Druck auf Senat wächst

Hamburgs Ausgangssperre: Fällt die Inzidenz auch ohne Notbremse?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Die Stadt Hamburg lässt nicht locker – Ausgangssperre bleibt. In anderen Städten sinkt der Inzidenzwert auch ohne diese Corona-Maßnahme. Notbremse hinterfragen?

Hamburg – Die Inzidenz sinkt, die Ausgangssperre bleibt: Das sorgt in der Hansestadt Hamburg vielfach für Unmut. Doch die wachsende Kritik an der strengen Corona-Maßnahme hat SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach* scharf zurückgewiesen. Derzeit zeige sich, dass die „Corona-Notbremse mit ihren Hauptelementen wirkt“, sagte der Sozialdemokrat dem Nachrichtenportal merkur.de. Allein durch die Diskussion vor der Einführung habe den Effekt gehabt, dass die Menschen insgesamt in ihrem Verhalten vorsichtiger geworden seien.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister: Peter Tschentscher (SPD)

In Hamburg gilt das Ausgangsverbot seit Mitte März. Zwischen 21:00 Uhr und 05:00 Uhr dürfen die Menschen ihre Wohnungen nur noch aus trifftigem Grund verlassen. Die Ausgangssperre ist dabei Teil einer Corona-Notbremse, die in der Hansestadt teilweise strenger gefasst ist als die Bundes-Notbremse.

Ausgangssperre Hamburg: Inzidenzwert auf Talfahrt – Kritik an den strengen Corona-Regeln wächst

Zuletzt hatte sich der harte Corona-Kurs vom Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ausgezahlt. Stärker als im Bundestrend sank der Inzidenzwert von mehr als 160 auf nun knapp 100, zumindest wenn man die Hamburger Zahlen zugrunde legt. Liegt dieser Wert fünf Tage lang stabil unter dieser Schwelle, dann kann die Ausgangssperre zurückgenommen werden. Allerdings zögerte der Hamburger Senat zuletzt ein klares Bekenntnis für den Wegfall der Maßnahme hinaus – was bei immer mehr Hamburgern zu Verdruss führte.

Trotz Kritik an der Ausgangssperre: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will keine voreiligen Lockerungen. (24hamburg.de-Montage)

Auch das Nachrichtenportal 24hamburg.de erreichen immer wieder Zuschriften pandemiemüder Leser. Die rot-grüne Landesregierung verkaufe die Ausgangssperre mit Blick auf die sinkenden Corona-Zahlen als Erfolg, heißt es in einer E-Mail an die Redaktion. „Merkwürdigerweise ist der Inzidenzwert aber auch in umliegenden Landkreisen ohne Ausgangssperre zurückgegangen“, wundert sich der Leser.

Inzidenz: Außerhalb Hamburgs sinken Corona-Zahlen auch ohne Ausgangssperre

Tatsächlich sind zum Beispiel auch in Schleswig-Holstein die Corona-Zahlen zuletzt zurückgegangen. Viele Regionen hatten im nördlichen Nachbarland stets eine Inzidenz unter 100, weswegen sie von einer Ausgangssperre verschont geblieben waren. So etwa die Modellregion rund um Eckernförde. Doch auch hier gibt es seit der vergangenen Woche immer weniger Neuinfektionen. Es liege der Verdacht nahe, dass die dritte Corona-Welle womöglich auch ohne Ausgangssperre hätte gebrochen werden können, zitierte die „Bild“-Zeitung nun Forscher der Universität München.

In der Wissenschaft ist die Wirkung einzelner Corona-Maßnahme seit langem umstritten. Erst kürzlich untersuchte eine internationale Expertengruppe die Strahlkraft von Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen oder Ausgangssperren. In der Studie wurde dem Ausgangsverbot die geringste Wirksamkeit* bescheinigt. Allerdings betonten die Wissenschaftler, dass am Ende die Kombination aller Maßnahmen entscheidend sei.

Lockerung im Lockdown: Senat berät Fahrplan zum Ausstieg aus der Ausgangssperre

Ähnlich hatte auch Tschentscher bei der Einführung der Ausgangssperre argumentiert. Im März hatte Hamburg mit Beschränkungen in Schulen oder im Einzelhandel das öffentliche Leben schon weit heruntergefahren. Trotzdem stieg das Infektionsgeschehen stark an, was der Senat mitunter auch auf viele abendliche private Treffen zurückführte. Immer wieder ahndete die Polizei in der Großstadt massive Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen.

Inwieweit die Aufrechterhaltung der Ausgangsbeschränkung nun angesichts der neuen Zahlen noch nötig ist, darüber debattiert am heutigen Mittwoch auch die Hamburger Bürgerschaft. Am Freitag will der Senat das Thema dann noch einmal in einer Sondersitzung beraten. Bereits im Vorfeld betonte ein Sprecher, dass die Ausgangssperre im Fall einer möglichen Lockdown-Lockerung als Erstes fallen soll. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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