Praxisalltag in Gefahr

Chaos und aggressive Stimmung: Erste Hausärzte wollen nicht mehr impfen

  • Mara Schumacher
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Ansturm auf die Hausarzt-Praxen: Viele wollen sich schnell gegen Corona impfen lassen. Am liebsten beim Arzt des Vertrauens. Doch das übt massiven Druck auf Hausärzte aus.

Hamburg und Niedersachsen - Der Ansturm auf die Arztpraxen in Deutschland ist gewaltig. Weil sich viele Menschen am liebsten beim eigenen Hausarzt impfen lassen möchten, herrschen dort vielerorts Ausnahmezustände. Denn neben den Impfungen muss der normale Praxisalltag auch weiterlaufen. Doch das ist momentan kaum möglich.

OrganisationBundesärztekammer
Mitgliederca. 506.000
HauptsitzBerlin
Ziel Sicherstellung guter medizinischer Versor­gung

Impfansturm: Hausärzte wollen eigenes Personal schützen

Erste Hausärzte steigen schon wieder aus den Impfungen aus – vor allem, um die eigene Belegschaft zu schützen. Viele Praxis-Mitarbeiter können die chaotischen Herausforderungen, die das Impfen und der Massenansturm der Patienten mit sich bringt, kaum bewältigen. Weiteres Problem: Das Impfen an sich ist keine aufwendige Prozedur. Doch der „Schreibkram“, der mit der Impfung einhergeht, bedeutet enormen Aufwand. Ärzte und Praxis-Personal sind also häufig schon mit der Impf-Bürokratie total ausgelastet.

Ansturm auf die Hausarzt-Praxen: Viele wollen sich schnell gegen Corona impfen lassen.

Impfstoffnachfrage: Patienten reagieren aggressiv

Oliver Funken, Vorstandsmitglied der Ärztekammer, spricht außerdem von aggressiver Stimmung bei der Impfstoffnachfrage. Die Telefone in den Praxen liefen heiß, Patienten, die geimpft werden wollen, seien zunehmen frustriert: „Wir haben inzwischen eine gefährliche Entwicklung: Zahlreiche Hausarztpraxen melden sich vom Impfsystem wieder ab“, so Funken. „Natürlich wollen wir der Bevölkerung helfen, aber wir müssen auch das Wohl der Beschäftigten im Blick behalten.“

Aufhebung der Priorisierung bedeutet noch größeren Ansturm

Am 7. Juni 2021 soll die Impfpriorisierung bundesweit aufgehoben werden. Alle Impfwilligen, ob Risikogruppe oder nicht, können dann einen Impftermin vereinbaren. Ob der eigene Hausarzt Impfungen anbietet, sollte man online checken, bevor man zum Hörer greift und in der Praxis anruft.

Mit Aufhebung der Priorisierung wird ab Juni erst recht ein Ansturm erwartet. Mehrere Hausärzte warnen bereits vor diesem Schritt. „Eine Aufhebung der Priorisierung würde einen Ansturm auf die Praxen auslösen, und angesichts des knappen Impfstoffes würde das zu einer weiteren Frustration bei allen Beteiligten führen“, warnt Oliver Funken.

Impfen beim Hausarzt: Urlaubszeit bringt weitere Herausforderung mit sich

Eine weitere Schwierigkeit käme schon bald hinzu. Gegenüber rp-online.de verweist Oliver Funken auf die anstehende Urlaubszeit: „In den Sommermonaten werden wir noch einmal Engpässe erleben, denn natürlich müssen auch Ärzte und medizinisches Personal irgendwann mal Urlaub machen.“ Das bedeutet vor allem fehlendes Personal und geschlossene Praxen. Die Lage in den Hausarztpraxen wird sich wohl erst entspannen, wenn genügend Impfstoff geliefert wird und die Sommermonate rum sind. Experten bestätigen sogar, dass noch in diesem Jahr eine dritte Impfung fällig wird. * Kreiszeitung.denordbuzz.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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