Krisen-Konzern

Coronavirus-Ausbruch bei Airbus: Mutation macht die Runde

  • Jens Kiffmeier
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Die Fakten sind klar: 21 Infizierte, 500 Mitarbeiter in Quarantäne. Bei Airbus hat sich die neue Corona-Mutation eingenistet. Arbeitsschutz auf dem Prüfstand.

  • Gesundheitsbehörde meldet Corona-Ausbruch mit 21 Infizierten bei Airbus. 500 Mitarbeiter in Quarantäne
  • In zwei Fällen wurde auch die gefährliche Virusmutation aus Großbritannien nachgewiesen.
  • Vorfall lenkt Blick auf mangelnden Arbeitsschutz bei Hamburgs großen Industrieunternehmen.

Update von Donnerstag, 28. Januar 2021, 8.41 Uhr: Hamburg – Ein schlimmer Verdacht hat sich bestätigt: Bei dem Corona-Ausbruch bei Airbus haben sich zwei Mitarbeiter auch mit der hochaggressiven Virusmutation aus Großbritannien angesteckt. Das bestätigte jetzt die Hamburger Gesundheitsbehörde. Insgesamt sind damit nun sieben Mutations-Fälle in Hamburg bekannt*. Der Konzern versprach vor diesem Hintergrund weitere Aufklärung. „Wir arbeiten Hand in Hand mit dem Gesundheitsamt, um die Ursache für die Fälle zu ermitteln“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Airbus hat eigenen Angaben zufolge bereits zu Beginn der Krise im vergangenen Frühjahr umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter eingeführt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen werde täglich überprüft. Wie es trotzdem zu dem Ausbruch gekommen sei, werde noch geklärt, so der Sprecher. Am Wochenende war bekannt geworden, dass bei Airbus 21 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Für rund 500 Mitarbeiter wurde Quarantäne angeordnet.

Corona-Hotspot in Hamburg: Hat Airbus beim Arbeitsschutz geschlampt?

Hamburg – Nach dem Ausbruch von Corona-Masseninfektionen in der Belegschaft von Airbus steht Hamburgs Flugzeugbauer jetzt massiv in der Kritik. Allen voran die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft beklagte mangelnden Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter. „Zeit, dass endlich der betriebliche Infektionsschutz in den Fokus rückt“, twitterte Arbeitsmarkt-Experte David Stoop. Die Kontrollen seien hier wie in vielen anderen Betrieben bislang „völlig unzureichend“, hieß es. Der Konzern, der wegen der Corona-Pandemie ohnehin in eine tiefe Krise geschlittert ist, wies die Kritik jedoch umgehend zurück.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Einen Tag zuvor war der Corona-Ausbruch auf dem Betriebsgelände in Hamburg-Finkenwerder publik geworden. Insgesamt 21 Mitarbeiter haben sich mit dem Virus infiziert. Das bestätigte die Hamburger Gesundheitsbehörde. Rund 500 Mitarbeiter wurden demnach in Quarantäne geschickt. Die verantwortlichen Behörden treibt dabei die Sorge um, dass es sich bei der Ansteckung um eine der hochgefährlichen Virusmutationen handeln könnte. Zuvor waren die neuen Varianten unter anderem auch schon in Flensburg nachgewiesen worden.

Corona in Hamburg: Airbus weist Kritik an seinem Hygienekonzept zurück

Nach Angaben eines Behördensprechers wurde vor diesem Hintergrund eine Untersuchung angeordnet. Um die Mutation nachweisen zu können, müsse eine Genom-Squenzierung durchgeführt werden, hieß es dazu aus der Gesundheitsverwaltung. Bis das Ergebnis vorliege, dauere es aber noch. „Hierzu können wir frühestens Mitte der Woche etwas sagen“, so der Sprecher.

Corona-Ausbruch bei Airbus: 21 Mitarbeiter in der Produktion haben sich angesteckt. (24hamburg.de-Montage)

Mit mehr als 12.000 Mitarbeitern ist Airbus der größte industrielle Arbeitgeber der Hansestadt Hamburg. Wegen des hohen Infektionsgeschehens gelten in Hamburg strenge Corona-Regeln. Am Freitag hatte der Senat den Lockdown bis zum 14. Februar verlängert und teilweise einzelne Maßnahmen verschärft. Sowohl in Bussen und Bahnen als auch beim Einkaufen müssen zwingend medizinische Schutzmasken getragen werden.

Auch an den Arbeitsplätzen und in den Betrieben gelten strenge Hygienekonzepte. Die Politik dringt darauf, die Arbeit – sofern möglich – ins Homeoffice zu verlegen. Doch insbesondere in der Industrieproduktion ist das schwer umsetzbar. Deshalb hatten die großen Betriebe bereits zu Beginn der Pandemie Konzepte aufgestellt, mit der die Belegschaft ausgedünnt und auf mehrere Schichten verteilt werden sollen.

Airbus verwies nun selber in einer Stellungnahme auf die geltenden Gesundheitsrichtlinien und wies zugleich Kritik daran zurück. Man habe sich an alle Regeln gehalten, betonte Unternehmenssprecher Daniel Werdung. „Die entsprechenden Maßnahmen wie umgehende Reihentestungen und Quarantäne wurden umgehend eingeleitet gemäß der dafür vorgesehenen Prozesse, in Zusammenarbeit mit den Behörden“, stellte er im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur (dpa) klar.

Corona in Industrieproduktionen: Infektionsausbruch bei Airbus ist kein Einzelfall in Hamburg

In Hamburg ist Airbus kein Einzelfall. Auch im Hamburger Hafen, der ebenfalls tausenden Menschen aus und um der Hansestadt einen Arbeitsplatz bietet, waren in jüngster Vergangenheit Infektionsfälle bekannt geworden. So waren unter anderem am Containerterminal am Burchardkai sieben Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch hier wurden ganze Schichtdienste in häusliche Quarantäne geschickt. In der Belegschaft rumorte es wegen des schlechten Gesundheitsschutzes heftig. „Wir werden verheizt“, beschwerten sich mehrere Arbeiter im Gespräch mit der Hamburger Morgenpost. So gebe es viele Gefahrenzonen, um sich mit dem Virus anzustecken. Allein in den Umkleideräumen ließe sich der Mindestabstand bei Schichtwechsel nicht wirklich einhalten, hieß es.

Es ist gut möglich, dass die Arbeitsbedingungen in der Produktion von Airbus jetzt noch einmal auf den Prüfstand kommen. Die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft hat bereits eine Anfrage zur Einhaltung der Gesundheitsvorschriften in Hamburgs Betrieben gestellt. Aber bereits jetzt ist klar: Der Corona-Ausbruch kommt für Airbus zur Unzeit. Große Ausfälle in der Produktion kann sich der Flugzeugbauer nicht erlauben. Denn der Corona-Lockdown und der Stillstand in der internationalen Luftfahrt hat dem deutsch-französischen Konzern bereits massiv zugesetzt.

So plant Airbus bereits den Abbau von weltweit 15.000 der mehr als insgesamt 130.000 Stellen. Von den 5100 in Deutschland betroffenen Jobs befinden sich 3200 im Norden. Allein in Hamburg sollen es womöglich 2325 Stellen sein. Bisher beratschlagen Konzernführung und Betriebsrat über die konkrete Umsetzung. Bis Ende März soll es dazu eine endgültige Klärung geben. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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