1. 24hamburg
  2. Hamburg

Aus Angst vor Omikron: Eon will Mitarbeiter „kasernieren“

Erstellt:

Von: Yannick Hanke

Kommentare

Zu sehen ist das Logo vom Energiekonzern Eon, das auf einem Smartphone-Display angezeigt wird. Im Hintergrund leuchten zwei Lampen.
Strahlende Idee oder rabenschwarzer Reinfall? Der Energiekonzern Eon will Mitarbeiter „kasernieren“, um den Betrieb trotz Omikron aufrechterhalten zu können. (Symbolbild) © Jakub Porzycki/imago

Omikron stellt das öffentliche Leben vor große Herausforderungen. Der Energiekonzern Eon will darauf reagieren – und bereitet die Kasernierung von Mitarbeitern vor.

Essen/Hamburg – Den Angestellten vom Energiekonzern Eon könnten zeitnah Bundeswehr-ähnliche Zustände drohen. Ob Feldbetten in der Kantine, den ersten Kaffee des Tages schon am Schreibtisch oder das Gefühl eines Lagerkollers – alles scheinbar kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Denn das Unternehmen mit Hauptsitz in Essen kündigt wegen der Omikron*-Welle eine Kasernierung seiner Mitarbeiter an.

Eon will Mitarbeiter „kasernieren“: Energiekonzern mit großer Angst vor Personalausfällen wegen Omikron

Drastische Maßnahmen scheinen für Eon längst kein Tabu mehr zu sein. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, will Eon als erstes Unternehmen überhaupt seine Angestellten „kasernieren“. Zu groß sei nämlich die Angst vor einem massiven Krankenstand, hervorgerufen durch die Corona-Variante Omikron, die auch in Hamburg extrem wütet.

Wie soll diese „Kasernierung“ aber in der Praxis aussehen? Angestellte, auf die Eon nicht verzichten kann, bleiben an ihrem Arbeitsplatz – auch über Nacht sowie über einen längeren Zeitraum. Ein drastisches Mittel, mit dem die kritische Infrastruktur aufrechterhalten werden soll.

„Detaillierten Pandemie-Notfallplan aktiviert“: Eon reagiert auf Omikron-Welle und probt den Ernstfall

„Im Rahmen der Vorbereitung auf alle denkbaren Krisenszenarien ziehen wir verschiedene Maßnahmen in Betracht, unter anderem haben wir auch die Möglichkeit einer vorübergehenden Unterbringung von Mitarbeitenden direkt am Standort berücksichtigt (Kasernierung)“, wird ein Eon-Sprecher von der „Rheinischen Post“ zitiert.

Um auch in pandemiebedingten Extremsituationen den reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, haben wir im Kraftwerk und bei PreussenElektra einen detaillierten Pandemie-Notfallplan aktiviert, der verschiedene Maßnahmenstufen beinhaltet.

Ein Eon-Sprecher äußert sich gegenüber der „Rheinischen Post“ zu den Kasernierungsplänen des Energiekonzerns

Bislang wird dieses Vorhaben von Eon noch nicht umgesetzt. Doch würden solche Notfallpläne bereits existieren. Beispielsweise für das Atomkraftwerk Isar, das von der Unternehmenstochter PreussenElektra betrieben wird. Laut Eon-Angaben versorgt besagtes Kernkraftwerk 3,5 Millionen Haushalte und erzeugt zwölf Prozent des bayerischen Stroms.

Omikron stellt kritische Infrastuktur vor große Herausforderungen: Energiebranche bereitet Notfallpläne vor

Womit aber beschäftigten sich die Notfallpläne von Eon, mit denen auf die Omikron-Variante reagiert werden soll, im Detail? „Diese umfassen unter anderem die Reduzierung der Betriebsmannschaft zur Schaffung von Personalreserven, aber auch die Vorhaltung notwendiger Betriebsstoffe“, heißt es vom Eon-Sprecher.

Dies sei laut Unternehmensangaben zwingend notwendig, „um für einen größeren Zeitraum autark am Standort den Betrieb aufrecht halten zu können“. Zuvor hatte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, bereits Ausnahmeregeln für die Branche gefordert.

Damit auf Personalengpässe flexibel reagiert werden können, solle zum Beispiel Schlüsselpersonal für eine bevorzugte Kindernotbetreuung anerkannt werden.

Personal schulen, Rentner reaktivieren: Die Versuche der Unternehmen im Kampf gegen Personalausfälle durch Omikron

„Gleiches gilt für eine bevorzugte Einbindung in eine Impfkampagne, sobald ein gegen Omikron angepasster Impfstoff verfügbar ist oder eine Bevorzugung bei PCR-Tests*“, wird Andreae von „ntv.de“ zitiert. „Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, wäre als letzter Schritt eine mögliche Entlassung des Schlüsselpersonals aus der Quarantäne sinnvoll“, merkt sie zudem an.

Der Ernstfall ist in der Branche nach Angaben vom BDEW aber noch nicht eingetreten. Und dennoch sei es nicht nur Energieversorger Eon, der sich präventiv auf einen starken Personalausfall vorbereite. Dem Vernehmen nach haben Unternehmen unter anderem zusätzliches Personal geschult und Mitarbeiter als Vertretung eingewiesen.

Und auch vor kurzem in Rente gegangene Beschäftigte aus der Energiebranche könnten bei akutem Bedarf aus dem Ruhestand zurückgeholt werden. Alles, damit Omikron nicht die Überhand gewinnt und die kritische Infrastruktur, wozu auch Krankenhäuser, Kliniken und Rettungsdienste zählen, aufrechterhalten werden können. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare