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Booster-Impfungen in Hamburg: Im Januar wird‘s richtig knapp – was jetzt tun?

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Von: Kevin Goonewardena

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Karl Lauterbach sorgt mit neuen Aussagen zum Impfstoffmangel für Aufsehen. Das ist der Grund für die Knappheit und so soll jetzt entgegengesteuert werden.

Hamburg – Deutschland steckt mitten der vierten Corona-Welle, die gefährliche Omikron-Variante ist schon länger hierzulande und auch in Hamburg angekommen und die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür. Alles Gründe warum sich immer mehr Menschen impfen lassen und sich die Booster-Impfung, Zweitimpfung oder die allererste Coronaschutzimpfung abholen.

Ein „Aufstand der Anstehenden“ sei im Gange, schreibt es die Taz und nennt Zahlen: 900.000 Menschen werden in Deutschland täglich gegen das Coronavirus geimpft. Deutlich mehr, als die, die im Netz oder auf der Straße gegen die Impfung anschreien. Doch reicht der Impfstoff überhaupt, um die ehrgeizigen Ziele zu erfüllen? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagt ‚Nein‘.

Gesamtzahl verabreichter Corona-Impfungen in Hamburg:3.140.080 Impfungen (alle Zahlen RKI, Stand 15. Dezember 2021)
Davon verabreichte Erstimpfungen:1.445.941 Impfungen
Davon verabreichte Zweitimpfungen:1.402.347 Impfungen
Davon verabreichte Booster-Impfungen:396.695 Impfungen
Impfquote Hamburg (und Gesamtdeutschland):78,1 Prozent (72,8 Prozent)

Booster-Impfung in Hamburg: Gesundheitsminister Lauterbach selbst überrascht von Impfstoff-Mangel

Am Dienstagabend hatte sich der SPD-Politiker Lauterbach in den Tagesthemen zu den Vorräten an Biontech, Moderna und Co geäußert.

In der Tat, wir haben zu wenig Impfstoff.

Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

Und eingeräumt, selbst überrascht zu sein, dass eben jene Vorräte an Vakzine nicht ausreichen würden, um die selbst gesteckten Impfvorgaben zu erfüllen. Lauterbach musste sich dafür harsche Kritik gefallen lassen. Ein Sprecher des Ministeriums wiederholte laut Hamburger Abendblatt die Aussagen seines Chefs am Mittwoch. Eine Inventur habe ergeben, so der Sprecher, dass es im ersten Quartal 2022 bei gleichbleibendem Impftempo zu Engpässen kommen könnte.

Und auch für Hamburg bestätigte die Gesundheitsbehörde von Senatorin Melanie Leonhard auf Mopo-Nachfrage, dass der Hansestadt viel weniger Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen würde, als für die Booster-Impfungen benötigt werde. Dabei hatte die Senatorin erst kürzlich einen Drei-Schritte-Plan für Booster-Impfung in der Hansestadt vorgestellt. Die dortigen Ideen wurden mittlerweile sogar erweitert, beispielsweise sollte es zukünftig in Hamburg auch möglich sein, sich in Apotheken impfen zu lassen.

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Booster-Impfung: So viel Impfstoff fehlt in Deutschland

Unklar ist, wie viel Impfstoff ab Januar fehlen könnte. Den zu erwartenden Mehrbedarf will jetzt das Gesundheitsministerium prüfen. Unabhängig davon will die Bundesregierung kurzfristig über EU-Verträge rund 80 Millionen Impfdosen von Biontech kaufen, schreibt das Hamburger Abendblatt. Kostenpunkt: Rund 2,2 Milliarden Euro. Dazu noch weitere 12 Millionen Dosen direkt beim Hersteller. Die Mittel für den Ankauf wurden vom Bundestag bereits bewilligt.

Schon vorab war es vermehrt zu Kritik an der Zuteilung der Impfstoffe gekommen, so zum Beispiel von Jana Husemann, Vorsitzende des Hamburger Hausärzteverbandes. Das Verhalten des damaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn kritisierte sie in der Vergangenheit mit „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“ sei und forderte ihn auf, dass „unnötige Chaos“ bei der Zuteilung zu beenden.

