Böse Überraschung

Steuernachzahlung ans Finanzamt: Kurzarbeiter müssen kräftig blechen

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Die Kurzarbeit hat in der Corona-Krise viele Jobs gerettet. Doch jetzt folgt das böse Erwachen. Zahlreiche Kurzarbeiter müssen Steuernachzahlungen abdrücken.

Berlin – Viel Frust und Ärger bei den Kurzarbeitern: Vielen Beziehern der staatlichen Leistung droht in diesem Jahr eine kräftige Steuernachzahlung. Deshalb wird die Kritik an der Bundesregierung immer lauter. So warfen Lohnsteuerexperten der Großen Koalition mangelnde Aufklärung vor. Der Bezug und die Versteuerung von Kurzarbeitergeld* sei ein „hochkomplexer Vorgang“, sagte Steuerrechtsexpertin Sandra Inioutis dem Portal tagesschau.de. Offizielle Stellen hätten „deutlicher“ darauf hinweisen müssen, dass zum Ende des Steuerjahres 2020 zum Teil kräftige Nachforderungen vom Finanzamt eintrudeln könnten.

Höhe des Kurzarbeitergeldes: in der Regel 60 Prozent des Netto-Entgelts
Dauer des Bezugs:maximal 24 Monate
Erleichterter Zugang bis zum:31. Dezember 2021

Eigentlich ist das Kurzarbeitergeld eine gut gemeinte Sache. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung den Zugang zu dem arbeitsmarktpolitischen Instrument vereinfacht. Statt Arbeitnehmer in Hartz-IV abrutschen zu lassen, sollten Unternehmen dabei unterstützt werden, Jobs zu retten, statt sie abzubauen. Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung den vereinfachten Bezug zum dritten Mal in Folge bis zum September 2021 verlängert.

Kurzarbeitergeld: Viele Beschäftigte müssen für das Jahr 2020 viele Steuern nachzahlen

So weit, so gut. Dennoch reiben sich viele Kurzarbeiter in diesen Tagen verwundert die Augen. Denn nach Abgabe der Steuererklärung, für die bestimmte Fristen zu beachten sind, bekommen sie häufig statt einer erhofften Rückerstattung eine Zahlungsaufforderung. Denn die alte Regel, dass man als Beschäftigter immer etwas zurückbekommt, gilt nicht immer.

Opfer der Corona-Pandemie: Insbesondere in der Gastronomie waren viele Angestellte von Kurzarbeit betroffen.

Grundsätzlich ist das Kurzarbeitergeld steuerfrei. Trotzdem können Nachzahlungen anfallen. Zwar muss man auf das eigentliche Kurzarbeitergeld keine Abgaben entrichten, aber die Summe unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass das Kurzarbeitergeld den Steuersatz für die übrigen Einkünfte erhöht.

„Das trifft vor allem die Empfänger, die nicht zu 100 Prozent in Kurzarbeit geschickt wurden, sondern nur zum Teil“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine, Uwe Rauhöft, gegenüber tagesschau.de. Über das Jahr gerechnet hätte diese Personengruppe dann zu wenig Lohnsteuer gezahlt. Bei der Steuererklärung, die jeder abgeben muss, der mehr als 410 Euro verdient hat, falle das auf – und werde dann glattgezogen. Dabei können die geforderten Summen mitunter auch mal vierstellig werden, wie es hieß.

Steuernachzahlung an das Finanzamt: 2,6 Millionen Menschen waren zuletzt in Kurzarbeit beschäftigt

Wie viele Kurzarbeiter jetzt Steuern nachzahlen müssen, ist unklar. Doch laut den Lohnsteuerexperten werden es keine Einzelfälle sein. Mehrere Millionen Arbeitnehmer haben seit Beginn der Pandemie Kurzarbeitergeld bezogen. Laut aktueller Hochrechnung der BA waren es im März noch ungefähr 2,6 Millionen. Rund 135.000 Kurzarbeiter mussten dabei ihre Leistungen zusätzlich auch mit Hartz-IV aufstocken, wie kürzlich die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete. Vor allem in der Hotel- und Gastro-Branche, aber auch im Einzelhandel waren viele Mitarbeiter im vergangenen Jahr in die Kurzarbeit geschickt worden.

Dennoch sieht Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) das Kurzarbeitergeld als Erfolg an. Damit habe man grundsätzlich „Millionen Arbeitsplätze“ durch die Krise gebracht und abgesichert, betonte er kürzlich bei der Verlängerung der Kurzarbeiterregeln* im Deutschen Bundestag. Es sei wichtig gewesen, dass die deutsche Wirtschaft im Lockdown keinen Arbeitsplatzabbau betreiben musste. Nun könne sie unverändert auf wichtige Fachkräfte zurückgreifen und mit dem Ende der Pandemie wieder voll durchstarten.

Das wäre zumindest für einige Arbeitnehmer ein Hoffnungsschimmer. Dann wäre die unliebsame Nachzahlung vielleicht tatsächlich nur eine einmalige Sache. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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