Nur 1,70 Euro pro Mahlzeit

Hartz IV langt nicht für vernünftiges Essen – Berater alarmiert

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
    schließen

Gesunde Ernährung ist euer. Für Hartz-IV-Bezieher ist Bio-Essen unerschwinglich. Regierungsberater fordern deswegen höheren Regelsatz. Gibt es Konsequenzen?

Hamburg – Die Debatte um einen höheren Hartz-IV-Regelsatz bekommt neuen Schwung. So warnen Regierungsberater des Landwirtschaftsministeriums vor nicht bezahlbaren Kosten für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Die derzeitige Grundsicherung reiche „ohne weitere Unterstützungsressourcen nicht aus“, heißt es in einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirats, über das merkur.de berichtete. Bei der Bundesregierung stießen die Experten mit dem Vorstoß nach einer Erhöhung des Leistungsbezugs auf taube Ohren. Die Grünen schlugen deswegen Alarm.

Finanzielle Hilfe für Arbeitslose:Arbeitslosengeld II (genannt Hartz 4)
Eingeführt:1. Januar 2005
Grundlage für ALG II:Zweites Buch der Sozialgesetzgebung

Hartz IV: Regelsatz deckt nicht die Kosten für gesunde Ernährung – Experten fordern Erhöhung

Der Expertenbericht trägt den Titel „Politik für eine nachhaltigere Ernährung“. Die Regierungsberater betonen darin, wie wichtig eine gesunde Ernährung* für jeden Einzelnen ist. Gutes Essen steht durchaus im Trend in Deutschland, jedoch sind damit häufig höhere Kosten verbunden. Was für Gutverdiener kein Problem ist, stellt Geringverdiener vor ein Problem. Ernährung habe mittlerweile auch etwas mit soziokultureller Teilhabe zu tun, konstatieren die Experten. Leider gebe es auch in einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland „armutbedingte Mangelernährung und teils auch Hunger“, heißt es.

Geld für Obst und Gemüse: Experten fordern die Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes. (24hamburg.de-Montage)

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen verrät: Der Hartz-Regelsatz lässt wenig Spielraum für gestiegene Lebensmittelkosten*. Aktuell zahlt die Agentur für Arbeit einem Erwachsenen in der Regel 446 Euro pro Monat aus. Ausgaben für Essen und Trinken sind darin mit 154,78 Euro eingepreist. Heruntergerechnet auf den Tag macht das 5,09 Euro, bei drei Essen am Tag 1,70 pro Mahlzeit. Bei Hartz-Kindern und Jugendlichen ist der Satz sogar noch geringer. Ein Einkauf von Bioware ist da nahezu ausgeschlossen.

Hartz IV: Mehr Geld für Leistungsbezieher? Bundesregierung sagt Nein

So sehen das auch die Berater des Landwirtschaftsministeriums. Sie empfehlen ausdrücklich die Überprüfung des Regelsatzes. Doch in der Bundesregierung zeigt man dazu nur bedingt eine Bereitschaft. Zwar räumte die Große Koalition zuletzt ein, dass die Corona-Krise Hartz-IV-Bezieher und ihre Familien zusätzlich finanziell belastet. Doch auf eine grundsätzliche Erhöhung der Leistungsbezüge konnten sich SPD und CDU nicht einigen. Zur Abfederung kurzfristiger Belastungen wurden lediglich einmalige Boni für den Maskenkauf oder für das Freizeitvergnügen von Kindern gewährt.

Bei den Grünen stößt das auf Kritik. So zeigte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Öko-Partei, Sven Laumann, wenig Verständnis für die Haltung der Bundesregierung. Zuvor hatte das Bundesarbeitsministerium ihm auf schriftliche Nachrfrage bestätigt, dass man derzeit keinen Handlungszwang sehe. Für Laumann ein Unding. Der „Taz“ sagte er: „Es muss der Anspruch der Bundesregierung sein, dass alle Menschen finanziell so abgesichert sind, dass sie sich gesund ernähren können.“ 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ralf Hirschberger/dpa/picture alliance & Ralf Hirschberger/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare