deutschland in der Corona*-Krise noch einmal zugenommen. Nur zwei Länder trinken noch mehr.

Land in Europa:Deutschland
Fläche:10.180.000 km²
Einwohner:746,4 Millionen (2018)
Bevölkerungsdichte:75 Einwohner/km²

Corona-Frust: So viel Alkohol trinkt Deutschland im Lockdown – nur zwei Länder trinken mehr

Obwohl Bars, Clubs und Restaurants seit vielen Monaten geschlossen sind, hat der Alkoholkonsum in Deutschland noch einmal zugenommen – die Menschen trinken nun eben Zuhause. Wie aus einem aktuellen Report der OECD hervorgeht, ist der Verkauf alkoholischer Getränke in Deutschland während der Corona-Krise um 3,3 Prozent gestiegen. Das dürfte unter anderem am Corona-Frust liegen, der sich bei Deutschen während des Lockdowns aufgestaut hat. Dazu kommen Stress im Beruf oder mit der Familie und Einsamkeit.

Alkohol gegen den Corona-Frust: Nur zwei Länder trinken im Lockdown noch mehr als Deutschland.

Der Pro-Kopf-Verbrauch (ab 15 Jahren) liegt in Deutschland laut OECD -Report bei 12,9 Litern reinem Alkohol. Lediglich in Litauen (13,2 Liter) und Tschechien (14,4 Liter) wird noch mehr getrunken als in Deutschland. Zur Berechnung der deutschen Werte wurden Daten des Bundesfinanzministeriums über die Einnahmen aus Alkoholsteuern herangezogen. Daraus geht hervor, dass zwar weniger Bier getrunken wurde, dafür aber mehr „harte“ alkoholische Getränke, Wein und Sekt gekauft wurden. Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche fünf Liter Bier oder 2,6 Flaschen Wein pro Woche.

Alkohol gegen den Corona-Frust: So hat sich das Trinkverhalten während des Lockdowns verändert

Der Bericht der OECD, der am 19. Mai 2021 in Paris vorgestellt wurde, macht ebenfalls deutlich, inwieweit sich der Corona-Lockdown auf das Trinkverhalten der Menschen ausgewirkt hat. So gaben 43 Prozent der Befragten an, in der Corona-Krise mehr zu trinken als vorher. Nur 26 Prozent trinken dagegen weniger. Einen Mehrkonsum weisen besonders häufig Frauen, Eltern von Kleinkindern, Besserverdiener und Menschen mit Angstsymptomen oder Depressionen auf. Kürzlich hatte eine weitere Studie schon bewiesen, dass Frauen in Corona-Zeiten besonders oft unter psychischen Krankheiten* leiden.

Besonders alarmierend: Jeder dritte Erwachsene trinkt im Schnitt einmal im Monat exzessiv. Von diesem sogenannten Koma-Saufen spricht die Studie ab dem Konsum von 60 Gramm purem Alkohol. Das entspricht etwa 1,5 Liter Bier oder 80 Prozent einer Flasche Wein. Dabei neigen „Frauen mit hohem Bildungsniveau und Personen in den niedrigsten und höchsten Einkommensklassen“ häufig zu einem solch exzessiven Konsum, heißt es in dem Bericht.

Corona-Frust und Alkohol: Die Folgen von übermäßigem Konsum können dramatisch sein – politische Maßnahmen notwendig

Der OECD-Report rechnet vor, dass in den kommenden 30 Jahren jährlich etwa 1,1 Millionen Menschen in den Ländern der OECD, EU und G20, an den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum sterben könnten. Denn: zu viel Alkohol wirkt sich auf die Lebenserwartung aus. In Deutschland geht die Studie von einem Lebenszeitverlust von durchschnittlich 1,06 Jahren aus.

12 Gramm reiner Alkohol bei Frauen und 18 Gramm bei Männern gelten laut der Studie als schädlicher beziehungsweise übermäßiger Alkoholkonsum. Dabei entsprechen zwölf Gramm etwa einem kleinen Bier. Auch wenn das auf den ersten Blick nach wenig aussieht, entstehen laut Studie schon bei diesen Mengen gesundheitliche Schäden.

Weil übermäßiger Alkoholkonsum nicht nur dem Trinkenden selbst gesundheitlich schade, sondern auch zu Gewalttaten und Verkehrsunfällen führe, sollte die Politik entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen, empfiehlt der Report. Dazu gehören unter anderem das Verbot von Alkoholwerbung für Kinder, verstärkte Alkoholkontrollen im Straßenverkehr, Beratungsangebote für Trinker, sowie eine Preissteigerung von alkoholischen Getränken. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de

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