CDU Landeschef Hamburg

Christoph Ploß (CDU) im Interview: Masken-Affäre und Partei-Probleme

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Das Super-Wahljahr steht vor der Tür. Masken-Affäre und Corona-Probleme bringen die Umfragewerte der CDU in den Keller. Was soll die Partei tun, Herr Ploß?

Hamburg – Bei der Bürgerschaftswahl 2017 erlebte die CDU in der Hansestadt Hamburg ein Wahldebakel. Im September des vergangenen Jahres übernahm der Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß (35) die Führung der kriselnden Partei – mitten in der Corona-Krise. Der neue Landeschef gilt als Hoffnungsträger. Im exklusiven 24hamburg.de-Interview redet er über den Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit, über Fehler im Pandemie-Krisenmanagement und über die Tatsache, dass man die organisierte Kriminalität nicht mit Zettel und Stift bekämpfen kann:

CDU-Landeschef in Hamburg:Christoph Ploß
Geboren: 19. Juli 1985 (Alter 35 Jahre), Hamburg
Bundestagsabgeordneter:seit 2017
Studium:Geschichte und Politikwissenschaft, 2017 Promotion

Die Maskenaffäre reißt die CDU gerade tief runter in den Umfragen. Was sagen Sie dazu?

Wer sich als Abgeordneter an der Krise persönlich bereichert und dabei anscheinend auch noch gegen geltende Regeln verstößt, sollte sofort zurücktreten. Solch ein Verhalten entspricht nicht den moralischen Maßstäben der CDU. Einige wenige schwarze Schafe überschatten das, was viele CDU-Politiker derzeit tun, um den Menschen zu helfen, die Krise bestmöglich zu überstehen.

Ist wegen der Maskenaffäre wütend auf die eigenen CDU-Parteifreunde: Hamburgs Landeschef Christoph Ploß. (24hamburg.de-Montage)

Bei der Bewältigung der Corona-Krise steht derzeit auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der Kritik. Zu Recht?

Jens Spahn macht aus meiner Sicht einen sehr guten Job und hat viele Themen vorangetrieben. So hat er zum Beispiel während des ersten Lockdowns dafür gesorgt, dass sehr viele Schutzmasken nach Deutschland geliefert wurden, und sich darum gekümmert, dass Pflegekräfte in den Krankenhäusern einen finanziellen Bonus erhalten. Der Bundesgesundheitsminister hat auch völlig recht, wenn er sagt, dass wir nur mit vielen Tests zügig aus dem Lockdown kommen werden.

Wir brauchen bald wieder normale Verhältnisse.

Christoph Ploß zum Lockdown

Der schleppende Impfstart und die Diskussion um die Schnelltests verärgern viele Bürger. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Wir müssen die richtigen Schlussfolgerungen aus dem ziehen, was nicht gut gelaufen ist. Mir ist aufgefallen, dass Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern nicht immer pragmatisch genug gehandelt hat. Das zeigt sich etwa an den Corona-Tests. Österreich legte schon los, als wir noch wochenlang nach dem perfekten Test suchten. Insgesamt sind wir bisher nach meiner Auffassung trotz allem relativ gut durch die Corona-Krise gekommen. Das lag sicherlich auch am entschlossenen Handeln der Bundesregierung. Wir haben gerade zu Beginn der Krise in der Gesellschaft einen großen Zusammenhalt verspürt. Es muss jetzt aber auch dringend eine Perspektive aufgezeigt werden. Der Lockdown darf kein Dauerzustand werden.

Täuscht der Eindruck, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt langsam bröckelt?

Natürlich kommen mit jeder Woche Lockdown immer stärker die Fragen auf, wie lange dieser noch dauert und welche gesamtgesellschaftlichen Folgen zu erwarten sind. Deshalb ist es wichtig, dass wir alle Möglichkeiten nutzen, um den Lockdown zu verkürzen. Wir brauchen bald wieder normale Verhältnisse, damit wir keine Spaltung der Gesellschaft erleben und die Unzufriedenheit nicht so groß wird, dass davon populistische Parteien am rechten und linken Rand profitieren.

Junger Hoffnungsträger der Hamburger CDU: Landeschef Christoph Ploß. (24hamburg.de-Montage)

Bei der Krisenbewältigung steht der Senat im Fokus. Wird die Opposition eigentlich noch gehört?

Der CDU ist es wichtig, kein parteipolitisches Klein-Klein zu veranstalten. Bei den wichtigen Fragen halten wir als Hanseaten zusammen und bringen uns konstruktiv ein, was aber nicht bedeutet, dass wir Defizite wie in der Schulpolitik ausblenden und einfach hinnehmen. Wir versuchen zudem, denen zu helfen, die Unterstützung benötigen. So haben etwa die CDU-Bürgerschaftsfraktion und die Junge Union richtig gute Initiativen gestartet, um Senioren beim Beantragen eines Impftermins zu helfen und sie beim Weg ins Impfzentrum zu begleiten.

Bei der vergangenen Bürgerschaftswahlen in Hamburg kam ihre Partei nur auf 11,2 Prozent. Das Wahldebakel führte auch zum Führungswechsel. Wie hat sich die Stimmung in der Partei seitdem entwickelt?

Es ist an vielen Stellen eine Aufbruchstimmung zu erkennen. Die Motivation ist groß, gemeinsam wieder bessere Wahlergebnisse zu erzielen. Im Moment wird unsere Arbeit wie bei allen anderen von der Corona-Pandemie geprägt. Veranstaltungen finden digital statt, weil persönliche Treffen nicht möglich sind. Die Hamburger CDU hat in den vergangenen Monaten einen starken Digitalisierungsschub erfahren.

