Verfassungsschutz beobachtet

Attila Hildmanns verrückte Anhänger – immer mehr Reichsbürger auch in Hamburg

  • Enno Eidens
    vonEnno Eidens
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Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann protestiert nicht nur gegen die Coronavirus-Regeln. Auch die Bundesrepublik Deutschland als Ganzes hat er im Visier.

  • Attila Hildmann will spielt mit Reichsbürger-Ideologie.
  • Die staatsfeindliche Bewegung wird auch in Hamburg größer.
  • Coronavirus-Kochbuchautor posiert mit Flaggen des Kaiserreichs.

Hamburg/Berlin – Seine Kundgebungen werden inzwischen zwar verboten, doch Attila Hildmann hetzt in seiner Telegram-Gruppe fleißig weiter. Im Visier wie gewohnt: Angela Merkel, Bill Gates und alle anderen, die Attila Hildmann für fiese Coronavirus-Verschwörer hält. Belastbare Quellen liefert Hildmann nicht, doch das hält den Coronavirus-Kochbuchautor aus Berlin nicht auf. Auch die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland zweifelt Hildmann stellenweise an, oft spricht er über das Deutsche Kaiserreich. Das tun auch die Reichsbürger. Diese Bewegung wächst, in Hamburg werden Sie vom Verfassungsschutz beobachtet. 24hamburg.de berichtet über das gefährliche Spiel des Attila Hildmann.

Attila Hildmann:Autor
Geboren: 22. April 1981 (Alter 39 Jahre), Berlin
Größe:1,77 m
Eltern: Ursel Hildmann
Ausbildung: Freie Universität Berlin

Attila Hildmann und die Reichsbürger: Mix aus Verschwörungstheorien und Staatsfeindlichkeit

Attila Hildmann hat viele Themen auf seinem Zettel. Eine vermeintliche Coronavirus-Verschwörung mysteriöser Eliten will er aufdecken. Angela Merkel, die angebliche Enkeltochter Josef Stalins und Bill Gates müssen gestoppt werden. Schließlich wolle letzterer die ganze Zeit über spezielle Chips verfolgen und/oder umbringen. Hildmanns Weltbild ist wirr und gefährlich. So, wenn Hildmann Politikern mit dem Tod droht oder sich in krass rechten Ergüssen auslässt.

Ist Attila Hildmann ein Reichsbürger? (24hamburg.de-Montage)

Doch besonders perfide ist Attila Hildmanns Spiel mit Reichsbürger-Ideologie. Hildmann will das Deutsche Kaiserreich zurück. Spricht häufig sogar davon, dessen Kanzler zu werden. Damit spricht Hildmann die Sprache der deutschen Reichsbürger. Diese betrachten das Deutsche Kaiserreich als einzige rechtmäßige Staatsform auf deutschem Boden. Was absurd klingt - schließlich hat Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Mauerfall seine staatliche Souveränität in Gänze zurückerhalten und mit dem Grundgesetz eine legitime Verfassung.

Auch in Hamburg folgen immer mehr diesem skurrilen „politischen“ Trend. Deutschlandweit werden die Reichsbürger vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtet. Die Bewegung ist gefährlich, ein Polizist wurde von einem Reichsbürger erschossen*. Darüber berichtet merkur.de.

Reichsbürger in Hamburg und Deutschland: Das steckt hinter der kruden Bewegung

Der Verfassungsschutz informiert auf seiner Website über die Reichsbürgerbewegung. Ganz voran steht die Heterogenität der Gruppe. Reichsbürger sind einzeln oder in kleinen Gruppen und nicht deutschlandweit organisiert. Doch eine Idee teilen laut Verfassungsschutz alle „Reichsbürger“ und Selbstverwalter: die „fundamentale Ablehnung der Legitimität und Souveränität der Bundesrepublik Deutschland sowie deren bestehender Rechtsordnung.“ Attila Hildmann spricht auf Telegram oft davon, wieder in einem Deutschen Reich leben zu wollen.

Die Reichsbürger-Szene ist divers. Im Kleinen sind dies Bürger, die keine Steuern zahlen und Weisungen ihrer jeweiligen Ämter ablehnen. Sie nerven oder terrorisieren Staatsdiener. Im Großen können es ganze Gebiete sein, die sich von der BRD ablösen und selbst verwalten wollen. Besonders spektakulär ist der Fall des Reichsbürgers Peter Fitzek. Der selbsternannte „König von Deutschland“, wollte am Stadtrand von Wittenberg sein eigenes „Königreich Deutschland“ ausrufen. Inzwischen musste Fitzek in Haft, unter anderem wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Auch gegen Attila Hildmann laufen inzwischen Ermittlungen.

In Hamburg ist die Reichsbürger-Szene gewachsen. Im Jahr 2016 beobachtete das Bundesamt für Verfassungsschutz in Hamburg 90 Reichsbürger, im Jahr 2018 ganze 145 und in diesem Jahr sind es schon 165 Personen. Das meldete die Deutsche Presse-Agentur mit Verweis auf den BfV-Sprecher Marco Haase.

Attila Hildmann und die Reichsbürger: Skurrile Flaggen und gefährliche Theorien

Attila Hildmann ist kein klassischer Reichsbürger, der glaubt, noch im Deutschen Reich zu leben. Doch er spricht häufig davon, dieses Reich wieder zu etablieren. So solle das deutsche Volk wieder über sich selber regieren. Passend dazu posiert er bei jeder Gelegenheit mit der Flagge des Deutschen Kaiserreichs - schwarz, weiß, rot. Auch seine Telegram-Gruppe hat er mit diesen Farben markiert. Dazu passt, dass er sich häufig wünscht, wieder „Reichskanzler“ in Deutschland zu werden.

Die Flaggen des Deutschen Kaiserreichs werden auch in der harten deutschen Nazi-Szene benutzt. Statt der Hakenkreuzflagge gelten sie nun als Symbol für Nationalsozialismus und Rechtsextreme. Auch Hildmann selbst bezeichnet sich immer wieder als Nationalisten. Seine Theorien verbinden den Widerstand gegen die Coronavirus-Maßnahmen mit rechten Theorien und gefährlichen Reichsbürger-Plänen. 24hamburg.de berichtet regelmäßig über die skurrilen Thesen des Kochbuchautors aus Berlin.

In Berlin demonstrierten am 1. August 2020 rund 17.000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Auch hier wurden Flaggen des Kaiserreichs gezeigt. Am 15. August gab es eine ähnliche Veranstaltung in Hamburg. „Querdenken 40“ konnte allerdings nur rund 1.000 Menschen auf den Jungfernstieg bringen. Dort gab es Reden und Protest, doch keine bedeutenden Reichsbürger-Inhalte. Weniger als 100 Menschen demonstrierten gegen die Coronavirus-Kritiker. In Europa verschärft sich die Coronavirus-Krise in der Urlaubszeit. So wurde Spanien als Risikogebiet eingestuft, was am Hamburger Flughafen zu Corona-Chaos führte. Währendessen ruft Hildmann zur Mega-Demo in Berlin auf und ignoriert seine süßen Kuchen-Feinde.* 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/Matthias Balk/Christophe Gateau/dpa/picture alliance

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