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Billstedt: Günstige Mieten, schmucke Reihenhaussiedlungen, quirliges Billstedt Center

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Von: Kevin Goonewardena

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Das Billstedt Center in Hamburg wurde am 1. September 1977 eröffnet. Auf einer Verkaufsfläche von 40.000 m² kann man in 110 Geschäften shoppen.
Das Billstedt Center in Hamburg wurde am 1. September 1977 eröffnet. Auf einer Verkaufsfläche von 40.000 m² kann man in 110 Geschäften shoppen. © Stephan Wallocha/dpa/Montage

Billstedt hat einen schlechten Ruf. Dabei gibt es hier mehr Einfamilienhäuser als in Blankenese. Die Mieten sind günstig, Eigentum bezahlbar und viel Grün hat der Stadtteil auch zu bieten.

Ländliche Idylle, abgerockte Arbeiterviertel, quietschbunte Künstler-WGs, mondäne Stadtvillen: Das alles ist Hamburg. Jede Woche samstags gehen wir auf Streifzug. Heute sagen wir: #ahoibillstedt

Der Hamburger Stadtteil Billstedt im äußersten Osten des Bezirks Mitte hat ein Problem, von dem auch die Veddel auf der Elbinsel Wilhelmsburg oder Harburg ein Lied singen können: Diese und andere Stadtteile haben wie Billstedt ein Imageproblem, das dafür sorgt, dass sie in der Wahrnehmung schlechter dastehen, als sie sollten. In Hamburg-Billstedt sorgen für eben diesen schlechten Ruf die hohe Arbeitslosenquote, der hohe Anteil an Leistungsempfängern - der bei rund 20 Prozent liegt und damit doppelt so hoch ist, wie im Rest der Stadt - und der Prozentsatz der ausländischen Mitbürger, die Billstedt ihr Zuhause nennen. Fast 30 Prozent der Billstedter und Billstedterinnen haben ausländische Wurzeln.

Die vielen Einsätze der Polizei Hamburg, sei es im Rahmen von Razzien in Shishabar, wegen Drogenhandels über die Dealer-App EncroChat im Internet oder Familienstreits mit Macheten und Schlagstock, füttern den schlechten Ruf Billstedts immer wieder an. Zuletzt hatte eine Grillparty für Aufsehen gesorgt, bei der Familien insgesamt 10 Lämmer in einem öffentlichen Park über dem Feuer zubereitet hatten. Dennoch: Billstedt bleibt besser als sein Ruf. Und das nicht ohne Grund.

Name des Stadtteils:Billstedt
Bezirk:Hamburg-Mitte
Fläche:16,8 km²
Bevölkerung:71.077 (31. Dez. 2020)

In Billstedt wohnen: Günstige Mieten in Hamburg und günstiges Eigentum

Viele Zugezogene sind mit dem Traum nach Hamburg gekommen, auf St. Pauli, in der Sternschanze, vielleicht auch in Altona, Ottensen oder Eimsbüttel zu wohnen. Doch wenn die WG-Zeiten vorbei sind und die Sehnsucht nach einer eigenen Wohnung wächst, dürften die Meisten in nicht nur den genannten In-Stadtteilen ihren Wunsch an den hohen Mietpreisen zerschellen sehen. Manche Stadtteile sind gar für Durchschnittsverdiener schon zu teuer. Spätestens wenn der Nachwuchs sich ankündigt muss der Wohnraum nicht nur bezahlbar, sondern auch groß genug sein. In den beliebten Stadtteilen ist für Gering- und Normalverdiener da kaum was zu machen.

In Billstedt hingegen sind die Mieten noch günstig und nicht nur das: Mit etwas mehr als 3400 Euro je Quadratmeter lässt sich in Billstedt schon Eigentum erwerben. Damit gehört Billstedt zu den günstigsten Hamburger Stadtteilen für all diejenigen, die keine Miete mehr zahlen wollen. Da ist es kein Wunder, dass Billstedt zu den Stadtteilen gehört, denen das größte Bevölkerungswachstum auf dem Weg Hamburgs zur 2-Millionen-Metropole, prognostiziert wird.

Anders als in der Kernstadt muss in Billstedt nicht nachverdichtet werden - denn der Stadtteil weist noch genügend Freiflächen für Wohngebiete auf. Schon jetzt ist Billstedt ein Wohnstadtteil. Doch die Billstedter wohnen keinesfalls mehrheitlich in Wohnsiedlungen wie Mümmelmannsberg, wie ein Blick auf Hamburg.de zeigt. 53 Prozent der Wohngebäude in Billstedt seien Einfamilienhäuser - und damit mehr als in Blankenese, heißt es auf der offiziellen Seite der Stadt.

