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Andy Grote warnt vor Cyber-Angriff: Was, wenn Hacker-Anrgriff für Blackout sorgt?

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Von: Jan Knötzsch

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Der Ukraine-Krieg ist geografisch weit entfernt. Und doch ist er Hamburg nahe. Nicht nur wegen der Solidarität der Hansestadt. Auch wegen möglichen Hacker-Attacken.

Hamburg/Kiew – Der Ukraine-Krieg tobt. Seit Donnerstag, 24. Februar 2022. (Noch) unaufhörlich. Unerbittlich. Niemand weiß, wie lange. Und spätestens, seit Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hat, ist die Angst vor einer noch großen Eskalation und einem Weltkrieg gewachsen und um einiges mehr greifbar. Noch ist es freilich nicht so weit. Doch auch in Hamburg ist der Ukraine-Krieg längst angekommen, steht quasi vor der Haustür. Nicht nur, wegen der Solidarität der Hansestadt Hamburg mit der Ukraine. Oder wegen der Flüchtlinge aus der Ukraine, die bereits in Hamburg angekommen sind.

Nein, da wäre auch noch die Verbindung Hamburgs zur Ukraine durch den Ex-Wahl-Hamburger Vitali Klitschko, der zuletzt ein eindringliches Video veröffentlicht hat. Und darüber nachdenkt, im Ukraine-Krieg selbst zur Waffe zu greifen. Und: Die Bedrohung durch Cyber-Attacken Russlands in Hamburg. Was droht uns bei Hacker-Angriffen? Wie gut ist Hamburg auf einen möglichen Blackout vorbereitet?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1.852.478
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Ukraine-Krieg: Hacker-Angriffe in Hamburg – Innensenator Andy Grote sieht Cyber-Attacken als „sehr reale Gefahr“

So unreal die Gefahr erscheint, weil sie sich niemand in Hamburg bislang so richtig vorstellen kann, so nah und denkbar ist sie. Die Möglichkeit von Cyber-Angriffen ist laut Andy Grote eine „sehr reale Gefahr“. Das hat der Innensenator bereits am Donnerstag, 24. Februar 2022, klar gemacht – und zwar im Rahmen einer Pressekonferenz im Hamburger Rathaus, in der Peter Tschentscher (SPD) sich erstmals zum Ukraine-Krieg geäußert hatte und von einem „schwarzen Tag“ für Europa sprach. Und: Hamburgs Erster Bürgermeister hat Andy Grote damit beauftragt, einen Krisenstab einzurichten. Die Hansestadt Hamburg will gewappnet sein, wenn etwas passiert.

Im Hintergrund das Hamburger Rathaus. Auf einem kleinen Foto im oberen rechten Bildrand: Ein Laptop-Bildschirm und Hände, die auf der Tastatur tippen.
Kilometerweit entfernt von Hamburg tobt der Ukraine-Krieg – doch der Hansestadt droht Gefahr: durch russische Cyber-Attacken. (24hamburg.de-Montage) © Silas Stein/Westend61/imago

Besagter Krisenstab beschäftigt sich intensiv mit Cyber-Attacken. Mit möglichen Hacker-Angriffen von Russland aus, die in Hamburg zum Blackout führen könnten. Einem Blackout, wie er in Deutschland schon zuletzt als die wahrscheinlichste aller Katastrophen vorhergesagt wurde – da allerdings mit dem Verweis auf die Beteiligung des Klimawandels. Jetzt ist die Gefahr durch den Ukraine-Krieg anderer Gefahr. Aber nicht geringer. Nein, eher größer. „Wir sind im engen Kontakt mit den Institutionen und Einrichtungen der Cyber-Abwehr auf Bundesebene. Wir tun alles, um uns da gut aufzustellen“, sagt Andy Grote, der zudem vor Konfliktpotenzial durch pro-russische Corona-Kritiker warnt.

Innensenator Andy Grote warnt vor Panik wegen möglicher Hacker-Attacken auf Infrastruktur in Hamburg

Bei möglichen Hacker-Angriffen auf Hamburg während des Ukraine-Kriegs gehe es vor allem um Cyber-Attacken auf die kritische Infrastruktur – also „Versorgungsunternehmen, Strom oder Wasser. Es kann auch Kommunikation sein“, sagt Andy Grote. Hamburgs Innensenator betont zudem, mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen im Bund und in den Ländern wegen eben dieser Gefahr in einem engen Austausch zu stehen. „Wichtig ist, zu wissen, dass nichts von den Risiken, die wir beschrieben haben, auch eintreten muss. Niemand muss in Panik verfallen“, mahnt Grote zu Besonnenheit. Weil er genau weiß, was los ist, wenn der Blackout durch Cyber-Attacken eintritt?

