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Keine Post im Norden: Streik der Postboten geht weiter – „Die Resonanz ist überwältigend“

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Von: Steffen Maas

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Aufgrund der Warnstreiks am Samstag fallen auch in Hamburg zahlreiche Brief- und Paketlieferungen aus. Die Verzögerungen könnten bis in die kommende Woche andauern.

Hamburg – Wer aktuell auf wichtige Post wartet, könnte auch am Samstag beim Blick in den Briefkasten enttäuscht werden: Der von der Gewerkschaft Verdi ausgerufene Warnstreik zahlreicher Post-Angestellten bringt seit Donnerstag die Infrastruktur im Norden durcheinander. Während zunächst die Angestellten in den Brief- und Paketzentren gestreikt hatten, legten am Freitag und Samstag gezielt die Angestellten in der Zustellung die Arbeit nieder. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatten sich laut eines Verdi-Sprechers allein am Freitag rund 1000 Mitarbeiter beteiligt

Name:Deutsche Post AG
Art:Logistik- und Postunternehmen
Privatisierung:2. Januar 1995
Umsatz:81,75 Milliarden Euro (2021)

Warnstreik bei der Deutsche Post: Zusteller von Briefen und Paketen legen die Arbeit nieder

„Die Resonanz ist überwältigend“, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Lars-Uwe Rieck gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bundesweit haben laut Verdi bereits über 15.000 Beschäftigte an den Warnstreiks teilgenommen, auch in Niedersachsen und Bremen wurde am Wochenende gestreikt.

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Schon am Donnerstag hatten in Hamburg etwa 140 Beschäftigte in Brief- und Paketzentren gestreikt. Der Aufruf am Samstag an die Zusteller sorgt aufgrund der konkreten Auswirkungen für die Bevölkerung vielleicht für ein noch deutlicheres Signal in Richtung Deutsche Post AG.

Die befindet sich gerade mit Verdi in einem Tarifstreit, bei dem es um Geld für die Tarifbeschäftigten der Entgeltklassen 1 bis 3 geht. Verdi argumentiert, dass die Beschäftigten, die monatlich zwischen 2108 und 3090 Euro brutto verdienen, in besonderem Maße unter der Inflation und den gestiegenen Energiepreisen leiden. Die Gewerkschaft fordert daher eine Entgelterhöhung von 15 Prozent und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, um „Reallohnverluste der Beschäftigten auszugleichen“.

Verdi Tarifangestellte streiken im Streit mit der Deutschen Post in Hamburg und im ganzen Norden
Viele Hamburger werden am Samstag umsonst einen Blick in den Briefkasten geworfen haben: Brief- und Paketzusteller der Deutschen Post streikten in Hamburg und Umgebung. (24hamburg.de-Montage) © Bernd Wüstneck/dpa/imagebroker/Imago

Deutsche Post macht Milliarden-Gewinne – aber Beschäftige gehen leer aus

Vor allem der Blick auf die Bilanzen der Deutschen Post dürfte einige Arbeitnehmer Streik-Motivation gegeben haben. Die Beschäftigten seien erbost über das Verhalten des Vorstandes, da die Post AG nach eigenen Angaben mit einem prognostizierten operativen Konzernergebnis in Höhe von 8,4 Milliarden Euro für 2022 das erfolgreichste Jahr in der Konzerngeschichte verzeichne, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Rieck. Zuletzt wurden die Arbeitspapiere zwischen der Deutschen Post und den Tarifbeschäftigten im Januar 2022 angepasst – mit einer Entgelt-Erhöhung um zwei Prozent.

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Die aktuellen Streiks seien daher auch eine Reaktion auf das Verhandlungsgebahren der Arbeitgeber, unterstrich Andrea Kocsis, stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin. Da die Arbeitgeber in dieser Woche in der zweiten Tarifverhandlungsrunde „deutlich gemacht hätten, dass sie nicht bereit und auch gar nicht in der Lage seien, die Reallohnverluste der Beschäftigten auszugleichen“, habe man sich entschieden, den Forderungen mit den aktuellen Streiks Nachdruck zu verleihen.

Aufgrund der weitreichenden Einschränkungen an verschiedenen Punkten der Logistik-Kette der Post, ist davon auszugehen, dass sich Verzögerungen und Unregelmäßigkeiten auch nach Wiederaufnahme des regulären Betriebs in der kommenden Woche fortsetzen werden. Der nächste Verhandlungstermin zwischen Verdi und Deutscher Post AG ist für den 8. und 9. Februar 2023 in Düsseldorf angesetzt. (Mit Material der dpa)

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