Busse und Bahnen entfallen nachts

Ausgangssperre: HVV streicht Nachtfahrten – Abzocke macht wütend

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
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In Hamburg gilt derzeit eine nächtliche Ausgangssperre. Daher streicht der HVV alle Nachtfahrten. Es gibt zwar Alternativen, doch Menschen fühlen sich abgezockt.

Hamburg – Die Hansestadt ist durch das Coronavirus schon genug geplagt. Die Coronavirus-Zahlen in Hamburg sind noch immer hoch. Zu hoch, als dass es ein normales Leben in der Stadt gibt. Der knallharte Lockdown sorgt dafür, dass von der im Normalzustand brodelnden Metropole vieles stillsteht. Die Ausgangssperre, gegen die eine Familie schon vergeblich klagte, tut ihr übriges – und jetzt verpasst der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) denjenigen, die nachts noch raus können und müssen, auch noch die nächste krasse Ohrfeige und streicht alle Nachtfahrten!

Unternehmen:Hamburger Verkehrsverbund (HVV)
CEO:Dietrich Hartmann
Gründung:29. November 1965
Hauptsitz:Hamburg

HVV: Ab der Nacht vom 8. auf den 9. April 2021 entfallen Nachtfahrten mit Bussen und Bahnen

In Hamburg wird es ab der Nacht vom 8. April 2021 auf den 9. April 2021 keine Nachtfahrten mehr mit Bussen und Bahnen geben. Dies teilte die Verkehrsbehörde am Dienstag, 6. April 2021 mit. Als Grund dafür führen die Behörden die Ausgangsbeschränkungen an. Um die Beschränkungen „auch in der städtischen Mobilität abzubilden, haben wir uns dafür entscheiden, die Nachfahrten in Hamburg zunächst bis zum 18. April einzustellen“, sagt Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne), der zuletzt im 24hamburg.de-Exklusiv-Interview über das Chaos sprach, das der Hansestadt wegen U-Bahn-Bau und A7-Sanierung droht.

Wegen der Ausgangssperre stellt der HVV seinen Nachtverkehr ein – und das könnte für manchen Fahrgast teuer werden. (24hamburg.de-Montage)

Man wisse, dass es auch in der Nacht in Hamburg Menschen gibt, die auf ein Angebot des Öffentlichen Personen- und Nahverkehr (ÖPNV) angewiesen sind, sagt Anjes Tjarks, der sich beim geplanten Bau der neuen U-Bahnlinie U5 mit Protesten von Klimaschützern konfrontiert sieht*. Die U5 sei „so falsch wie Autobahnen“ äußerten sich Vertreter des Umweltverbandes BUND zuletzt. In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt hieß es von Seiten der Umweltschützer dazu: „ „Die U5 zahlt mindestens 100 Jahre lang nicht auf den Klimaschutz ein.“ Der Grund dafür ist simpel: Beim Bau der neuen U-Bahn-Tunnel wird massig CO2 ausgestoßen.

HVV: Zwei kostenfreie Alternativen – doch wer Taxi fahren muss, darf kräftig blechen

Doch zurück zu den Fahrten, die in der Nacht entfallen werden. Der HVV, der gerne auch mal durch Streiks die Hamburger Bevölkerung zur Verzweiflung bringt oder durch ständig teurer werdende Tickets für Zorn in der Hansestadt sorgt*, hat sich ein Alternativangebot einfallen lassen. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, könnten „Fahrzeuge der bereits heute in der Grundversorgung tätigen Unternehmen des Taxigewerbes und weitere Fahrzeuge der On-Demand-Anbieter MOIA im gesamten Stadtgebiet und ioki Hamburg von 0:00 Uhr bis 06:00 Uhr zu Sonderkonditionen gebucht werden“.

MOIA starte bereits am 7. April mit diesem Angebot. Wer ein gültiges HVV-Ticket besitzt, kann mit MOIA und ioki kostenfrei fahren. Im Taxi allerdings sind HVV-Fahrkartenbesitzer einer heftigen Abzocke ausgesetzt: Sie müssen einen pauschalen Preis von vier Euro (bei Strecken bis acht Kilometer) beziehungsweise acht Euro (bei Strecken über acht Kilometer) bezahlen. Für Fahrgäste ohne HVV-Ticket bleibt es bei den geltenden Taxitarifen.

HVV legt bereits Innenstadt lahm – auf der Linie U3 geht zwischen Baumwall und Hauptbahnhof geht nichts

Eine Ausnahme bildet die Verbindung Stade nach Neugraben – hier wird weiterhin regulär die Bahn fahren. Regionalzüge verkehren ebenfalls weiter regulär. Der Hintergrund ist, dass es in Niedersachsen keine Ausgangsbeschränkungen gibt. „Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase im Kampf gegen die Corona-Pandemie“, begründet Verkehrssenator Anjes Tjarks die heftige HVV-Entscheidung, die bis zum 18. April 2021 andauern wird.

Wir haben ein gutes, günstiges und sicheres Alternativangebot auf die Beine gestellt“

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne)

Für Menschen, die ihre Wohnung dennoch in der Sperrzeit zwischen 21 und 5 Uhr aus triftigem Grund verlassen müssten, habe man „gemeinsam mit Hamburgs Taxis, MOIA und ioki Hamburg ein gutes, günstiges und sicheres Alternativangebot auf die Beine gestellt“, befindet der Grünen-Politiker. Der HVV legt aktuell in der Innenstadt den Verkehr bereits auf der Linie U3 auf lange Sicht lahm: Zwischen Baumwall und Hauptbahnhof geht wegen Bauarbeiten nichts. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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