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Hamburgs CDU nimmt Ex-AfD-Chef auf – „Passt zum Kurswechsel der Partei“

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Von: Kevin Goonewardena

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Der frühere AfD-Fraktionsvorsitzende in der Hamburger Bürgerschaft Jörn Kruse hat seinen Eintritt in die CDU bekannt gegeben. Das gefällt nicht allen.

Hamburg – Der frühere AfD-Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Jörn Kruse ist seit neuestem Mitglied im CDU Kreisverband Nord; CDU-Landeschef Christoph Ploß hatte maßgeblich am Eintritt des ehemaligen Chefs der AfD in Hamburg und Fraktionsvorsitzenden seiner Partei in der Bürgerschaft mitgewirkt. „Die CDU war immer dann erfolgreich, wenn sie christlich-soziale, liberale und konservative Strömungen vereint hat“, kommentiert Ploß die Personalie.

Als einer der Hauptunterzeichner der Wahlalternative 2013, aus der später die AfD hervorging, gehörte Jörn Kruse zu den Gründungsmitgliedern der AfD; trat allerdings aus Protest gegen die Abwahl Parteigründers Bernd Lucke und der damit verbundenen Rechtsverschiebung 2015 von allen Ämtern und Funktionen zurück. Kruse blieb bis 2020 in der Hamburgischen Bürgerschaft, ab 2018 als parteiloser Abgeordneter. Trotz der mehrfach geübten scharfen öffentlichen Kritik Kruses an dem Rechtsruck der AfD gefällt nicht allen in der CDU, dass der ehemalige AfD-Mann Kruse nun das CDU-Parteibuch trägt.

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Name:Jörn Kruse
Geburtstag und -ort:18. Oktober 1948 in Eutin
Mitglied der AfD2013-2018
Ämter:Landesvorsitzender AfD Hamburg, Fraktionsvorsitzender Hamburg

CDU Altona „kein Sammelbecken für ehemalige AfD-Mitglieder“

Nach einem Bericht der Tageszeitung Hamburger Abendblatt hat sich der CDU-Bezirksverband Altona mit großer Mehrheit gegen die Parteiaufnahme des ehemaligen AfD-Funktionärs Jörn Kruse ausgesprochen. Der Verband sieht „die klare Abgrenzungsstrategie zur AfD“ durch die Aufnahme Kruses unterlaufen, heißt es in dem entsprechenden Antrag. Die christlich-demokratische Union sei „kein Sammelbecken für ehemalige AfD-Mitglieder“, Landes-CDU-Chef Christoph Ploß müsse zeitnah eine Sitzung des Landesvorstands einberufen, bei der über den Fall Kruses debattiert werden könne, so die Forderung der Altonaer CDU.

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Auch Fraktionschef Dennis Thering distanziert sich deutlich

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende der Hamburger CDU, Dennis Thering, distanzierte sich deutlich von einer Aufnahme Jörn Kruses. Kruse ließ bereits 2020 in einem Interview durchblicken, dass er sich ein politisches Comeback in einer von Friedrich Merz geführten CDU vorstellen könne. Merz ist seit dem 31. Januar 2022 Bundesvorsitzender der CDU – dieser sprach aber einst von einer Brandmauer gegen die AfD– diese „Brandmauer“ bröckelt nun.

Jörn Kruse, Afd, Politiker, Hamburg
Einst Spitzenkandidat der AfD in Hamburg, jetzt CDU Mitglied: Jörn Kruse. Seine Vergangenheit gefällt auch bei der Union nicht allen. (Archivbild) © Reiner Zensen/Imago

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Thering teilte zur Causa Jörn Kruse mit: „Wir haben als CDU keinerlei Schnittmengen mit der Ex-Partei von Herrn Kruse. Er hat sich mit der AfD während der fortschreitenden Radikalisierung gemein gemacht, sie an führender Stelle in Hamburg über viele Jahre repräsentiert und die immer wieder rassistischen, antisemitischen und antidemokratischen Äußerungen zumindest hingenommen.“ Ein weiterer führender CDU-Funktionär findet: „Die Aufnahme von Kruse passt zum Kurswechsel der Partei“, zitiert die Hamburger Morgenpost den anonymen Parteifreund. Er spricht von einem „Alleingang“ des Hamburger CDU-Chefs Christoph Ploß.

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Christoph de Vries begrüßt Aufnahme Kruses: „Immer gegen ausländerfeindliche Stimmungen klar positioniert“

Andere CDU-Politiker begrüßen hingegen die Parteiaufnahme Kruses, der als Professor unter anderem an der Uni Hamburg, am California Institute of Technology in Pasadena und in Stuttgart lehrte und von 1968 bis 1993 bereits der SPD angehört hatte. Darunter Christoph de Vries, seit 2017 für die Hamburger CDU im Bundestag. De Vries sagte gegenüber dem Abendblatt „Jeder, der seine politische und berufliche Vita etwas kennt, weiß, dass er als Ökonom aus Verdruss über die Euro-Rettungspolitik in die AfD eingetreten ist und sich immer gegen die ausländerfeindlichen Strömungen in seiner Partei klar positioniert hat.“

Das Ziel der CDU sei es, so de Vries, die AfD„politisch zu eliminieren und aus den Parlamenten zu werfen“. Ihmzufolge würde dies allerdings nicht gelingen, wenn man die „Vernünftigen und Geläuterten aus dem demokratischen Parteienspektrum ausgrenzt.“

CDU-Ehrenvorsitzender Fischer: Chance AfD-Protestwähler zurück zu gewinnen

Dirk Fischer, Ehrenvorsitzender der Hamburger CDU und langjähriger Bundestagsabgeordneter (1980-2017), so wie verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion (1989-2014), begrüßt die Parteiaufnahme Kruses ebenfalls und sieht diese als Chance „AfD-Protestwähler zurückzugewinnen.“ Auch hier sei das Ziel, die CDU aus den Parlamenten zu entfernen. „Mit Neonazis und Rechtsextremisten in der AfD wollen wir nichts zu tun haben“, fügt Fischer abgrenzend an.

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