Kampf gegen Corona

Baerbock motzt gegen Merkel: An Schulen zu wenig Schnelltests

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Schulalltag: Annalena Baerbock will mehr Schnelltests für Schüler. Die Grünen-Politikerin beklagt Benachteiligung von Kindern in der Corona-Pandemie durch Bund.

Hamburg – Bei der Bekämpfung der Corona-Krise hat Grünen-Chefin Annalena Baerbock der Bundesregierung schwere Versäumnisse in der Schulpolitik vorgeworfen. Obwohl Kindern und Jugendlichen Priorität eingeräumt und ihnen ein normaler Alltag ermöglicht werden sollte, seien bislang keine entsprechenden Maßnahmen erlassen worden, kritisierte die Parteichefin in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Stattdessen versuche man mit Ankündigungen, die „Nerven von Eltern, Lehrern und Erziehern zu beruhigen“.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Annalena Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980, Hannover
Ehepartner:Daniel Holefleisch
Aktueller Wohnort:Potsdam

Bund und Länder haben in der vergangenen Woche den Lockdown bis zum 28. März verlängert. Für die seit Monaten geschlossenen Schulen und Kitas werden allerdings Ausnahmen erlaubt. So sind bereits 15 Bundesländer vom erweiterten Notbetrieb in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückgekehrt. In Hamburg sind derzeit noch Schulferien. Doch ab Montag, 15. März, sollen dann auch in der Hansestadt die Grundschüler und die Schüler der Abschlussklassen wieder verstärkt Präsenzunterricht bekommen.

Baerbock: Die Schnelltest-Kapazitäten reichen an den Schulen nicht

Möglich machen das neu zugelassene Selbst- und Schnelltests, mit denen sowohl Lehrer und Erzieher als auch die Schüler zweimal pro Woche getestet und die weiterhin hohen Ansteckungsrisiken minimiert werden sollen. Doch aus Sicht von Baerbock steht das Konzept auch nach einem Jahr der Pandemie auf wackeligen Füßen. Sie bezweifelte, dass in allen Ländern auf mittel- und langfristiger Sicht ausreichend Testkapazitäten zur Verfügung stehen würden.

Reichen die Corona-Testkapazitäten für Schüler? Grünen-Chefin Annalena Baerbock bezweifelt das. (24hamburg.de)-Montage

Die Schuld dafür gibt Baerbock der Bundesregierung. Obwohl die Vorschläge für eine sichere Rückkehr in den Schulalltag seit Monaten auf dem Tisch lagen, hätten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) lange Zeit nicht darum gekümmert. Insbesondere Spahn steht deswegen seit Tagen stark in der Kritik*. Sie „wollten über Schnelltests zur Selbstanwendung überhaupt nicht reden“, sagte Baerbock, die selber Mutter zweier Grundschulkinder ist.

Nun befinde man sich in einer Situation, dass an vielen Schulen „keine Tests da sind“. Statt eine ausreichende Testkapazität zentral zu organisieren, müsse sich nun jedes Bundesland selber darum kümmern. Dadurch drohe nun ein „riesengroßes Chaos“. Wie schwierig die Lage ist, hatte auch kürzlich Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) durchblicken lassen. Er ringe derzeit mit den Länderkollegen darum, „wo welcher Lkw mit Tests hinfährt“, sagte er bei der Vorstellung des Schul-Öffnungskonzepts. Seinen Angaben zufolge konnte sich die Hansestadt erst einmal für 14 Tage Schnelltests für seine Schul-Beschäftigten besorgen.

Baerbock: Dauer-Lockdown macht die Kinder krank

Für Baerbock ist das nur ein weiterer Beleg dafür, dass die Bundesregierung den Bedürfnissen von Schülern trotz aller öffentlicher Bekenntnisse im Dauer-Lockdown keine Priorität einräumt. Seit Wochen warnen Kinderärzte und andere Fachleute vor den Auswirkungen für Kinder und Jugendliche. Durch die strengen Kontaktbeschränkungen nehmen die psychischen Leiden vieler Heranwachsenden zu, wie viele Studien mittlerweile belegen.

Doch während Baumärkte und Gartencenter mittlerweile wieder öffnen dürfen, müssen Kinder und Jugendliche weiterhin auf viele soziale Angebote verzichten. Baerbock forderte deshalb die Bundesregierung auf, den Blick nicht nur auf die Schulöffnungen zu verengen. Die Lage sei nicht nur dramatisch, weil viele Kinder das Einmaleins vergessen würden, sondern auch, weil die psychischen Auswirkungen stark anstiegen.

„Kinder brauchen Kinder“, sagte Baerbock. Deshalb sei es wichtig, dass in einem Lockerungsplan ihre Bedürfnisse endlich auch wirklich vorangestellt werden müssten. Doch leider seien beim vergangenen Corona-Gipfel die Kinder „wieder durchs Raster gefallen, und das zieht sich seit einem Jahr durch, und das ist wirklich ein Desaster“, kritisierte die Grünen-Chefin. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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