Frontfrau der Öko-Partei

Annalena Baerbock: Warum die Wirtschaft Grüne Kanzlerkandidatin liebt

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Hype um Annalena Baerbock: Die Grüne gilt als mögliche Kanzlerin. Plötzlich ist auch die Wirtschaft Fan der Öko-Partei, die einst als industriefeindlich galt.

Hamburg – Die Grünen befinden sich weiter im Aufwind: Nach der Nominierung von Parteichefin Annalena Baerbock erhält die Öko-Partei weiterhin großen Zuspruch. Allen voran Top-Manager und Wirtschaftsbosse sprechen sich mehrheitlich für ein grün geführtes Kanzleramt aus, wie neueste Umfragen zeigen. Für die in der Krise steckende Union ist das ein weiterer Tiefschlag.

Deutsche Politikerin:Annalena Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (40 Jahre), in Hannover
Familienstand:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Das höchste Lob kommt dabei von der obersten europäischen Währungshüterin. So schwärmte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, in den höchsten Tönen von Baerbock, der immer wieder mangelnde Regierungserfahrung vorgeworfen wird: „Man muss keine ältere grau- oder weißhaarige Person sein, um in die Politik zu gehen und für sein Talent anerkannt zu werden“, sagte Lagarde. Sie persönlich halte die 40-Jährige für eine „junge Frau, die sich sehr für Klimawandel und Umweltschutz engagiert“ und dabei die europäischen Zukunftsthemen nach vorne treibe.

Annalena Baerbock (Grüne): Kanzlerkandidatin wird zum Liebling der Wirtschaft

Dass Lagarde dabei keine Einzelmeinung repräsentiert, zeigt sich nun auch in einer Umfrage der „Wirtschaftswoche“. Demnach sehen die meisten Führungskräfte in Deutschland in Baerbock die natürliche Nachfolgerin im Amt von der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auf die Frage, wen sie als Kanzlerin oder Kanzler direkt wählen würden, sprachen sich 26,5 Prozent der Befragten für die grüne Spitzenkandidatin aus.

Will Autoindustrie und Windkraft vereinen: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) ist für die Wirtschaft die Favoritin bei der Bundestagswahl. (24hamburg.de-Montage)

Baerbock, die in der Hansestadt Hamburg studiert hat, liegt damit deutlich vor FDP-Chef Christian Lindner (16,2 Prozent), CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet (14,3 Prozent) und SPD-Vizekanzler Olaf Scholz (10,5 Prozent). Nur ein Drittel der Umfrageteilnehmer waren noch unentschieden. Befragt wurden bei der Umfrage insgesamt 1500 Führungskräfte aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Dienst.

Für die CDU ist das eine weitere Klatsche nach mehreren Krisenwochen. Erst verpasste die Maskenaffäre rund um einige Unionsabgeordneten der Partei herbe Niederlagen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dann sorgte das Hickhack um die Kanzlerkandidatur von Laschet mit Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) für einen Absturz in den Umfragen*.

Annalena Baerbock: Grüne Kanzlerkandidatin liegt in Umfrage vorn – trotz teurer Wirtschaftspläne

Einst galten die Grünen als Verbotspartei und Industrieschreck. Doch mittlerweile hat sich ein anderes Bild durchgesetzt. Zusammen mit Co-Parteichef Robert Habeck, der ebenfalls gerne Kanzlerkandidat geworden wäre, hat Baerbock bereits ein grünes Wahlprogramm vorgelegt. Es umfasst 137 Seiten, trägt den Titel „Deutschland. Alles ist drin“ und zielt auf die politische Mitte. Von ihrem Grundprinzip, eine klimaneutrale Industrie zu schaffen, rücken die Grünen nicht ab. Allerdings flankieren sie die Maßnahmen mit erheblichen Investitionen und Förderungen.

Insgesamt sind die Wirtschaftspläne eine teure Angelegenheit, wie eine Auswertung von 24hamburg.de ergeben hat. In großen Teilen der Arbeitgeberwelt kommen sie aber offenbar an. Das betonte auch Christine Lagarde. Die Energiewende und der Ressourcenschutz werde für immer mehr Unternehmenszweige in Europa eine enorm wichtige Angelegenheit. Vor diesem Hintergrund findet die Währungshüterin die hohen Zustimmungswerte für die Grünen nicht weiter verwunderlich. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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