Neue Studie vorgelegt

Astrazeneca: Verunsicherte Hamburger lassen Impftermine sausen

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Die Gerüchte um die Risiken des Astrazeneca-Impfstoffes haben Konsequenzen. Hunderte Hamburger canceln ihre Impftermine. Was ist das Problem?

Hamburg – Erst der Thrombose-Skandal, dann Zweifel aus den USA: Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca hat sich gegen Kritik an seinem Corona-Impfstoff zur Wehr gesetzt. Das Vakzin schütze mit einer Wirksamkeit von 76 Prozent vor einer Covid-19-Ansteckung, teilte das Unternehmen am Donnerstag unter Berufung auf aktualisierte Daten aus einer neuen Wirksamkeitsstudie mit. Bei Über-65-Jährigen betrage der Wert sogar bis zu 85 Prozent, hieß es.

Präparat:Impfstoff
Hersteller/Entwicker:AstraZeneca, Universität Oxford
Forschungsname:AZD1222 (ChAdOx1)
Art des Impfstoffs:Nicht replizierender viraler Vektor
Darreichungsform:Inframuskuläre Spritze in den Oberarm

Damit korrigierte der Konzern die Daten aber ein wenig nach unten. Am Montag war die Wirksamkeit noch mit 79 statt 76 Prozent angegeben worden. Allerdings hatte die US-Gesundheitsbehörde die Aussagekraft einer entsprechenden Studie angezweifelt*, weil sie die Datenlage als veraltet ansah. Astrazeneca hatte daraufhin zugesagt, die Daten innerhalb von 48 Stunden zu aktualisieren. Frühere Analysen, die ebenfalls dem Vakzin einen verlässlichen Corona-Schutz zugesprochen haben, waren nicht Gegenstand der Auseinandersetzung.

Astrazeneca: Neue Studie soll hohe Wirksamkeit für US-Markt belegen

Das britisch-schwedische Unternehmen bemüht sich derzeit um eine Notfallzulassung für den US-amerikanischen Markt. Deswegen hatte der Konzern den Behörden eine neue Phase-III-Studie mit etwa 32.500 Probanden vorgestellt. Medienberichten zufolge waren rund 20 Prozent der Teilnehmer über 65 Jahre. 60 Prozent hatten zudem Vorerkrankungen wie Diabetes, die das Risiko eines schweren Verlaufs einer Covid-19-Erkrankung erhöhen.

Impfung mit Astrazeneca: Eine neue Studie belegt die Wirksamkeit mit dem umstrittenen Impfstoff. (24hamburg.de-Montage)

Nach Angaben von Forschungschef Mene Pangalos haben die Probanden den Wirkstoff gut vertragen. Es seien keine Sicherheitsbedenken festgestellt worden, sagte der Wissenschaftler der Nachrichtenagentur dpa. Er gehe davon aus, dass der Konzern die beantrage Zulassung in den kommenden Wochen erhalten werde.

Entwickelt hat Astrazeneca den Impfstoff zusammen mit der Universität Oxford. Seit Januar wird er in Großbritannien in großem Stil eingesetzt. In Deutschland und in einigen anderen europäische Staaten ist er ebenfalls auf dem Markt. Allerdings war die Impfung hierzulande kurzzeitig ausgesetzt, weil mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen bei einigen Geimpften aufgetreten waren.

Astrazeneca: Neue Thrombose-Fälle sorgen für neue Zweifel – 3000 Hamburgerinnen und Hamburger lassen Impftermin in Messehallen ausfallen

Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden in Deutschland mittlerweile 14 Thrombose-Fälle registriert, die in einem zeitlich kurzen Abstand nach einer Astrazeneca-Impfung auftauchten. Bislang waren drei Patienten an den Folgen gestorben. Am Donnerstag erhöhte sich die Zahl auf fünf. So starb in Bayern eine Krankenpflegerin*. Am Mittwoch war bereits eine 49-Jährige in Rostock gestorben. Eine Obduktion soll nun die genaue Ursache klären.

Trotz der möglichen Nebenwirkung stuft die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) das Präparat derzeit weiterhin als sicher ein. Nachdem zahlreiche Impftermine in Hamburg umorganisiert worden waren, wird das Mittel nach einer Überprüfung der EMA aber auch in der Hansestadt wieder geimpft*. Allerdings hat das Wirrwarr die Ablehnung des Impfstoffes in Hamburg offenbar vergrößert.

So ließen in der vergangenen Woche rund 3000 Menschen laut dem „Hamburger Abendblatt“ ihren Impftermin in den Messehallen platzen. Über die Hintergründe konnte die Kassenärztliche Vereinigung nur spekulieren. Es sei unklar, ob die Menschen dem Impfstoff misstrauten, oder ob sie nach dem Wirrwarr um dem Impfstoff davon ausgegangen waren, dass der Termin nicht stattfinden würde.

Im Vergleich zu den anderen Impfstoffen von Biontech und Moderna klagen Astrazeneca-Geimpfte häufiger über Nebenwirkungen, unter anderem auch Hamburger Feuerwehrleute. Experten wie die Hamburger Virologin Marylyn Addo oder SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach raten dennoch zu einem Einsatz. Die Thrombose-Gefahr, die auch bei der Einnahme der Pille besteht, stufen sie bei 14 Fällen gemessen an über 1,6 Millionen verabreichten Impfdosen in Deutschland weiterhin als gering ein. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de, msl24.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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