Wichtig ist, zu wissen, dass nichts von den Risiken, die wir beschrieben haben, auch eintreten muss. Niemand muss in Panik verfallen.

Hamburgs Innensenator Andy Grote zu möglichen Cyber-Attacken auf Hamburg

Ein Hacker-Angriff auf das Stromnetz könnte beispielsweise einen großen Schaden hervorrufen – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich: Von möglichen Plünderungen, einem öffentlichen Chaos wegen fehlendem Strom bis hin zu Hamsterkäufen, wie es sie in den schlimmsten Zeiten der Coronavirus-Pandemie gab, scheint alles denkbar. Zumindest in der Theorie. Und, dass es aus selbiger gar nicht weit bis zur Realität ist, zeigen die Jahre 2015 und 2016, als Hacker mit ihren Cyber-Angriffen in der Ukraine die Stromversorgung lahmlegten und rund 700.000 Haushalte ohne Strom waren in dem Land, dem Hamburger jetzt helfen können.

Cyber-Attacken durch Hacker-Angriffe: Bereits seit Jahren gibt‘s Warnungen – Russland schlägt schon im Januar 2022 in der Ukraine zu

Bereits vorm Ukraine-Krieg, so berichtet es das ZDF, habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) immer wieder vor Cyber-Angriffen auf zum Beispiel Energieversorger gewarnt. Und steht damit nicht allein dar. Laut „Tagesspiegel“ hat Christoph Unger, damals Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, schon im Juni 2020 gewarnt, dass bei einem Blackout „in ein, zwei Tagen Chaos ausbricht“. Kein Wunder, wenn die Bevölkerung ohne Strom zitternd in den Wohnungen sitzen müsste, sich Einbrüche in der Dunkelheit häufen oder aber in Krankenhäusern, die von der Coronavirus-Pandemie eh bereits belastet sind, plötzlich Notbetrieb herrschen würde.

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Dass ein Blackout durch russische Hacker-Angriffe tatsächlich im Bereich des Möglichen ist, zeigt auch, dass am 13. Januar 2022 laut „Tagesspiegel“ Hacker Dutzende Websites der ukrainischen Regierung lahmlegten. Auf den Monitoren erschien die Drohung, „Ukrainer! All eure persönlichen Daten wurden gelöscht und können nicht wieder hergestellt werden. Alle Informationen über euch sind veröffentlicht, habt Angst und rechnet mit dem Schlimmsten.“ Müssen auch Deutschland und damit Hamburg im Ukraine-Krieg nun mit dem Schlimmsten durch solche Cyber-Angriffe rechnen?

Cyber-Angriff durch russische Hacker-Attacken in Deutschland – für so wahrscheinlich hält Experte Blackouts

Er halte einen offenen Cyber-Angriff offizieller russischer Akteure auf Deutschland oder Europa für eher unwahrscheinlich, sagt Christian Reuter, Universitätsprofessor am Lehrstuhl Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit an der Technischen Universität Darmstadt gegenüber fr.de*. Cyber-Angriffe auf Deutschland könnten laut Reuter „die mutwillig herbeigeführte Überlastung von Webservern oder die Verunstaltung oder Veränderung von Websites“ umfassen, aber eben auch den Versuch, wichtige IT-Systeme oder gar kritische Infrastrukturen anzugreifen.

Kleine Wasserwerke oder lokale Strom- oder Kommunikationsversorger haben natürlich nicht die gleichen Kapazitäten, da vorzusorgen.

Christian Reuter, Professor am Lehrstuhl Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit an der TU Darmstadt

Welchen wirtschaftlichen oder infrastrukturellen Schaden ein solcher Cyber-Angriff durch eine Hacker-Attacke haben könnte, sei „schwer abzuschätzen. „Was man sagen kann, ist, dass die großen Versorgungsunternehmen der kritischen Infrastruktur heute gut geschützt sind, denn sie haben finanzielle und personelle Ressourcen für eine aufwendige IT-Sicherheit“, so Reuter gegenüber fr.de. Dennoch: „80 Prozent der kritischen Infrastruktur in Deutschland“ seien kleine mittelständige Unternehmen: „Kleine Wasserwerke oder lokale Strom- oder Kommunikationsversorger haben natürlich nicht die gleichen Kapazitäten, da vorzusorgen ...“ * 24hamburg.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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