Billstedt: Dörfliches Flair im Ortsteil Schiffbek und Kirchsteinbeck

Viele der angesprochenen Einfamilienhäuser befinden sich im Ortsteil Schiffbek. Dort sind die Straßen oft schmal, die Bürgersteige nicht immer gepflastert, die Gärten der Einfamilienhäuser aus den 1950er-Jahren gepflegt und sorgen mit Reihenhaussiedlungen aus den 1920er für ein abwechslungsreiches Ortsbild, das so gar nichts mit dem Zentrum Billstedts rund um das Billstedt Center gemein hat.

Den Kontrast zur Ortsmitte findet man auch in den Ortsteilen Steinbeck und Kirchsteinbeck mit seiner neugotischen Kirche und der Steinbeker Mühle. Jene ist seit über 300 Jahren in Familienbesitz, mahlt zwar kein Mehl mehr, ist aber noch in Betrieb.

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Billstedt Verkehr: U2, U4 und Autobahn A1, A24

Das gastronomische Angebot an Cafés, Bars und Kneipen hält sich in Billstedt zwar in Grenzen, doch die günstigen Mieten dürften für nicht Wenige die Fahrzeit in die It-Bezirke Hamburgs aufwiegen. Zumal diese kaum erwähnenswert ist: Nicht einmal 15 Minuten brauchen Fahrgäste im ÖPNV von einer der vier Billstedter U-Bahn Stationen im HVV mit den Linien U2 oder U4 die Innenstadt. Auf direktem Weg lassen sich Jungfernstieg, HafenCity, Schlump, Eimsbüttel oder der Tierpark Hagenbeck im Stadtteil Stellingen von Billstedt aus erreichen. Autofahrer haben in Billstedt Anschluss an die Autobahnen A1 und A24.

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Billstedt: Bille, Öjendorfer See und andere Gewässer

Wie der Name schon vermuten lässt, fließt der namensgebende Fluss Bille durch Billstedt, allerdings ein wenig abseits des Kerns. Wunderbar Spazierengehen lässt sich in den Grünstreifen entlang der Glinder Au und des Schleemer, sowie des Jenfelder Baches. Das bekannteste Gewässer Billstedts neben der Bille ist jedoch der Öjendorfer See im Naherholungsgebiet Öjendorfer Park. Nach dem Hamburger Stadtpark und Altonaer Volkspark ist der Park der drittgrößte Park Hamburgs und ein beliebtes Ziel für Jogger, Tischtennis- und Schachspieler oder Inlineskater. Der Öjendorfer See ist einer von 15 offiziellen Badeseen der Stadt Hamburg, zwei Badestellen laden zum Sprung ins kühle Nass ein. Für Vogelfans ist das Vogelschutzgebiet, dass sich ans Ufer anschließt, ein Muss.

Ausgehen im Stadtteil Billstedt

Vorneweg: Die Auswahl an Cafés ist in Billstedt überschaubar, aber es gibt sie doch, die Handvoll netter Möglichkeiten für einen guten Kaffee und ein Stück Kuchen: Empfohlen wird im Netz etwas das Tunici Restaurant (ehemals Dubrovnik, Schiffbeker Weg 96), das Café Adam&Sophie (Hasenbanckweg 58) am Öjendorfer Friedhof oder das Café Winter in der Möllner Landstraße (Nr. 202). Kneipen abseits der Trinker-Lokale sucht man in Billstedt zwar vergeblich, aber wie gesagt, die günstigen Mieten dürften für viele die reduzierten Freizeitmöglichkeiten aufwiegen.

Billstedt: Einkaufen im Billstedt Center

Mit einem Übergang zur U-Bahn-Endhaltestelle Billstedt versehen, ist das bereits 1977 eröffnete Billstedt Center auch für einen Shopping-Trip nicht ortsansässiger Hamburger bequem zu erreichen. Der Center-Betreiber ECE spricht auf seiner Website von einem Einzugsgebiet des Centers von mehr als 980.000 Menschen. Auf rund 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche finden sich in dem Center in der Ortsmitte rund 100 Geschäfte. Zu dem Komplex gehören auch mehrere Arztpraxen und zwei Parkhäuser mit mehr als 1500 Stellplätzen. Rundherum haben sich weitere Geschäfte angesiedelt. Rund 33.000 Kunden zählt das Center täglich.

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