Unerhörte Wahlkampf-Frage

Kann eine Mutter auch Kanzlerin? Annalena Baerbock hat klare Meinung

  • Jens Kiffmeier
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Kind und Karriere, geht das? Der Frage: „Kann man mit Kindern eine gute Kanzlerin sein?“ musste sich jetzt Annalena Baerbock stellen. Und reagiert ganz klar!

  • Annalena Baerbock gilt bei den Grünen als potenzielle Kanzlerkandidatin.
  • Im heraufziehenden Wahlkampf räumte die Parteichefin mit Vorurteilen auf.
  • Doch die Kandidatensuche sorgt bei den Grünen noch für hitzige Debatten.

Hamburg – Lange Marathonsitzungen, Reisen um die ganze Welt, enormer Druck: Ist das Kanzlerdasein mit einer Elternschaft vereinbar? Noch nie musste ein potenzieller Kanzlerkandidat diese Frage beantworten. Annalena Baerbock allerdings schon. Doch die Grünen-Parteichefin und Mutter zweier Grundschulkinder nahm den Ball kürzlich in einem Interview auf – auch um gleich einmal von Anfang mit einem gängigen Vorurteil aufzuräumen: „Für mich gilt: Frauen und Mütter müssen in diesem Land jeden Job machen können“, stellte Baerbock kürzlich in einem Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ klar. Zum Glück beweise Angela Merkel (CDU) bereits seit 16 Jahren, dass eine Frau das Regierungsamt ausüben könne.

Politikerin:Annalena Baerbock
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre), Hannover
Ehemann:Daniel Holefleisch
Wohnort:Potsdam

Seit zwei Jahren ist Baerbock jetzt Bundesvorsitzende der Grünen, zusammen mit Co-Chef Robert Habeck. Der ist ebenfalls Familienvater, wird aber bislang weniger mit solchen Fragen konfrontiert. Warum eigentlich nicht? Denn genauso wie bei Baerbock gilt er bei den Grünen als potenzieller Kanzlerkandidat für die anstehende Bundestagswahl im September. Eine Entscheidung steht noch aus, doch an den Stammtischen und mitunter auch im Politikbetrieb wird schon unverhohlen diskutiert. Auch bei den Grünen in der Hansestadt Hamburg keimen die Debatten auf.

Annalena Baerbock: Vereinbarkeit von Beruf und Karriere fordert jeden heraus

Ihre Chance auf die Kanzlerkandidatur will sich Baerbock aber nicht so einfach nehmen lassen. Mit Blick auf die Elternfrage verwies die Grünen-Chefin auf die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern*, die im Amt eine kurze Babypause einlegte. Wenn sich Beruf und politische Karriere in Neuseeland miteinander verbinden ließen, dann ginge das ja wohl auch in Deutschland, betonte Baerbock. „Die Entscheidung, dennoch Spitzenpolitik zu machen, habe ich für mich getroffen, als ich Vorsitzende unserer Partei geworden bin“, fügte sie hinzu. Sie habe aber schon damals klargemacht, dass sie als Spitzenpolitikerin nicht aufhöre, Mutter zu sein. „Das gilt aber genauso, wenn man Vorstandsvorsitzende oder Krankenschwester im Schichtdienst ist“, so die Grünen-Chefin.

Strebt ins Kanzleramt: Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock. (24hamburg.de-Montage)

Habeck oder Baerbock? Wer die Grünen am Ende als Spitzenkandidat ins Rennen um die Merkel-Nachfolge schicken, soll sich frühestens im April entscheiden. Zuvor sollen die anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz abgewartet werden. Ohnehin hat bislang nur die SPD mit Vizekanzler Olaf Scholz offiziell einen Kandidaten nominiert – und das mit bisher mäßigen Erfolg. Zwar versprachen sich die Sozialdemokraten mit der frühen Festlegung einen kleinen Vorteil im Kampf um die Wählergunst, doch bislang zündete die Strategie noch nicht so richtig.

In den Umfragen dümpelt der ehemalige Erste Bürgermeister Hamburgs beständig bei 15 Prozent, abgeschlagen hinter den Grünen und der CDU, die ebenfalls noch nach einem passenden Bewerber Ausschau hält. Gehandelt werden hier Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der neue CDU-Parteichef Armin Laschet. Gut möglich, dass es einer der beiden am Ende auf Merkels Stuhl schafft.

Baerbock oder Habeck: In der Partei tobt noch eine Kontroverse

Doch auch die Grünen wollen ihre Chance nutzen. Entweder als Juniorpartner und neue zweite Kraft. Oder noch besser: als Kanzlerpartei. Doch wie realistisch sind die Erfolgsaussichten? Nicht wenige in der Partei bezweifeln, dass man im Wahlkampf-Endspurt die Union tatsächlich einholen kann oder sich mit rot-roter Unterstützung ins Kanzleramt hieven kann. Deshalb wird die Frage, ob man überhaupt einen eigenen Kanzlerkandidaten aufstellen sollte, derzeit noch sehr kontrovers diskutiert.

Erst in der vergangenen Woche starteten die Hamburger Grünen einen Diskussionsabend per Videochat. Thema: Können die Grünen Kanzler*in? Die Antworten zu dieser Frage fielen divers aus. Untermauert wird die Debatte auch durch einen offenen Brief, den die Partei-Linke kürzlich veröffentlichte. Darin warnten die Unterzeichner vor einem „Personenkult*“. Der Wahlkampf sollte nicht auf Baerbock oder Habeck verengt werden, hieß es. Vielmehr sollten die Grünen mit einem Team um Wählerstimmen kämpfen.

Und was sagt Baerbock dazu? Die gebürtige Hannoveranerin, die in Hamburg studierte und jetzt in Potsdam wohnt, zeigt sich betont gelassen. Es gebe einen Parteitagsbeschluss. Demnach werde im April entschieden, wie und mit wem die Grünen in den Wahlkampf ziehen werden. An diesem Fahrplan, so Baerbock, halte man fest. *24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Kay Niefeld/dpa/picture alliance

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