Buchpreisträger wird Kinderbuch-Autor

Saša Stanišić: Der Buchpreisträger schreibt Kinderbuch gemeinsam mit seinem Sohn

Das Buchcover des Kinderbuches  „Hey, hey, hey, Taxi!“ von Hamburger Autor Saša Stanišić
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Hamburger Buchpreisträger Saša Stanišić veröffentlicht erstes Kinderbuch „Hey, hey, hey, Taxi!“

Der Buchpreisträger Saša Staniši hat sein erstes Kinderbuch geschrieben: „Hey, hey, hey, Taxi!“ heißt das Werk des Hamburger Autoren, Co-Autor ist sein sechsjähriger Sohn.

Hamburg - von Christiane Bosch. Der Hamburger Schriftsteller Saša Stanišić hat sich für sein neues Buch wieder auf Reisen begeben. Diesmal jedoch führen die literarischen Pfade den 42-Jährigen nicht in seine Vergangenheit oder seine Heimat. Stattdessen reist der Träger des Deutschen Buchpreises mit einem Taxi aus Käse auf den Mond, mit einem sehr kleinen Riesen in die Wälder und mit einem unter Stanišić Motorhaube Motorgeräusche machenden Motormann zum Schuster.

Buchpreisträger Saša Stanišić hat mit seinem Sohn ein außergewöhnliches Kinderbuch erdacht

Stanišićs heute sechsjähriger Sohn ist Co-Autor des bunten Buches: Für ihn hatte sich der Autor vor fast zwei Jahren zum ersten Mal die kreativen Geschichten um spießige Piraten, traurige Giraffen und Gurkenampeln ausgedacht. Das Vater-Sohn-Duo ersann an vielen weitere Tagen und Abenden neue Reise-Abenteuer, mit immer neuen Figuren und verrückten Taxifahrten. Das verbindende Element ist immer, dass der Ich-Erzähler in ein Taxi steigt, Außergewöhnliches erlebt und am Ende stets nach Hause zurück kommt - „zurück zu dir“.

Saša Stanišić stellt bereits eine Fortsetzung des außergewöhnlichen Kinderbuch-Projekts in Aussicht

.2019 fing der Autor an, die absurden wie faszinierenden Abenteuer dieser wahrhaft fiktiven Helden aufzuschreiben - allerdings nur, wenn sein Sohn sie für gut genug hielt. Nun erscheint „ein Bruchteil der vielen Geschichten“ als ein Vorlesebuch. Beim Ausdenken hat sich Stanišić auch von bosnischen und deutschen Mythen und Märchen inspirieren lassen. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen. „Total gerne. Ich würde mich freuen. Aber das warten wir mal ab.“

 „Total gerne. Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen. 

Saša Stanišić

Zu Beginn sei ihm das spontane Erfinden nicht leicht gefallen, gibt der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller unumwunden zu. «Aber mit der Zeit war das Erzählen wie eine Art Training. Je mehr Zeit vergangen ist, desto leichter konnte ich neue Motive und Figuren erschaffen.»

Ursprünglich war das Projekt nicht für den Buchmarkt bestimmt. «Ich habe lange gar nicht über eine Veröffentlichung nachgedacht, das Erzählen fand ja nur zwischen meinem Sohn und mir statt. Da er das so gut fand, dachte ich aber auch irgendwann, dass es andere Kinder auch gut finden könnten.» Dennoch sei das Buch sehr persönlich: «Ein Artefakt der Verbindung zwischen mir und meinem Sohn.» Er habe es als Vater und nicht als Literaturpreisträger geschrieben.

Bebildert hat das neue Kinderbuch von Saša Stanišić die Berliner Illustratorin Katja Spitze

Das Kinderbuch wird von ebenso bildstarken wie farbintensiven Zeichnungen der Berliner Illustratorin Katja Spitzer - der Favoritin seines Sohnes - begleitet und teilweise auch dominiert. Mit voller Absicht. «Die Entwürfe waren so super. Die sollten nicht einfach nur klein unten rechts an der Ecke stehen. Wir haben deshalb einfach ein paar Seiten mehr eingeplant, damit sie mehr Platz für ihre Illus hat. Und wir sind alle total froh über das Ergebnis.»

Wenn Stanišić sich was wünschen dürfte, dann sollte «Hey, hey, hey, Taxi!» auch andere Eltern inspirieren und sie mit ihren Kindern auch in kreativer Weise zusammenbringen. Er hofft, dass sie die Geschichten nehmen, sie zerpflücken, mit Freude neu zusammensetzen und eigene persönliche Elemente dazubauen. «Eignet euch die Geschichten so an, dass ihr eure Lebenswirklichkeit und eure Berufe einbaut», so Stanišić. Ähnlich formuliert er das auch in seinem Vorwort.

Hamburger Buchpreisträger Saša Stanišić möchte mit seinem Kinderbuch andere Eltern inspirieren, gemeinsam mit ihren Kindern kreativ zu werden.

Dass die «Taxi»-Geschichten keine stringente, klassische Erzählweise haben, ist Stanišić natürlich bewusst. «Das war am Ende auch das große Wagnis. Wie werden die abschweifenden, gelegentlich nicht pointierten und chaotischen Abenteuer ankommen, wenn man sie sich nicht selbst ausgedacht hat?», habe er sich oft gefragt. Man müsse sich auch darauf einlassen, dass Manches in angenehmer Weise unbegreiflich bleibe.

Das Buch mit den 28 Geschichten wird schon aufgrund des berühmten Autors seine Abnehmer finden. Und es wird Eltern geben, die mit den abgedrehten Geschichten und Stanišićs Worterfindungen nichts anfangen können. Genauso aber werden Kinder beim Lesen und Vorlesen von «Hey, hey, hey, Taxi!» fasziniert in die einer zutiefst kindlichen Fantasie entsprungenen Welt eintauchen können und genau über diese Wortschöpfungen kichern. (dpa)

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