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Behörden warnen vor Hacker-Angriffen aus Russland: Wie sicher ist unser Stromnetz?

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Könnte es einen bundesweiten Blackout geben? Russische Hackergruppen greifen in Deutschland an. Das passiert im Ernstfall.

Hamburg – Der Krieg in der Ukraine schockiert noch immer ganz Europa. Zwar hat der russische Präsident Putin aktuell nur Panzer im Nachbarland, dennoch ist auch der Rest von Europa von den Kämpfen betroffen. Zum einen, weil immer mehr Ukrainer in die umliegenden Länder flüchten, zum anderen, weil sich in vielen Ländern Menschen für Hilfsaktionen und wie auch in Hamburg für Friedensdemonstrationen zusammenschließen.

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Stadt in DeutschlandHamburg
BürgermeisterPeter Tschentscher
Fläche755,2 km²
Einwohner1.904.444 (Stand Mai 2021, Sozialamt)
Gegründet500 n. Chr.

Allerdings fürchten sich auch viele vor den Auswirkungen des Krieges wie den explodierenden Gaspreisen, da Russland etwa die Hälfte der deutschen Energieversorgung liefert. Jetzt kommt eine neue Sorge dazu: Auch mit virtuellen Kampfhandlungen vonseiten Russlands in Form von Hackerangriffen muss man in Deutschland rechnen.

Ukraine-Krieg: Russische Hacker legten ukrainische Behörden-Systeme lahm

Seit der Invasion Putins in der Ukraine am Donnerstag, 24. Februar, hat sich die Zahl der Hacker-Angriffe vervielfacht. Der erste Schlag gegen das kleinere Nachbarland war ein virtueller. Durch einen Ansturm an Anfragen wurden in der Ukraine die Regierungs-Webseiten sowie die Internetseiten vieler Banken und Nachrichtensender zum Zusammenbruch gebracht. Vor allem politisch involvierte Firmen waren ein Ziel und mussten den Verlust ganzer Computersysteme beklagen, die durch eine Virus-Software gelöscht wurden.

Ein Hacker der auf den Bundestag in Berlin zielt
Auch Deutschland muss mit Hacker-Angriffen aus Russland rechnen. (24hamburg.de-Montage) © imago

Auch in Deutschland gab es Hackerangriffe auf Sicherheitsbehörden. Zunächst hatte die Bundesregierung der Ukraine noch angeboten, bei der Cyberabwehr gegen die Hackerangriffe Unterstützung zu leisten. Jetzt ist Deutschland selbst zum Ziel geworden.

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Wer greift an? Diese russischen Hacker-Gruppen sind auch in Deutschland am Werk

Hackergruppen wie „Gamaredon“ und „Ghostwriter“ schlagen auch hierzulande vermehrt zu, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte. Auf der Webseite der Bundesoberbehörde heißt es in einer Erklärung vom Dienstag, 1. März: „Mit sogenannten Spear-Phishing-Mails soll die russische Hackergruppe „Ghostwriter“ versucht haben, auf die E-Mail-Konten von mehreren Abgeordneten des Deutschen Bundestages und einiger Landtage zuzugreifen, berichtet die Tagesschau unter Berufung auf Recherchen des WDR.“

Es wird allgemein vermutet, dass die Hackergruppe „Ghostwriter“ aus Weißrussland kommt, dort mit dem Militär in Verbindung steht und auch Teil des russischen Geheimdienstes GRU sein soll. Ob „Ghostwriter“ im Auftrag hackten und wenn ja, auf wessen, konnte allerdings noch nicht geklärt werden.

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Außerdem war das Satellitennetz KA-Sat Ziel eines Hackerangriffs, was auch dazu führte, dass die Windkraft-Anlagen der Firma Enercon in Deutschland nicht mehr ordnungsgemäß funktionierten. Auch hier ist unklar, ob es sich bei den Hackern um „Ghostwriter“ handelt.

Mögliche Folgen: Was passiert bei einem Blackout – schon 24 Stunden reichen zum Stillstand in Deutschland

Aktuell sieht das BSI besonders in „Hochwertzielen“ mögliche Angriffsflächen für Hacker. Auch wenn Privatpersonen ebenfalls niemals vor Viren oder Online-Datendiebstahl geschützt sind, würde im Extremfall vermutlich die Strom- und Wasserversorgung angegriffen werden, sagt laut dem Hamburger Abendblatt auch Rüdiger Trost, Cybersicherheitsexperte der Firma F-Secure.

Sollte es so weit kommen, dass durch russische Hackerangriffe das deutsche Stromnetz oder die Wasserversorgung manipuliert werden, wäre das eine nicht zu unterschätzende Gefahr. „Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist von zentraler Bedeutung. Dies gilt insbesondere auch für den Strom- und Gassektor“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur dem Hamburger Abendblatt.

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Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte Ende Januar 2022 eine Einschätzung, was in Deutschland im Falle eines Blackouts passieren würde. Laut dieser sollen schon die ersten 24 Stunden ohne Strom das Leben in Deutschland zum „Stillstand“ bringen. „Die ersten Menschen sterben [spätestens nach drei Tagen], weil sie sich nicht mehr versorgen können, lebenswichtige Medikamente fehlen oder medizinische Geräte nicht mehr funktionieren“, heißt es auf der Webseite.

Dramatische Folgen erstmal unwahrscheinlich: Starkes Stromnetz – bei Ausfällen gibt es Notfalllösungen

Experten sehen aktuell noch nicht die Gefahr, dass eine solche Extremsituation in Deutschland wirklich eintreten könnte. „Ein zeitlich koordinierter Angriff braucht mehrere Monate Vorbereitungszeit. Dafür gibt es meines Wissens keine Anzeichen, zumal Russland kein Interesse an einer solchen Eskalation haben kann“, sagt Sebastian Artz, Bereichsleiter für Cybersicherheit beim Digital-Branchenverband Bitkom gegenüber dem Hamburger Abendblatt.

Außerdem mache Deutschland es den Hackern nicht leicht und obwohl kleinere, regionale Stromausfälle möglich sind, gebe es genügend Notfalllösungen in einem solchen Fall.

Das BSI sagte in einer „Einschätzung der aktuellen Cyber-Sicherheitslage in Deutschland nach dem russischen Angriff auf die Ukraine“ am Freitag, 4. März, ebenfalls: „Für das BSI ist aber aktuell keine akute unmittelbare Gefährdung der Informationssicherheit in Deutschland im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine ersichtlich.“ Dennoch werden Unternehmen, Organisationen und Behörden dazu aufgerufen, ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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