Neuer Bund-Länder-Beschluss

Nebenwirkungen von Astrazeneca: Impfstoff nur noch für Jüngere

  • Jens Kiffmeier
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Kehrtwende im Thrombose-Skandal: Astrazeneca-Impfstoff soll jetzt doch nur für Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Sind Nebenwirkungen für Jüngere zu groß?

Update von Dienstag, 30. März 2021, 20:42 Uhr: Hamburg – Die Debatte um den Impfstoff von Astrazeneca reißt nicht ab. Jetzt soll das umstrittene Vakzin doch nur für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Das geht aus einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Länder hervor, der am Dienstagabend bekannt wurde. Demnach sollen sich Jüngere aus der Priorisierungsgruppe eins und zwei zwar nach ärztlicher Aufklärung weiterhin freiwillig mit dem Impfstoff impfen lassen können, doch die Ständige Impfkommission (Stiko) änderte ihre empfohlene Altersbeschränkung.

Unternehmen:AstraZeneca
CEO:Pascal Soriot (1. Okt. 2012–)
Hauptsitz:Cambridge, Vereinigtes Königreich
Gründung:6. April 1999
Tochtergesellschaften:u.a.a MedImmune, AstraZeneca GmbH, Pearl Therapeutics, AstraZeneca Canada Inc., AstraZeneca AUSTRALIA, Acerta Pharma LLC

Damit vollzogen Bund und Länder erneut eine Kehrtwende. Bereits in der vergangenen Woche war wegen bekannt gewordener Thrombose-Fälle bei Astrazeneca-Geimpften zwischenzeitlich die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt worden. Nach einer Prüfung durch die Europäische Arzneimittelbehörde wurde das Präparat des britisch-schwedischen Konzerns dann aber wieder eingesetzt, auch in Hamburg. Nun liegen aber neue Daten vor, weswegen bereits am Nachmittag Bayern und Berlin wieder einen Impfstopp verhängten. Wie es nun in der Hansestadt Hamburg weitergeht, blieb am Abend noch unklar.

Astrazeneca: Hamburg setzt trotz Nebenwirkungen weiter auf den umstrittenen Impfstoff

Hamburg – Grünes Licht für Astrazeneca: Nachdem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Impfstoff weiterhin für sicher erklärt hat, wird die Hansestadt Hamburg das Vakzin weiterhin einsetzen. Ab dem kommenden Montag werde man die Impfungen mit dem Präparat wieder aufnehmen, betonte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz.

„Es ist gut, dass wir den Impfstoff wieder nutzen können, um bei den Impfungen wieder zügig weitermachen zu können“, sagte Leonhard. Es sei richtig gewesen, die Hintergründe zu den aufgetretenen Nebenwirkungen eingehend beleuchtet zu haben. Doch nach allen Abwägungen sei der Schluss zulässig, dass der positiven Nutzen für die Allgemeinheit deutlich größer sei als die Risiken. Deshalb setze man auch weiterhin auf den Wirkstoff.

Astrazeneca: Nach Thrombose-Skandal setzt Hamburg die Impfungen fort

Anfang der Woche hatte das Astrazeneca-Präparat für großen Wirbel gesorgt. Das Bundesgesundheitsministerium hatte auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) den Einsatz des Impfstoffs vorübergehend ausgesetzt. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach sieben Menschen an einer Thrombose in der Hirnvene erkrankt waren, nachdem sie mit Astrazeneca geimpft worden waren. Inzwischen ist die Zahl der Betroffenen auf 13 gestiegen, drei sind gestorben.

Kämpft mit dem Astrazeneca-Impfstoff gegen die Pandemie: Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Das führte deutschlandweit zu einem Aufschrei. Experten wie SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sehen durchaus einen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombose-Gefahr. Allerdings wiesen sie auch daraufhin, dass die Fallzahl angesichts von bereits 1,6 Millionen Astrazeneca-Geimpften sehr gering sei und dass das Risiko, an einem schweren Covid-Verlauf zu sterben, viel höher sei. Vergleiche, wonach die Einnahme der Anti-Baby-Pille eine viel höhere Thrombose-Gefahr bedeutet, lehnten sie aber ab.

Zu einem ähnlichen Schluss kam die Europäische Arzneimittelbehörde. Am Donnerstagabend stufte sie nach einer Sondersitzung das Präparat weiterhin als sicher ein. Nach zusätzlicher Rücksprache mit der deutschen Ständigen Impf-Kommission (StiKo) gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Mittel wieder frei*.

Sowohl in Bremen*, Niedersachsen* und Schleswig-Holstein wurde die Impfung mit dem Präparat umgehend wieder aufgenommen. In Hamburg hatte man in der vergangenen Woche unterdessen 23.000 Astrazeneca-Impfungen umgeplant und dabei auf eine Reserve von Biontech- und Moderna-Vakzinen zurückgegriffen. „Das werden wir jetzt nicht noch einmal umplanen“, stellte Gesundheitssenatorin Leonhard klar.

Astrazeneca: Bei Impfungen in Hamburg gibt es neue Warnhinweise

Ihren Angaben zufolge erwartet Hamburg ab Montag eine neue Astrazeneca-Lieferung. Die Dosen werde man dann für neue Termine einsetzen. Leonhard rief dazu auf, trotz der nun wachgewordenen Zweifel die Impfangebote anzunehmen. Angesichts steigender Corona-Zahlen und eines erneuten harten Lockdowns in der Hansestadt sei das nach wie vor der beste Schutz vor einer Ansteckung und zur Eindämmung der Pandemie, so die Senatorin.

Für die Impfwilligen soll es nun aber eine verbesserte Warnung vor den Risiken und Nebenwirkungen geben. Das Informationsblatt, das in der Regel ein Arzt im Impfzentrum mit den Angemeldeten durchgeht und das vor dem Spritzen ausgehändigt werden muss, wurde um die Thrombose-Gefahr des Astrazeneca-Produkts aktualisiert und erweitert. Seit Freitagmorgen liegen die neuen Infoschreiben laut Leonhard auch in Hamburg vor.

Ungeachtet dessen ist aus Sicht von Experten eine Thrombose in der Hirnvene auch behandelbar. Mit Blick auf die Astrazeneca-Nebenwirkung gelang dabei Greifswalder Forschern ein entscheidender Durchbruch*. Sie entschlüsselten offenbar bereits die Ursache für die Komplikation. So vermutet ein Medizinerteam der Universität, dass es sich bei den Thrombosen um eine Abwehrreaktion der Blutplättchen handelt. Die Erklärung ist wichtig, weil dadurch die Behandlungsmethode verbessert und angepasst werden kann. * 24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhard/dpa/picture alliance & Andreas Arnold/dpa/picture alliance

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