Stopp für Impfstoff

Astrazeneca: Thrombose-Skandal führt zu Termin-Chaos in Hamburg

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Der Astrazeneca-Impfstopp löst Termin-Chaos im Impfzentrum in den Hamburger Messehallen aus. Erst wird es nicht verimpft, dann doch. 

Hamburg – Es ist ein lästiges Hin und Her: Einen Tag nach dem überraschenden Stopp der Corona-Schutzimpfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff hat der Hamburger Senat tausende Impftermine vorerst umorganisiert. Zunächst angedachte Absagen seien wieder zurückgenommen, teilte die Gesundheitsbehörde am Dienstag mit. Demnach sollen nun alle Betroffenen ab Mittwoch mit Mitteln der Hersteller Biontech oder Moderna geimpft werden.

Präparat:Impfstoff
Hersteller/Entwicker: AstraZeneca, Universität Oxford
Forschungsname: AZD1222 (ChAdOx1)
Art des Impfstoffs: Nicht replizierender viraler Vektor
Darreichungsform:Inframuskuläre Spritze in den Oberarm

Hintergrund ist ein vorübergehender Impfstopp für das Astrazeneca-Vakzin*. Das Bundesgesundheitsministerium hatte auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) die Verwendung des Präparats am Montag überraschend ausgesetzt. Zuvor hatte es Meldungen über starke Nebenwirkungen gegeben.

Astrazeneca-Impfung: Hamburg organisiert Termine im Impfzentrum in den Messehallen um

So hatten sich bei sieben Menschen Trombosen (Blutgerinsel) in der Hirnvene gebildet, die mit dem Astrazeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus geimpft worden waren. Inwieweit nun tatsächlich ein Zusammenhang mit dem Impf-Präparat besteht, soll nun die Europäische Arzneimittelagentur untersuchen.

Eine Frau wird mit dem Astrazeneca-Wirkstoff geimpft. Jetzt wurde die Verteilung des Präparats ausgesetzt. (24hamburg.de-Montage)

Die Hansestadt Hamburg hatte den Stopp sofort am Montagnachmittag übernommen und zunächst alle geplanten Astrazeneca-Impf-Termine abgesagt. Durch eine Umstellung sollen nun aber doch noch alle Termine ab Mittwoch, 17. März 2021, eingehalten werden können. „Wer einen Impftermin hat, soll sich zum angegebenen Termin mit der Bestätigung im Impfzentrum einfinden“, rief ein Sprecher von Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) die Betroffenen auf. Impf-Willige, die eigentlich am heutigen Dienstag einen Impftermin hatten, sollen kurzfristig einen Ersatztermin bekommen.

Astrazeneca-Stopp: Impf-Tempo in Hamburg wird verlangsamt

Laut der Behörde waren für die kommenden Wochen insgesamt 23.000 Astrazeneca-Impfungen eingeplant. Um die vereinbarten Termine halten zu können, greift der Senat jetzt auf Biontech- und Moderna-Reserven zurück. Außerdem sollen die Zeitabstände zwischen Erst- und Zweitimpfung gestreckt werden. Insgesamt werde der Impfstoff aber in seiner Verfügbarkeit wieder knapper.

Trotz der schnellen Umstellungen wird der Impfplan in der Hansestadt durcheinander gewirbelt. Es sei jetzt „Geduld gefragt“, warb Sozialsenatorin Leonhard im Gespräch mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) um Verständnis. Das Impf-Tempo werde durch den Ausfall des Astrazeneca-Impfstoffs jetzt „leider wieder langsamer und noch zäher“, sagte sie.

Vor diesem Hintergrund werden nun in der Hansestadt anders als bisher geplant in den kommenden Tagen auch keine neuen Termine mehr vergeben – „unabhängig von der Berechtigung oder Dringlichkeit“, wie es hieß. Ausgenommen sind lediglich über 80-Jährige aus der höchsten Prioritätsgruppe. Sie sollen in begrenzter Anzahl unter der Telefonnummer 116 117 einen Termin nach Aufforderung absprechen können.

Astrazeneca-Wirkstoff: Trombose-Skandal – Experten warnen vor voreiligen Schlüssen

In den vergangenen Wochen war der Astrazeneca-Impfstoff immer wieder ins Gerede gekommen. Zugelassen worden war er zunächst für Menschen unter 65-Jahren. Vor allem Erzieher, Lehrer, aber auch Polizisten oder Rettungskräfte sollten damit in den kommenden Wochen gegen das tödliche Virus geschützt werden. Immer wieder hatten aber Betroffene über Nebenwirkungen geklagt. Dennoch hielten Experten das Vakzin bislang für sicher.

Inwieweit die jetzt bekannt gewordenen Fälle die Einschätzung korrigieren, bleibt abzuwarten. Am Dienstag warnten Gesundheitspolitiker und Mediziner vor voreiligen Schlüssen. Es könne durchaus ein Zusammenhang bestehen, sagte SPD-Politiker Karl Lauterbach. Doch für eine konkrete Bewertung sei es noch zu früh. Vieles sei noch nicht bekannt, sagte auch Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Deutschlandweit wurden laut PEI ungefähr 1,6 Millionen Astrazeneca-Dosen gespritzt. In Hamburg wurden bis zum 14. März insgesamt 45.400 Menschen der Wirkstoff in einer Erstimpfung verabreicht. Zweitimpfungen fanden bislang noch nicht statt und sollen vorerst auch nicht vorgenommen werden. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa/picture alliance

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