Dass mit Aktenordnern herumhantiert wird, ist inakzeptabel.

Christoph Ploß zur fehlenden Digitalisierung

Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt die CDU?

Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen, für welche Themen wir stehen und welche Alleinstellungsmerkmale sie bei uns finden. Mein Ziel ist beispielsweise, Klimaschutz- und Wirtschaftspolitik zu kombinieren – indem wir auf Wasserstoff und klimaneutrale Kraftstoffe setzen. Für die Entwicklung Hamburgs sind Innovationen von großer Bedeutung, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, stärker in die Wissenschaft und in die Universitäten zu investieren. Dort wird die Frage beantwortet, wo in Zukunft unser Wohlstand herkommt.

Wo sehen Sie die größten Probleme für die Stadt?

Mir bereitet große Sorgen, dass der Bildungserfolg in Hamburg sehr stark davon abhängt, in welchem Haushalt und in welchem Stadtteil man aufwächst. Wir müssen mehr in frühkindliche Bildung investieren, um gleiche Chancen für alle Kinder zu schaffen. So sollte sichergestellt sein, dass jedes Kind über ein digitales Endgerät verfügt, und an den Schulen muss zum Beispiel eine Cloud zur Verfügung stehen, was in Ländern wie Dänemark längst Standard ist. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie groß der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung an unseren Schulen ist. Corona hält uns den Spiegel vor, in welchen Bereichen wir mehr tun müssen. Gerade an den Schulen in Hamburg ist sehr viel versäumt worden. Wir müssen mehr in Bildung investieren, um diese Defizite zu beseitigen.

Wo sehen Sie die größten Fehler?

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion mit Dennis Thering an der Spitze hatte Vorschläge gemacht, wie eine zweite Corona-Welle an den Schulen hätte verhindert werden können, zum Beispiel durch Lüftungskonzepte sowie Investitionen in Digitalisierung und Cloud-Systeme. Das würde den Kindern ermöglichen, auch während der Pandemie lernen zu können. Alle diese Vorschläge wurden vom rot-grünen Senat ignoriert. Darunter leiden Schüler, Eltern und Lehrer. Gerade die Jüngeren verpassen so Chancen fürs Leben. Jeder weitere Tag ohne regulären Unterricht ist für sie eine Belastung und schadet ihnen langfristig. Das Problem betrifft auch die Hamburger Verwaltung. Dass immer noch wie in den sechziger und siebziger Jahren mit Aktenordnern hantiert wird, ist heutzutage inakzeptabel.

In welchen Bereichen gibt es noch Nachholbedarf?

Auch in der Innenpolitik läuft einiges falsch. In der Blauen Moschee an der Alster werden islamistische Aktionen vorbereitet und geplant, die zur Vernichtung Israels aufrufen. Das ist inakzeptabel. Extremismus ist nicht hinnehmbar – egal, aus welcher Richtung. Gegen Extremisten geht der rot-grüne Senat aber nicht immer mit der gebotenen Konsequenz vor. Wir als CDU wollen der Polizei und den Sicherheitskräften in Hamburg den Rücken stärken und auch in diesem Bereich die Digitalisierung stärker vorantreiben. Die organisierte Kriminalität lässt sich nicht mit Zettel und Stift bekämpfen.

Sie sind seit September 2020 CDU-Landeschef in Hamburg. Was hat Sie am meisten überrascht?

Als ich anfing, hatte ich die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie glimpflicher verläuft und wir das Gröbste hinter uns haben. Dann kamen die zweite Welle und der Lockdown. Ich finde es großartig, dass die Motivation der Mitglieder trotz allem riesig ist und wir als Hamburger CDU mittlerweile wieder viele bekannte und in ihrem Bereich renommierte Persönlichkeiten in der Stadt ansprechen, die gemeinsam mit uns an Konzepten arbeiten.

Zwei Männer, eine Freundschaft: Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß (links) wünscht sich eine stärkere Rolle für Friedrich Merz in der Partei. (24hamburg.de-Montage)

Sie hatten sich für Friedrich Merz als neuen CDU-Bundesvorsitzenden ausgesprochen, gewonnen hat aber Armin Laschet. Welche Rolle würden Sie sich für Merz in Zukunft wünschen?

Ich denke, dass er für die CDU weiterhin eine wichtige Rolle spielen sollte und uns im Bundestagswahlkampf guttun würde. Ansonsten halte ich wenig davon, jetzt über Posten zu diskutieren. Wir müssen gerade alles dafür tun, die Corona-Krise bestmöglich zu bewältigen.

Wer wäre Ihr Wunschpartner in der nächsten Bundesregierung?

Die FDP steht uns inhaltlich am nächsten. Aber in der heutigen politischen Landschaft sollte man keine Koalition mit anderen demokratischen Parteien ausschließen. Klar sollte nur für alle guten Demokraten sein, dass es keine Zusammenarbeit mit Parteien geben darf, die mit Extremisten paktieren oder diese in den eigenen Reihen dulden. Das heißt, dass wir mit der AfD und der Linkspartei auf keinen Fall in eine Koalition gehen werden. Jetzt wollen wir uns als CDU aber der Bewältigung der Corona-Krise widmen und deswegen auch den Wahlkampf bewusst kurz halten. Die Menschen haben keine Lust auf Dauerwahlkampf. Auch die Frage, ob Markus Söder oder Armin Laschet als Kanzlerkandidat ins Rennen geht, sollten wir deswegen frühestens nach Ostern beantworten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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