Niedriger Inzidenzwert

Chaos bei Corona-Impfung: Wut auf Spahn kocht in Hamburg hoch

  • Jens Kiffmeier
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Der Inzidenzwert in Hamburg sinkt. Doch die Corona-Impfungen stecken fest. Der Schuldige ist in Hamburg gefunden: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Hamburg – Freude über die Corona-Zahlen, Wut wegen der schleppenden Impfkampagne. Einen Tag nach der Ankündigung weiterer Lockdown-Lockerungen blicken die Verantwortlichen in der Hansestadt Hamburg mit gemischten Gefühlen auf das Infektionsgeschehen. Zwar sank die Zahl der Neuinfektionen am Mittwoch wieder. So wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde nur 49 neue Fälle registriert, was 59 weniger als am Dienstag und 17 weniger als am Mittwoch vor einer Woche waren. Dadurch ging der Inzidenzwert auf 23,7 zurück. Doch die Impfstoff-Knappheit sorgt weiterhin für großen Unmut.

Hamburg:49 neue Corona-Fälle (Mittwoch, 2. Juni 2021)
Niedersachsen:370 neue Corona-Fälle (Mittwoch, 2. Juni 2021)
Schleswig-Holstein:81 neue Corona-Fälle (Mittwoch, 2. Juni 2021)
Mecklenburg-Vorpommern:63 neue Corona-Fälle (Dienstag, 1. Juni 2021)

Allen voran die SPD in der Hamburger Bürgerschaft griff Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) scharf in einer Aussprache zur Corona-Entwicklung an. Die Aufhebung der Impf-Priorisierung bringe nur Wirrwarr in die mühsam erzielten Fortschritte, kritisierte die SPD-Gesundheitsexpertin Claudia Loss. Durch die Ankündigung Spahns würden die Hausärzte überrannt und die Praxen lahmgelegt. „Was für ein Irrsinn. Der Bundesgesundheitsminister chaotisiert mit seinen Ankündigungen und setzt damit den Erfolg der Impfkampagne aufs Spiel.“

Inzidenzwert Hamburg: Corona-Zahlen sinken – aber Streit über Impf-Priorisierung entbrannt

Nach einer Vorgabe der Bundesregierung soll die Priorisierung für die Corona-Impfungen am 7. Juni 2021 aufgehoben werden. Jedoch gibt es derzeit viel zu wenig Impfstoff, um weitere Termine im zentralen Impfzentrum und in den Hausarztpraxen zu vergeben. Zuletzt hatte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sich bei der Bundesregierung beschwert, dass die Hansestadt bei der Belieferung von Impfstoff übergangen werde.

Ist wegen der Aufhebung der Imp-Priorisierung sauer auf Gesundheitsminister Jens Spahn: Melanie Leonhard (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) konnte die Hamburgerinnen und Hamburger am Mittwoch nur um Geduld bitten. Leider könne man noch nicht allen gleichzeitig ein Impfangebot machen, stellte sie vor der Bürgerschaft klar. Denn zur Wahrheit gehöre es, dass in einem Ballungsraum wie Hamburg eben nicht so viel Impfstoff zur Verfügung stände wie vielleicht in anderen Bundesländern. Die Hansestadt liege bei der Verimpfungsquote an der Spitze, bekomme aber bundesweit am zweitwenigsten Impfstoff.

Inzidenz Hamburg: Bei den Corona-Impfungen geht die Hansestadt einen Sonderweg

Vor diesem Hintergrund will die Senatorin in Hamburg deshalb einen Sonderweg einschlagen. Auch wenn bundesweit das langsame Impf-Tempo verteidigt wurde*, soll im Impfzentrum in den Messehallen auch die ursprünglich festgelegte Reihenfolge beibehalten werden – trotz auslaufender Impfpriorisierung. Nur in den Arztpraxen soll die Vergabe der Vakzine freier geregelt werden. Leonhard begründete den Schritt damit, dass es nach wie vor sehr viele Vorerkrankte gebe, die noch nicht zum Zuge gekommen seien. Diese gelte es weiterhin zu schützen.

Derzeit sind in Hamburg Personen aus der Prioritätsgruppe 3 aufgerufen, also Frauen und Männer über 60 Jahre sowie Menschen, die in der kritischen Infrastruktur oder in bestimmten Funktionen im Katastrophenschutz arbeiten. Auf einen schnellen Termin können sie aber nicht hoffen. Am Montag und Dienstag waren 30.000 Termine vergeben worden. Das waren vorerst die letzten für eine Erstimpfung. In den kommenden Wochen wird der Impfstoff nun vor allem für anstehende Zweitimpfungen gebraucht. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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