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Corona-Impfstoff im Müll: Hamburger Senat bestätigt Impf-Irrsinn!

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Die Verschwendung geht weiter: Hamburgs Ärzte müssen Corona-Impfstoff in den Müll schmeißen. Denn: Der Senat will die Impf-Strategie nicht anpassen. Die CDU kocht.

Hamburg – Bürokratie statt Gesundheitsschutz: Mit deutlichen Worten hat die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft die Verschwendung von Corona-Impfstoff in der Hansestadt Hamburg angeprangert. Es sei „unfassbar“, dass Ärzte gezwungen seien, massenhaft ungenutzten Impfstoff im Müll zu entsorgen, kritisierte CDU-Fraktionschef Dennis Thering am Dienstag. Der Senat müsse umgehend wie in anderen Bundesländern auch diese „Wegwerfpraxis“ unterbinden. Die rot-grüne Landesregierung wies jedoch eine Änderung der Impf-Strategie zurück.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)
Zweite Bürgermeisterin:Katharina Fegebank (Grüne)

Hintergrund des Streits ist ein Bericht des NDR, der am Montag für viel Aufsehen gesorgt hatte. Demnach sind in den vergangenen Wochen rund 43.000 Impfstoff-Dosen ungenutzt entsorgt worden. Dabei handelt es sich um sogenannte Überschussmengen. Dieser Impfstoff befindet sich mit in den Fläschchen von Astrazeneca, Biontech oder Moderna.

Corona-Impfung in Hamburg: Verschwendung angeprangert – 43.000 Impfdosen landen im Müll

Jede Flasche der drei Hersteller ist für eine bestimmte Anzahl von Impfdosen von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Darüber hinaus befindet sich in den Fläschchen aber immer noch ein Rest, der durchaus auch für eine eigene Dosis ausreichen kann. Sprich: Ein Arzt kann zum Beispiel sieben statt sechs Spritzen pro Flasche aufziehen. Für diese siebte Dosis gibt es allerdings keine Zulassung – weswegen die Mediziner auf Nummer sicher gehen und die Restmengen lieber entsorgen.

Einige Bundesländer haben bereits reagiert. In Schleswig-Holstein und in Niedersachsen, wo allerdings ein anderer Impf-Skandal* für Furore sorgt, etwa dürfen die zusätzlichen Dosen auf Grundlage einer offiziellen Anweisung der Landesregierungen verimpft werden. In Rheinland-Pfalz hat das Land sogar klargestellt, dass man die Haftung für diese Variante übernimmt.

Trotz Kritik wegen Verschwendung von Impfstoff: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will an Impf-Praxis festhalten. (24hamburg.de-Montage)

In Hamburg jedoch zeigt man sich weiterhin zurückhaltend. „Der Senat hält an der bisherigen Impfpraxis fest“, stellte eine Sprecherin am Dienstag klar. Es könne nämlich nicht gewährleistet werden, dass aus jeder Flasche eine zusätzliche Impfdosis gezogen werden könnte. Dies sei „handwerkliche Geschick“, das nicht automatisch jeder Arzt beherrsche. Aus Sicht des Hamburger Senats sei es besser, sechs Impfdosen vernünftig und verlässlich zu verabreichen. Am Ende müsse auch gewährleistet werden, dass bei der siebten Impfung auf jeden Fall genug Impfstoff in ausreichender Menge aufgezogen worden sei.

Verschwendung von Corona-Impfstoff: CDU wirft Hamburger Senat Tatenlosigkeit vor

Für die Hamburger CDU sind das aber Ausreden. Ähnlich wie in anderen Bundesländern auch könnte der Senat rechtliche und organisatorische Voraussetzung schaffen, dass kein Impfstoff ungenutzt im Müll landet, sagte Fraktionschef Thering und forderte den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zum Handeln auf. „Andere Länder zeigen, wie es besser geht“, sagte der Unionspolitiker.

Damit hätte ein ganzer Stadtteil versorgt werden können.

CDU-Fraktionschef Dennis Thering kritisiert die Verschwendung von 43.000 Impfstoff-Dosen

Die Wegwerfpraxis sei jedenfalls sehr bedauerlich, hieß es. „43.000 ungenutzte Impf-Restdosen in Hamburgs Impfzentrum, damit hätte ein ganzer Stadtteil wie Langenhorn quasi einmal durchgeimpft werden können“, kritisierte Thering. Deshalb müsse nun endlich schnell gehandelt werden. Durch das Nutzen der Restmengen könne die Impfkampagne jedenfalls deutlich an Fahrt gewinnen, so der CDU-Politiker. 

Insgesamt wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Hamburg bis einschließlich Montag 567.514 Impfdosen verabreicht. Der Großteil von ihnen erhielt bislang eine Erstimpfung. 114.562 Personen sind indes bereits mit einer Zweitimpfung versehen. Das entspricht einer Impfquote von 24,5 Prozent bei den Erst- und 6,2 Prozent bei den Zweitimpfungen. Seit Montag sind nun bereits die ersten Personen aus der Impfgruppe drei aufgerufen, um im zentralen Impfzentrum einen Termin zu vereinbaren. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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