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Anwohner gegen Wirte und Politik – St. Pauli streitet wegen Feier-Lärm

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Von: Steffen Maas

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Weil die Außen-Gastro auf St. Pauli mehr Platz einnimmt als vor der Pandemie, gehen Anwohner auf die Barrikaden. Ein Schlichtungstermin verläuft ergebnislos.

Hamburg – St. Pauli feiert. Das war gefühlt schon immer so. Doch gerade zuletzt bei besseren Temperaturen und wegfallenden Kontaktbeschränkungen tummeln sich auf der Reeperbahn in Hamburg vor allem am Wochenende wieder tausende Touristen und Feierwütige. Aber: „St. Pauli wohnt!“ eben auch. Darauf macht seit Monaten eine Initiative von Anwohnern rund um die Paul-Roosen-Straße aufmerksam, die zuvor jahrelang mit dem Ordnungsamt, der Politik und (einigen) Gastronomen gestritten hatten.

Name:Hamburg-St. Pauli
Art:Stadtteil
Fläche:2,3 Quadratkilometer
Bewohner:21.902 (Stand Dezember 2020)
Bezirk:Hamburg-Mitte

Ein großer Teil der Debatte ist dabei die Außengastronomie: Während den Hochzeiten der Pandemie wurde den Unternehmern erlaubt, die anliegenden Parkplätze als zusätzliche Fläche zur Bewirtung zu nutzen. Die gastronomische Ausbreitung war in Zeiten von Auflagen und Schutzmaßnahmen oft die einzige Möglichkeit, irgendwie Umsatz zu generieren. Für die Anwohner in Sankt Pauli bedeutet das aber nun: mehr Fläche, mehr Besucher, mehr Lärm. Und irgendwo zwischen den Fronten: die Politik.

St. Pauli: Corona macht Gastronomie Probleme

Die hatte die Sondergenehmigung zunächst ganz abschaffen wollen, sie im April aber aufgrund vehementer Gastro-Proteste dann doch nur abgeschwächt: Erlaubt ist die Bewirtung auf den Parkplätzen aktuell ausschließlich an Wochenenden von 17 bis 23 Uhr – Tische, Stühle und Bänke müssen jeden Tag auf- und abgebaut werden, damit sie nicht nach Ladenschluss von umhertreibenden Feiernden weiterbenutzt werden.

Bierflaschen mit Blumen stehen in der Sonne auf Tischen vor einem Lokal im Schanzenviertel.
So friedlich wie hier im Schanzenviertel geht es momentan rund um die Paul-Roosen-Straße in St. Pauli nicht zu. Anwohner beschweren sich vehement über die Außengastronomie. (Symbolbild) © Jonas Walzberg/dpa

Das sei zu restriktiv und unpraktisch, beschwerten sich die Gewerbetreibenden damals: Nur 18 Stunden Außenbetrieb, abzüglich der Zeit, die das Umräumen des Mobiliars jeden Tag einnehme? Zu wenig, auch weil jedem sechsten Hamburger Restaurant die Corona-Pleite drohte. Zumal es nicht hilft, dass in umliegenden Bezirken wie Altona und Eimsbüttel beim gleichen Thema deutlich mehr Spielraum eingeräumt wird.

„St. Pauli wohnt!“: Kein Schlaf wegen Dezibel-Belästigung

Die Unterstützer der Initiative „St. Pauli wohnt!“ wollen dagegen lieber eine noch größere Korrektur. In einem Bericht des NDR monieren Anwohner die hohe Lautstärke vor der Haustür, die es von Donnerstag bis Sonntag schwer mache, in den Schlaf zu kommen. Unterstrichen wird die Beschwerde sogar von einer eigenen Dezibel-Untersuchung, die zeigt, dass es selbst hier, abseits der Reeperbahn, am Wochenende selten unter der gesetzlichen 40-Dezibel-Begrenzung bleibt.

Ärger gibt es dabei explizit nicht mit allen Gastronomen: Nur die, die sich so gar nicht an die vereinbarten Sperrstunden halten und Gäste bis weit nach 23 Uhr bewirten würden. Auch die Bezirkspolitik kriegt im Fernsehbericht abseits der eigentlichen Parkplatz-Entscheidung noch einiges an Kritik mit auf den Weg: Jahrelang habe man immer weiter Lokale genehmigt und so den Andrang vermehrt.

Hamburg-Mitte: City-Ausschuss vermittelt

Um die Situation zu beruhigen und in konstruktive Gespräche zu kommen, lud die Bezirksverwaltung am vergangenen Mittwoch, 6. Juli, zu einem Vermittlungstreffen auf. Das sei sehr entspannt abgelaufen, berichtet Oliver Sträter (SPD), Vorsitzender des City-Ausschusses, dem NDR. Es gäbe viele Gruppen, die man „zusammenbringen muss. Für alle müssen wir ein Angebot schaffen“, formulierte der Politiker die Herausforderung der Situation. Konkrete Ergebnisse gab es am Mittwoch noch nicht, die sollen in einem Workshop im Herbst erarbeitet werden.

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Denn erstmal ist Sommerpause in der Politik. Und Hochkonjunktur in der Außengastro – besonders bei der bevorstehenden Hitzewelle. Nicht optimal, findet das einer der Anwohner, wie er im NDR-Bericht verrät: „Am Ende findet der Krieg sozusagen hier vor Ort statt und die Leute, die es mal losgetreten haben, die haben sich ja jetzt in den Urlaub verabschiedet.“

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