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Bunte Fahrradständer statt Parkplätze: Hamburgs Schlag gegen Autofahrer

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Von: Christian Einfeldt

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Das Bezirksamt Altona will Ottensen zum „autofreien Quartier“ machen. Das Projekt läuft auf Hochtouren – und soll in ganz Hamburg ausgerollt werden.

Hamburg – Bunte Bügel für die Mobilitätswende in Hamburg: Das umstrittene Verkehrsprojekt „Freiraum Ottensen – das autoarme Quartier” wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits stärkt es die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer, gibt Ottensen seine Ruhe zurück und sorgt nicht zuletzt für CO2-Ersparnisse. Kritik gibt es andererseits seit Veröffentlichung der ersten Pläne. Ein Stadtteil ohne Auto-Verkehr? Ob für Anwohner oder Besucher – Zweifel sind nicht unbegründet und dennoch könnten sich schon bald weitere Teile Hamburgs das Projekt zum Vorbild nehmen.

Hamburger Stadtteil:Ottensen
Fläche:2,8 km²
Bezirk:Bezirk Altona
Einwohner:34.904

„Freiraum Ottensen“: Bunte Fahrradständer verdrängen Parkplätze in Hamburg-Altona

Während der S-Bahnhof Hamburg-Ottensen weiter auf sich warten lässt, soll die Anzahl der Autos im Stadtteil schon jetzt sukzessive verringert werden. Parkplätze werden durch „mobile Radabstellanlagen zur freien Nutzung“ ersetzt – so bezeichnete das zuständige Bezirksamt Altona die bunten Fahrradständer in ihrer letzten Pressemitteilung. Die Politik von Altona möchte den Radverkehr stärken – aus Gründen des Klimaschutzes sowie der Sicherheit der Fahrradfahrer und Fußgänger.

Damit reiht sich das Projekt „Freiraum Ottensen“ nahtlos an die Rad-Revolution auf der Reeperbahn oder Hamburgs sicherstem Radweg, der sich aktuell im Bau befindet. In Ottensen ist die Installation der Fahrradständer erst seit Anfang November im vollen Gange. Befürwortet von der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende zieren sie schon bald ganz Ottensen. Zunächst werden sie nur an bestimmten Stellen angebracht. Dann dauerhaft, doch nur da, wo die Zeit zeigt, dass Fahrradständer auch wirklich gebraucht werden. Gewissermaßen markiert der November also die „Testphase“. Und das Vorhaben könnte Schule machen. Wie die Stadt Hamburg berichtet, könnten im Jahr 2023 auch andere Stadtteile Hamburgs zum Wohl der Fahrradfahrer bunt werden.

„Freiraum Ottensen“: Bunte Fahrradständer als Ausdruck der Mobilitätswende in Hamburg-Altona.
„Freiraum Ottensen“: Bunte Fahrradständer als Ausdruck der Mobilitätswende in Hamburg-Altona. © Bezirksamt Altona/freiRaum Ottensen und Westend61/Imago

Holpriger Start fürs „autofreie Quartier“: Hamburger Verwaltungsgericht lehnte Projekt zunächst ab

„Freiraum Ottensen“ weiß um die Innovation des Projektes und sammelt auf dessen Internetseite Anregungen, um zu einer Verbesserung des Projektes beizutragen. Inwiefern sich das tatsächliche Maß des Entsetzens jedoch für so manche überhaupt in Worten ausdrücken lässt, ist fraglich. Die Vorbereitungen zum „autofreien Quartier“ Ottensen laufen – dabei hätte der Start wohl kaum holpriger sein können. Erst wenige Wochen ist es her, dass das Bezirksamt Altona nach eigenen Angaben einen „kleinen Rückschlag“ hinnehmen mussten.

Nach NDR-Berichten fanden Planungen zur Umsetzung des Projektes bereits in der Großen Brunnenstraße ihre Sackgasse. Der Forderungen von „Freiraum Ottensen“ wurde zunächst nicht entsprochen. Zufolge des Hamburger Verwaltungsgericht wäre die Argumentationsgrundlage schlichtweg zu dünn gewesen. Warum müsse Ottensen jetzt zum „autofreien Quartier“ werden? Für die Verantwortlichen konnte die Frage nicht lückenlos geklärt werden.

„Grund mehr für mich, Ottensen zu meiden“: Hamburger Verkehrsprojekt polarisiert

Es ist offensichtlich: Das Hamburger Projekt, das unter anderem plant, den Abschnitt zwischen Bahrenfelder Straße und der Ottenser Hauptstraße weitestgehend vom Kfz-Verkehr zu trennen, polarisiert. Interne Streitigkeiten führten bereits dazu, dass die Bürgerinitiative „Ottensen bewegt“ dem Projekt den Rücken zugekehrt hatte. Sie hatten das Gefühl, dass Hamburgs Bevölkerung nur wenig in die Pläne involviert gewesen sei. Übrigens wollen SPD und Linke in Ottensen auch dem Kopfsteinpflaster an den Kragen.

Das drückt sich auch im Unmut vieler Facebook-Kommentare aus. So etwa unter einem Facebook-Post der Hamburger Morgenpost, der das Vorhaben des Bezirksamtes Altona im Februar erklärt hatte. In den Kommentaren sammeln sich die Pros und Contras der Diskussion – überwiegend herrscht jedoch Unverständnis. Eine Userin schreibt etwa: „Ein Grund mehr für mich, Ottensen zu meiden. Wo ich mit dem Auto nicht gut parken kann, fahre ich einfach nicht mehr hin. Fertig.“ Ob ernst gemeint oder nicht: An anderer Stelle fordert ein anderer Facebook-User sogar Parkgebühren für Fahrradfahrer.

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Geht es um das geliebte Auto, werden Debatten schnell emotional geführt. Zuletzt mündete das darin, dass Altonaer Kinderkrankenhaus Hamburger Innenbehörde wegen Anwohnerparkplätzen verklagt hatte. Eine andere Perspektive zeigt hingegen folgender Kommentar: „Ich als Ottensener freue mich darüber. Im Kern von Ottensen ist eh kaum Platz für Autos und dort zu fahren ist schon ziemlich nervtötend“. Das Projekt des „autofreien Quartiers“ polarisiert – das zeigen die Kommentare eindrucksvoll – doch könnte tatsächlich auch Vorteile mit sich bringen – ob für Handwerker oder Lieferanten.

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