Impfstoff-Mangel und die Folgen für Norddeutschland – Impfungen bald priorisiert?

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch äußerte sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) besorgt über den wahrscheinlich eintretenden Mangel an Impfdosen, sagte aber auch, dass sich die Menschen zumindest bis Jahresende keine Sorgen machten müssten. Der Grund: Erst am Vortag sei eine Sonderlieferung über 300.000 Dosen des Biontech-Impfstoff eingetroffen, die jetzt im Land verteilt werde. Währenddessen warnen Immunologen vor einer zu frühen Booster-Impfung.*

Ihr Schleswig-Holsteinischer Amtskollege Heiner Garg (FDP) sprach gegenüber dem NDR von „Bemühungen in alle Richtungen“, sagte aber auch, dass, wenn diese Scheitern würden müsse man sich eventuell überlegen, „ob man beispielsweise wieder priorisiert“ um die besonders gefährdeten Gruppen zu schützen.

Impfstoff-Mangel in Hamburg: Müssen Termine im Januar abgesagt werden?

Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) zeigte sich gegenüber des Norddeutschen Rundfunks zuversichtlich, dass erst einmal keine Impftermine in der Hansestadt abgesagt werden müssten. Leonhard, so schreibt es der Sender auf seiner Website, verfolge bis auf Weiteres die Strategie, Impflücken zu schließen. Das bedeutet, Ungeimpften eine Impfung schmackhaft zu machen. Ihrer Meinung nach habe das Priorität, so der Sender. Danach sollen die Bürger die Booster-Impfungen erhalten, deren Zweitimpfung schon sechs beziehungsweise im Fall von über 60-jährigen fünf Monate zurück liegt. Führte aber weiter aus:

 „Das kann auch heißen, dass manche Menschen bei den städtischen Angeboten einen Augenblick länger warten müssen.“

Melanie Leonhard, Gesundheitssenatorin Hamburg

Impfstoff-Mangel: Wer ist schuld an zu wenig Corona-Impfstoff?

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, spricht bei der Pressekonferenz zur aktuellen Coronalage und dem weiteren Vorgehen bei den Impfungen.
Karl Lauterbach ist der Gesundheitsexperte der SPD. © Michael Kappeler/dpa

Wie die Bild-Zeitung berichtet, liegt der Grund für den Impfstoff-Mangel daran, dass der damals noch amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Herbst eine Option hat verstreichen lassen, mehrere Millionen Dosen von Biontech zusätzlich bestellen zu können. Diese hätten im Januar 2022 geliefert werden können. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hätte sich nicht für die Beschaffung von zusätzlichen Impfdosen eingesetzt.

Lauterbach Impfstoff Aussagen: Kritik von allen Seiten

Die Opposition kritisierte Lauterbach für seine Aussagen. Lauterbach würde „Feuer“ rufen, um dann selbst Feuerwehr spielen zu können, hieß es aus der Union. Auch vom Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, kam Kritik an Lauterbachs Öffentlichkeitsarbeit, berichtet das Abendblatt. Der Funke Gruppe, zu der die Zeitung gehört, sagte Weigeldt „Die einen bekommen Angst, dass sie nicht mehr geboostert werden können“ und „die anderen nehmen Abstand von der Impfung, weil sie das Gefühl haben, es bringt nichts, sich darum zu bemühen.“

Lauterbach: Keine Kritik an Spahn - Corona-Impfstoff aus Osteuropa soll jetzt helfen

Lauterbach selbst sagte, dass seine Aussagen nicht als Kritik an Jens Spahn gemeint seien. Impfstoff gegen das Coronavirus sei ganzjährig dagewesen, nur für eine schnelle Booster-Kampagne eben nicht. Er wolle sich nun bemühen Corona-Impfstoff in Osteuropa* zurück zu kaufen, so Lauterbach weiter. Lauterbach und RKI-Präsident Wieler wollen sich heute gegenüber der Presse zu der Problematik äußern*, wie unter anderem der Münchner Merkur berichtet. *24hamburg.de , kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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