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Brandbrief der UKE-Pflegekräfte in Hamburg: Sie stoßen an ihre Belastungsgrenze

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Von: Robin Dittrich

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Pflegekräfte des UKE in Hamburg kommen mit der Betreuung von Patienten offenbar nicht mehr hinterher. Das kritisieren sie jetzt in einem offenen Brief.

Hamburg – Die Lage ist ernst: Pflegekräfte im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf wenden sich mit einem Brandbrief an ihre Vorgesetzten. Darin prangern sie an, zu viele Patienten pro Pfleger zu haben. Das kann fatale Folgen haben – insbesondere in der Intensiv-Medizin. Auch gesetzliche Grenzen müssen eingehalten werden.

Einrichtung:Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Gründung:19. Mai 1989
Betten:1738
Mitarbeiter:14.100

Pflegepersonal im UKE prangert Arbeitsbedingungen mit offenem Brief an

In einem Brandbrief, der dem NDR vorliegt, kritisieren sie die Arbeitsbedingungen im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf scharf. Konkret geht es insbesondere um die Anzahl der Patienten pro Pflegekraft, die soll laut der Pfleger zu hoch sind. Nach der 2019 in Kraft getretenen Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) darf ein Pfleger in der Intensivmedizin in der Tagschicht maximal 2,5 und in der Nachtschicht 3,5 Patienten versorgen.

Das Pflegepersonal der Intensivmedizin prangert ihre Chefs des UKE Hamburg an – mit einem Brandbrief. Hier eine Demonstration aus dem März 2022.
Das Pflegepersonal der Intensivmedizin prangert ihre Chefs des UKE Hamburg an – mit einem Brandbrief. Hier eine Demonstration aus dem März 2022. © Hanno Bode

Laut den Pflegern des UKE müssen sie sich im Klinikum in Hamburg normalerweise um drei Patienten kümmern und nicht um zwei – und das dauerhaft. Das Pflegepersonal prangert an, dass eine hundertprozentige Versorgung aller Patienten auf Dauer nicht garantiert werden kann. Demnach kann es vorkommen, dass die Pfleger zu wenig Zeit für eine Wundversorgung haben, weil zwei weitere Patienten warten. Studien ergaben zudem, dass Pflegekräfte in der Hansestadt Hamburg deutlich häufiger krankgeschrieben werden müssen als andere Berufsgruppen.

UKE reagiert auf Brandbrief – werden Intensivbetten weiter reduziert?

Gemäß einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) sind Hamburger Pflegekräfte im Jahr 2021 durchschnittlich 23,2 Tage krankheitsbedingt ausgefallen. Der Durchschnitt von Hamburger Erwerbstätigen liegt bei lediglich 14,1 Tagen. Schuld sind keineswegs Ansteckungen: häufig geht es um psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Beschwerden. „Pflegekräfte haben eine überdurchschnittlich hohe Arbeitsbelastung“, sagte Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, dazu.

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Das UKE antwortete bereits auf die Anschuldigungen der schlechten Arbeitsbedingungen. Demnach wurde die Anzahl der Betten schon von 117 im Jahr 2019 auf 85 reduziert. Das scheint den Pflegekräften noch nicht zu reichen. Schon zu Beginn des Jahres und im Jahr 2021 streikten rund 150 Pflegekräfte vor dem UKE für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Versorgung der Patienten. Deniz Celik, Fachsprecher der Linken für Gesundheit in der Hamburger Bürgerschaft, äußerte sich damals zu der Situation. Demnach haben sich „die Gefährdungsanzeigen in der Intensivstation im UKE seit 2021 mehr als verdoppelt.“

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Eine solche Anzeige geht ein, wenn ein Beschäftigter einer zu hohen Belastung ausgesetzt ist und sich demzufolge nicht mehr ausreichend um Patienten kümmern kann – für die wird das zur Gefahr. „Viele Pflegekräfte haben bereits gekündigt und 28 Betten wurden gesperrt“, sagte Celik damals. Viel ist seitdem wohl nicht passiert, zumindest nicht genug. Die Reduzierung der Betten sind nach Celik eher auf das Kündigen vieler Pfleger zurückzuführen. Ob das UKE in Hamburg-Eppendorf jetzt handelt, wird sich zeigen – die Gespräche laufen.

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