1. 24hamburg
  2. Hamburg

Bis zu 180.000 Mietpreiserhöhungen in Hamburg – das können Mieter jetzt tun

Erstellt:

Von: Robin Dittrich

Kommentare

Bis zu 180.000 Hamburger Haushalte könnten mit einer Mieterhöhung konfrontiert werden. Viele stimmen der einfach zu, ohne ihre eigenen Rechte zu kennen.

Hamburg – Gerade erst in eine neue Hamburger Wohnung gezogen und schon steht der Vermieter mit einer Mieterhöhung vor der Tür. Doch ist das rechtens? In jedem Fall sollten Sie das selbst herausfinden oder überprüfen lassen. Denn obwohl der Hamburger Mietenspiegel in jedem Jahr steigt, muss einer Erhöhung nicht zwingend zugestimmt werden. Denn auch der Mieter hat Rechte. Wir zeigen, wie Sie sich gegen eine Anhebung der Miete wehren können. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die verdoppelt.

Stadt:Hamburg
Einwohner:1,841 Millionen (2019)
Wohnungen in Hamburg:ca. 563.000
Mieterhöhungen seit 2019:bis zu 10,6 Prozent

Mieterhöhungen in Hamburg bis zu 10,6 Prozent – Sie müssen nicht zustimmen

Insbesondere Anfang des Jahres erhalten viele Mieter in Hamburg einen Brief. Darin teilt der Vermieter mit, die Miete anheben zu müssen. Begründet wird das meist mit dem Mietenspiegel, der seit der letzten Erhöhung stark gestiegen ist. Der Mietenspiegel vergleicht von Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage ähnliche Wohnungen miteinander und erstellt so eine ortsübliche Vergleichsmiete. In vielen Vierteln Hamburgs muss mit einer Erhöhung gerechnet werden, da der Mietenspiegel seit Beginn der Erhebung 1976 immer weiter steigt. Es gibt jedoch auch noch günstige Wohnungen in Hamburg.

Hamburger Wohnhaus und ein Mietvertrag mit Schlüssel und einem Pfeil, der nach oben zeigt
Die Mietpreise in Hamburg steigen ständig an. Das kann man dagegen tun. (24hamburg.de-Montage) © Marcus Brandt/Dieter Assmann/dpa

„Da der Mietenspiegel so kräftig stieg, rechnen wir damit, dass etwa ein Drittel der Haushalte mehr zahlen muss. Wir können uns momentan vor Arbeit kaum retten“, sagte die Vizevorsitzende des Mietervereins, Marielle Eifler, gegenüber NDR 90,3. Besonders stark sollen die Preise für Wohnungen der Nachkriegszeit steigen. Dort könnten bis zu 10,6 Prozent mehr auf der nächsten Abrechnung stehen. Im Schnitt erhöhte sich die Miete seit 2019 um 63 Cent pro Quadratmeter. Doch nicht jede Erhöhung ist legal.

Auch interessant: Bürgerinitiative stoppt Bau von 300 Wohnungen in Hamburg.

Rechtmäßigkeit überprüfen: Was bei einer Mieterhöhung getan werden kann

Nach einer Schätzung des Deutschen Mieterbunds ist ca. jede dritte Mieterhöhung unzulässig. Eine Überprüfung lohnt sich in jedem Fall, es handelt sich nicht nur um Einzelfälle.
Zunächst muss eine Mieterhöhung begründet sein. Der Vermieter kann nicht einfach so erhöhen, weil heute die Sonne scheint. Wichtig ist wie schon beschrieben eine ortsübliche Vergleichsmiete. Es kann also nicht weit außerhalb des Mietspiegels erhöht werden.

Etwa ein Drittel der Haushalte muss mehr zahlen.

Marielle Eifler, Vorsitzende des Mietervereins

Zudem darf die Miete nur erhöht werden, wenn sie sich seit mindestens 15 Monaten nicht verändert hat. Ausgenommen sind Wohnungen, die frisch saniert oder modernisiert wurden. Was viele Vermieter absichtlich und unrechtmäßig missachten: die Miete darf innerhalb von drei Jahren um maximal 15 Prozent erhöht werden. Es lohnt sich also ein Blick auf die gezahlte Miete von 2019.
Sollten diese Voraussetzungen zutreffen, ist eine Mieterhöhung in den meisten Fällen rechtens.

Es kommt nun auf das korrekte Verfahren an. Eine mündliche oder kurze schriftliche Mitteilung des Vermieters reicht nicht aus. Die Erhöhung muss im Sinne des Paragraphen 126b des Bürgerlichen Gesetzbuches geltend gemacht werden. Neben dem Mietspiegel kann sich der Vermieter auf ein Gutachten oder mindestens drei Mieten vergleichbarer Wohnungen beziehen.
Ab Erhalt des Schreibens bleiben dem Mieter zwei Monate Zeit, um der Erhöhung zuzustimmen. Es kann auch teilweise zugestimmt oder sogar abgelehnt werden. In dem Fall muss der Vermieter vor Gericht ziehen.

Hamburg, München und Berlin schließen sich gegen rasant steigende Mieten zusammen

Einem rasanten Anstieg der Mietpreise wurde 2015 mit Einführung der Mietpreisbremse entgegengewirkt. Die sollte verhindern, dass Vermieter insbesondere bei einem Mieterwechsel drastische Preise ausschreiben. Bei einer Neuvermietung darf die Miete nicht mehr als 10 Prozent über der ortsüblichen Miete liegen. Das funktioniert leider nicht so, wie ursprünglich geplant. Auch deshalb gehen Hamburg, Berlin und München jetzt entschlossen gegen Mietpreise vor. Die Städte wollen bei privaten Immobiliengeschäften ein Vorkaufsrecht erhalten. Denn selbst für Durchschnittsverdiener sind viele Stadtteile zu teuer.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Das Vorkaufsrecht soll verhindern, dass neue Vermieter aufgrund von Modernisierungen die Miete drastisch erhöhen können. Sie müssten schriftlich bestätigen, von einer solchen Modernisierung abzusehen. Andernfalls hätten die Städte und Kommunen die Möglichkeit, das Objekt selbst zu erwerben. „Das Vorkaufsrecht ist ein wichtiges Instrument, um Mieterinnen und Mieter vor Spekulation und Verdrängung zu schützen“ gab Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher bekannt. Dieses Recht wollen Deutschlands drei größte Städte jetzt bundesweit durchsetzen.

Bis dahin heißt das Stichwort: Eigeninitiative. Stimmen Sie einer Mietpreiserhöhung nicht direkt zu, sondern überprüfen sie erst einmal. Sollten alle Voraussetzungen erfüllt sein, steht einer Erhöhung aber leider nichts mehr im Wege. Dann heißt es: entweder zustimmen oder nach einer neuen Wohnung Ausschau halten. Dort ist man dann immerhin für 15 Monate vor einer weiteren Mieterhöhung sicher. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare